Bierkellerverein Lienzingen ärgert sich über Bürokratie

CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum lässt sich über die Braukunst in Lienzingen informieren

Erstellt: 2. März 2020, 00:00 Uhr
Bierkellerverein Lienzingen ärgert sich über Bürokratie Im Hopfengarten: Gunther Krichbaum, Roland Straub und Günter Bächle (v.li.). Foto: privat

Mühlacker-Lienzingen (pm). In der Berliner Landesvertretung Baden-Württembergs stieß Gunther Krichbaum auf das Lienzingen Etterdorf-Bier „1882“, freute sich und schickte dem Lienzinger Stadtrat Günter Bächle quasi ein Beweisfoto per SMS. „Lienzingen erobert die Hauptstadt.“

Neugierig geworden, informierte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete jetzt im Bierkeller und am Hopfenfeld über die Geschichte des Bierbrauens in dem Mühlacker Stadtteil vor Ort. Und erfuhr dabei auch, wie Bürokratie solche Aktivitäten erschweren kann.

Der Vorsitzende des Bierkeller- und Kulturvereins Lienzingen, Roland Straub, öffnete für Krichbaum den historischen Bierkeller an der Friedrich-Münch-Straße. Er berichtete von den wilden Hopfenpflanzen, die entlang des Scherbental- und Schmiebaches wachsen. Dieser ausgewilderte Hopfen stamme aus der Zeit um 1850. Damals habe die Brauerei von Johannes Gutjahr, später Johann Schneider, bis zum Jahr 1913 in Lienzingen tatsächlich Bier hergestellt. 1881/82 habe die Familie Schneider das Brauhaus mit Gaststätte, Biergarten und Wohnung in der heutigen Knittlinger Straße und 1883 den Bierkeller mit Eissee in der Friedrich-Münch-Straße gebaut. Gegenüber seien zwei Scheunen errichtet worden, um das „Lienzinger Bräu“ in Fässer abzufüllen und die Bierfässer zu richten. Der Eissee, heutiger Sportplatz, habe im Winter das Eis zum Kühlen des Gerstensaftes geliefert, berichtete Roland Straub.

Zusammen mit den beiden Lienzinger Kreisräten Günter Bächle und Dr. Peter Napiwotzky schaute sich der Abgeordnete die drei Röhren des Gewölbekellers an, den die Stadt Ende 2017 zurückgekauft hat. Leider sei es bisher nicht gelungen, die Stadt dazu zu bewegen, eine Stromleitung in den Keller zu legen, obwohl nur an die bis vor den Eingangstoren liegende Hauptleitung angeschlossen werden müsse. Der Verein wolle sich in die Unterhaltung des Bierkellers einbringen, könne aber bei Arbeitseinsätzen nicht im Dunkeln tappen. Wichtig sei, den Bestand des Kellers zu sichern. Ein Statiker habe an einer Stelle, gleich nach einem der beiden Eingänge, eine Baumwurzel in dem Gemäuer entdeckt. Obwohl es nur ein kleiner Bereich sei, habe die Stadt den allgemeinen Zutritt gleich für den gesamten Bierkeller untersagt und durch ein Gitter außen deutlich gemacht. Vereinsvorsitzender Straub setzte sich dafür ein, die Sache rasch abschließend zu klären.

„Ich bin beeindruckt und finde die Anlage höchst interessant“, sagte Krichbaum. Wie Stadt- und Kreisrat Günter Bächle ergänzte, habe sich die Klärung der statischen Fragen verzögert, weil die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt von der Stadt eine artenschutzrechtliche Begutachtung wegen Eingriffen im Hang über dem Keller gefordert habe, die zu erstellen eine ganze Vegetationsperiode dauern müsste. Die Ergebnisse hätten erst 2021 vorgelegen, was eine weitere Verzögerung gebracht hätte, so Bächle. Aber es gehe nicht um eine Abholzung des Hanges, sondern darum, im kritischen Bereich den Hang aufzugraben, um einen Blick von oben auf das Gewölbe zu werfen, ansonsten gelte es, Bäume zu fällen, deren Standfestigkeit gefährdet ist oder deren Wurzeln das Gewölbe gefährden. Bächle sagte, inzwischen habe das Landratsamt Abstand genommen von einem so großen Gutachten und sei damit einverstanden, durch eine einmalige Begehung den artenschutzrechtlichen Wert des Hanges festzustellen.

Roland Straub beklagte auch in der zweiten Station, dem Hopfengarten in der Hart, bürokratische Hindernisse und Erschwernisse. Es sei schwierig gewesen, die Behörden zu überzeugen, dort eine an die Dorfgeschichte anknüpfende Hopfenanlage zu schaffen. Dann habe es eines aufwendigen Genehmigungsverfahrens für eine Informationstafel über Hopfenanbau am Hopfengarten gegeben, die Tafel habe verkleinert werden müssen, und die Erlaubnis sei befristet. Krichbaum sagte, den Wunsch, den Hopfengarten zu erweitern, wolle er mit dem Regierungspräsidium besprechen, und sicherte dem Verein die entsprechende Unterstützung zu.

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