Den Lienzingern bleibt ihre Ärztin doch erhalten

Dr. Katja Riegel wird ihren Patienten künftig als Angestellte eines Vaihinger Praxisverbunds zur Verfügung stehen

Von Thomas Sadler Erstellt: 28. Dezember 2016, 00:00 Uhr
Den Lienzingern bleibt ihre Ärztin doch erhalten Ärztin bleibt in Lienzingen: Dr. Katja Riegel (re.) mit Patientin Lore Rieger. Foto: Sadler

Mühlacker-Lienzingen. Manch ein Patient, der in den vergangenen Tagen Dr. Katja Riegel aufsuchte, ist, wie die Ärztin ergriffen berichtet, in Tränen ausgebrochen. Grund waren nicht körperliche Beschwerden, sondern die Nachricht, dass die Allgemeinmedizinerin ihre Praxis in Lienzingen zum 31. März 2017 aufgrund zu hoher Mehrfachbelastung schließen werde.

Doch jetzt gibt Katja Riegel Entwarnung: Sie wird den Lienzingern erhalten bleiben. „Mit dem Praxisverbund Bubeck aus Vaihingen habe ich Ärzte gefunden, die meine Praxis zur Filialpraxis machen“, teilte Katja Riegel unserer Zeitung jetzt mit. Sie werde künftig voraussichtlich halbtags, nämlich an den Vormittagen, als angestellte Ärztin arbeiten. „Ich bin erleichtert, dass meine Patienten weiter versorgt sein werden und ich im Angestelltenverhältnis arbeiten kann“, so die Medizinerin, der in Zukunft zeitraubende Verwaltungsarbeit abgenommen wird.

Hinter der in die Wege geleiteten Neuregelung, durch die Lienzingen die hausärztliche Versorgung erhalten bleibt, steht eine „überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft“ mit Dr. Jörg Bubeck, Beata Bubeck und Dr. Christine Klose an der Spitze. Acht Ärztinnen und Ärzte, darunter fünf Angestellte, und rund 20 Helferinnen arbeiten bislang in Vaihingen, Sachsenheim, Eberdingen und Lomersheim unter dem Dach des Verbunds. „Das Bubeck-Konzept ist ein Konzept für die Zukunft“, sagt Beata Bubeck. Ziel sei es, dem Praxissterben auf dem Land entgegenzutreten. Die Lienzinger Ärztin habe bei ihnen angefragt, ob sie bereit seien, ihre Praxis zu übernehmen, berichtet die Vaihinger Medizinerin, die Verständnis für ihre Kollegin hat. Deren Pensum „kann man als einzelne Person praktisch nicht mehr leisten“, stellt sie fest. Ziel der Gemeinschaft sei es, dafür zu sorgen, dass Patienten qualifizierte Hilfe bekommen und Ärzte entlastet werden. „Mit unserem Konstrukt ist das möglich“, ist sich Beata Bubeck sicher.

Ab 9. Januar kommenden Jahres, so ist es vorgesehen, solle Katja Riegel nur noch vormittags arbeiten – zunächst noch als Selbstständige und ab 1. April als angestellte Ärztin. Nachmittags wird sie von einem Kollegen abgelöst. Das Team des Verbunds deckt ein breites Spektrum der medizinischen Versorgung ab. Dazu gehören unter anderem der internistische Bereich und die Anästhesie ebenso wie Palliativversorgung, Schmerztherapie, Hausbesuche durch Ärzte und Helferinnen sowie die Betreuung von schwer kranken Patienten und Bewohnern von Altenheimen.

„Unsere Praxen sind vernetzt“, so Beata Bubeck weiter. Die organisatorischen Fäden liefen in Vaihingen zusammen, wo eine Mitarbeiterin als Managerin fungiere und Aufgaben wie das Schreiben von Abrechnungen und die Koordination von Urlaubsplanungen übernehme. Kurz gesagt: Die „komplette Organisation“ samt den verwalterischen Tätigkeiten werde zentral erledigt. Die Ärzte wiederum können sich auf ihre ureigenste Arbeit konzentrieren, nämlich die Betreuung von Kranken.

Derweil sieht sich der Vaihinger Verbund in Bezug auf die Zahl seiner Filialpraxen noch nicht am Ende angekommen. „Wir wollen ausbauen und sind bereit, weitere Praxen sowie Ärzte zu übernehmen“, kündigt Beata Bubeck im Gespräch mit dem Mühlacker Tagblatt an.

Eine der Patientinnen, denen angesichts der Rettung der Lienzinger Praxis nun ein Stein vom Herzen fallen dürfte, ist Lore Rieger. Die Seniorin wohnt in der Nachbarschaft der Praxis und zählt zu den ersten Patienten von Katja Riegel, mit der sie ein herzliches Verhältnis verbindet. Gäbe es in dem Stadtteil tatsächlich keine hausärztliche Versorgung mehr, was ja nun nicht der Fall ist, müsste sie mit dem Bus zu einem anderen Arzt. Ein beschwerliches Los, das ihr erspart bleiben soll.

Weiterlesen
Wanderkarte neu erhältlich

Wanderkarte neu erhältlich

Mühlacker-Lienzingen (pm). Die ersten 3000 Wanderkarten mit Routenvorschlägen rund um Lienzingen waren nach mehr als einem Jahr vergriffen, jetzt gibt es laut einer Mitteilung die zweite Auflage mit 1800 Stück… »