Große Pläne für den historischen Bierkeller in Lienzingen

Von Thomas Sadler Erstellt: 6. Februar 2018, 10:05 Uhr
Große Pläne für den historischen Bierkeller in Lienzingen Stadtführer Roland Straub am Eingang zum historischen Lienzinger Bierkeller. Fotos: Sadler

Mühlacker-Lienzingen. Der Mühlacker Stadtteil Lienzingen, der 2016 sein 1250-Jahr-Jubiläum feierte, verfügt nicht nur über sehenswerte Fachwerkhäuser, sondern auch über einen historischen Bierkeller aus der Zeit, in der hier unter dem Namen „Lienzinger Bräu“ leckerer Gerstensaft produziert wurde. Am kommenden Sonntag, 11. Februar, 15 Uhr, können Neugierige das geschichtsträchtige Gebäude besichtigen und sich vom lokalen Stadtführer Roland Straub informieren lassen.

Die Vorgeschichte: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gründete Johann Martin Schneider, der von 1829 bis 1903 lebte, eine Brauerei, die 1903 von seinem Sohn Karl Immanuel übernommen und zehn Jahre später an die Kronenbrauerei in Ludwigsburg verkauft wurde, wie aus dem Heimatbuch hervorgeht. Bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in Lienzingen Bier hergestellt. Standort der Brauerei war der Bereich Knittlinger Straße/Kirchenburggasse.

1883 baute Johann Martin Schneider an der heutigen Friedrich-Münch-Straße einen Bierkeller, der, wie Günter Bächle, Stadtrat und Leiter des Arbeitskreises „Lienzinger Ortsjubiläum“, mitteilt, als Lagerstätte für Eis zur Frischhaltung des Getränks gedient habe. Bezogen wurde das Eis aus dem „Eissee“, der sich gegenüber dem Keller befand und in der Zwischenzeit trockengelegt worden ist. Heute befindet sich dort der Sportplatz des Stadtteils.

Roland Straub habe sich stark dafür eingesetzt, dass die Kommune den Bierkeller übernimmt und erhält, sagt Günter Bächle. Ende 2017 hat die Stadt dann das geschichtsträchtige Objekt von einer privaten Erbengemeinschaft erworben. Doch damit ist es nicht getan. Jetzt gehe es darum, Interessierte zu suchen, die sich für den Erhalt des Bierkellers tatkräftig einsetzen, so Bächle. Dabei sei auch zu überlegen, wie er in Zukunft genutzt werden kann. Möglicherweise könnten hier ja Jugendkonzerte durchgeführt werden, überlegt Bächle laut. Und auch das hätte durchaus Bezug zur Vergangenheit. „Das war der erste Lienzinger Jugendclub“, berichtet Roland Straub, der in dem Gewölbe, das drei bis zu 33 Meter lange Stollen umfasst, die durch Quergänge miteinander verbunden sind, in den 1970er Jahren mit seiner damaligen Band auftrat. Die nötige Wärme erzeugte ein Ofen mit offenem Kamin, der heute noch erhalten ist.

Abgesehen davon steht in dem von außen unscheinbar wirkenden einstigen Bierkeller, in dem früher ein Dampfkessel stand, nur noch etwas „Gerümpel“. Außerdem ist es finster. Doch das soll sich bald ändern. Die Stadt werde sich um die Elektrik kümmern und für Licht sorgen, so Straub, dessen Arbeitsgemeinschaft eine neue Bühne aufbauen möchte. Für Frühling, wahrscheinlich Mai oder Juni, sei ein Eröffnungswochenende geplant, kündigt der Ortshistoriker an. Zum mehrtägigen Programm gehören eine Bierprobe und ein Konzert der Lienzinger Gruppe Gin sonixx, bei der er selbst als Schlagzeuger mitspielt. Außerdem schwebt ihm eine Ausstellung der Künstlergruppe Mühlacker vor. Auch künftig solle der vormalige Bierkeller kulturell genutzt werden – unter der Federführung eines noch zu gründenden Kultur- oder Heimatvereins. Indes ist die neue Nutzung des Gewölbes nicht das einzige Projekt von Bedeutung im Stadtteil. Wie wiederholt berichtet, wird im alten Rathaus neben einem Christbaumständer-Museum auch ein Etterdorf-Museum eingerichtet, das Anfang Mai eröffnet werden soll.

Zu den von einem aus Ehrenamtlichen bestehenden Arbeitskreis geplanten Ausstellungen werden nun Exponate aus der Zeit vor 1930 gesucht zur Geschichte der Brauerei Schneider sowie zu Weinbau, Landwirtschaft, Tabakanbau, Feuerwehr, Gastronomie und weiteren Themen, die typisch für die Lienzinger Historie sind. Nach den Ausstellungen erhalten die Eigentümer die Gegenstände wieder zurück, so Günter Bächle.
Wer in seinem Keller oder auf der Bühne fündig wird, möge sich noch bis spätestens Ende Februar unter der Telefonnummer 07041/5521 bei Roland Straub melden.

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