Leidensweg mit viel Leidenschaft

Karfreitagsprozession im Heidenwäldle zieht Gläubige aus der ganzen Region an – Kreuzweg als Orientierung für das Leben

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 30. März 2013, 00:00 Uhr
Leidensweg mit viel Leidenschaft Giuseppe Linoria verkörpert Jesus auf seinem Leidensweg mit großer Intensität. Fotos: Stahlfeld

Knapp 1000 Menschen haben an der Karfreitags-Prozession im Heidenwäldle von Mühlacker teilgenommen. Fast 70 Laien-Darsteller zeichneten den Leidensweg von Jesus nach. Die 25. Prozession war noch aufwendiger gestaltet als in den Vorjahren.

Mühlacker. Pater Antonino Grassia ist kein Mann großer und lauter Worte. Er gab sich bescheiden, als gestern kurz vor Beginn der Prozessions-Feierlichkeiten die letzten Vorbereitungen getroffen wurden. „Ich bin zufrieden“, stellte er rückblickend auf die vergangenen 25 Jahre bescheiden fest. Dabei hatte der Pater der italienischen katholischen Gemeinde, der Comunita Cattolica Italiana, in Mühlacker 1988 die Tradition der Karfreitags-Prozession in Mühlacker etabliert.

Seitdem lockt die Feierlichkeit jährlich mehr Besucher an. Die Gläubigen kommen aus dem Großraum Mühlacker und Vaihingen, um bei der Prozession den Leidensweg Jesu nachzuvollziehen. So gehören auch in Mühlacker die Verurteilung, die Aufnahme des Kreuzes, die Szene, in der Jesus zum ersten Mal fällt, und die Begegnung mit seiner Mutter Maria zu den klassischen Kreuzwegstationen.

Maria Militello (Leonberg) verkörperte gestern Mutter Maria. „Ich bin sehr gläubig“, erklärte sie, warum sie an der Prozession teilnimmt. Sobald sie ihr Gewand überziehe, würde die Kraft aber auch die Traurigkeit in ihr hochsteigen. Maria Magdalena wird seit 25 Jahren von Bracco Despina (Mühlacker) gespielt. Ebenso wie bei ihr ist auch bei Jesus-Darsteller Giuseppe Linoria aus Mühlacker der Glaube ausschlaggebend. Und noch viel mehr. „Der Karfreitag ist wie eine Begegnung mit Jesus“, betonte Linoria die Intensität des Schauspiels, die sich auch auf die Zuschauer übertrug. Für ihn war es womöglich der letzte Auftritt als Jesus, den er seit zwölf Jahren spielt: „Jesus ist mit 33 Jahren gestorben.“ Da er jetzt ebenso alt sei, wäre die Zeit gekommen, aufzuhören.

Rund einen Kilometer musste Giuseppe Linoria das 23 Kilogramm schwere Holzkreuz schleppen. Immer wieder trafen ihn die Peitschen-Hiebe seiner Peiniger. Als Soldaten verkleidete Männer begleiteten ihn ebenso auf dem Weg nach Golgatha wie die vielen schwarz gekleideten Frauen, die um Jesus trauerten.

Im langen Prozessionszug folgten die Gläubigen. Unter den Gästen befanden sich auch Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider mit Ehefrau, Weihbischof Thomas Maria Renz sowie Dekan Claus Schmidt.

Sie alle erlebten bei der 25. Prozession auch zwei große Neuerungen. Erstmals begann das Schauspiel bereits beim letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. Außerdem war Jesus erstmals bei der Kreuzigung nicht allein. Wie in der Bibel überliefert, mussten zwei Verbrecher ebenfalls am Kreuz sterben. Giovanni Lo Bello und Aniello Salvatore hatten diese Rollen übernommen.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes Mühlacker sorgten dafür, dass während der Feier der Autoverkehr auf dem Berliner Ring ruhte. „Lasst uns an diesem Kreuzweg Orientierung finden für unser Leben“, betete Weihbischof Renz mit den Gläubigen.

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