Kultusministerin wirbt um Mitstreiter

Dr. Susanne Eisenmann redet bei CDU-Neujahrsempfang Klartext: Baden-Württemberg hat bei seinen Schulen ein Qualitätsproblem

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 16. Januar 2017, 00:00 Uhr
Kultusministerin wirbt um Mitstreiter Trotz Schnee alles andere als frostig: Die Christdemokraten Wolfgang Schreiber (v.li.), Günter Bächle, Gunther Krichbaum, Kathrin Bossert-Fröhle und Johannes Bächle heißen die Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (3. v.li.) in Mühlacker willkommen. Fotos: Stahlfeld

Bildung lebe davon, dass sich viele dafür interessieren, sagte am Sonntag die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann bei ihrem Besuch in Mühlacker und schien damit in der Senderstadt offene Türen einzurennen. Selten kamen so viele Besucher zu einem CDU-Neujahrsempfang.

Engagiert: Kultusministerin Eisenmann.Engagiert: Kultusministerin Eisenmann.

Mühlacker. Rund 130 Menschen saßen dicht gedrängt im Pavillon der Musikschule Gutmann, und Kathrin Bossert-Fröhle, Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, konnte neben dem Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum, Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle, Mühlackers Bürgermeister Winfried Abicht sowie Johanna Bächle, Leiterin des Amtes für Bildung und Kultur, unter anderem etliche Schulleiter, Lehrer und Eltern begrüßen.

Sie alle hörten eine Rede, die deutlich machte, dass erfolgreiche Bildungspolitik nicht nur Analyse und Lösungsansätze braucht, sondern auch interessierte Mitstreiter. „Das kann man mit dem Fußball vergleichen“, so Susanne Eisenmann. Hier wie dort „sitzen auf der Tribüne lauter Trainer, die es besser wissen“. Doch Bildung lebe gerade davon, dass sich Omas und Opas, Eltern und Verbände dafür interessieren. „Schließlich war ja auch jeder in der Schule“, so die Ministerin, die bat: „Bleiben Sie ein kritischer, konstruktiver Partner.“

Zuvor war die Ministerin in ihrer Rede schnell auf den Punkt gekommen. „Baden-Württemberg hat über alle Schularten hinweg ein zentrales Qualitätsproblem im Vergleich zu anderen Bundesländern“, redete sie nach einem kurzen Abriss über das Jahr 2016 und die Herausforderungen in 2017 schnell Klartext. Was die Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler im Lesen, Schreiben und Rechnen angehe, so hinke man zwei Jahre hinterher und liege aktuell im unteren Mittelfeld neben Berlin und Bremen: „Das ist nicht das Umfeld, wo sich Baden-Württemberg sehen will.“ Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz legte aber nicht nur den Finger in die Wunde. In ihrer gut 40-minütigen Rede skizzierte sie auch konkrete Lösungsansätze. „Wir brauchen Ruhe und Verlässlichkeit“, stellte sie ihre oberste Handlungsmaxime auf. Es dürfe nicht länger die Existenz einzelner Schularten hinterfragt werden. Vielmehr müsse man darauf achten, wo Schulen Unterstützung brauchen. Das gelte für die Grundschule ebenso wie für die Realschule und das Gymnasium, betonte Eisenmann. Auch der Haupt- und Werkrealschule sprach sie ihre Berechtigung nicht komplett ab. Starke Standorte blieben erhalten. Während hier das Interesse nachlasse, stoße die Gemeinschaftsschule auf Nachfrage: „Damit ist die Existenzberechtigung per se gegeben.“

Die CDU-Politikerin zeigte sich überrascht vom Aufschrei nach ihrer Forderung, die Schreibfehler von Erst- und Zweitklässlern wieder zu korrigieren. Kräftiger Beifall in Mühlacker machte deutlich, dass sie hier die Mehrheit auf ihrer Seite hatte. Sie nahm die Eltern in die Pflicht. Es gebe Kritik an zu viel Digitalisierung in der Schule. Und daheim? „Jedes mobile Endgerät hat einen Ausschaltknopf“, appellierte sie an die Erziehungspartnerschaft von Eltern und Schule.

Eisenmann scheute nicht davor zurück, zu sehen, wie erfolgreiche Länder es machen. In der Kultusministerkonferenz sitze sie immerhin neben dem „Klassenstreber“ Bayern. Digitalisierung, Inklusion, das gesellschaftliche Ansehen der Lehrer, die Integration von Flüchtlingskindern, die Schaffung von besseren Übergängen in die berufliche Bildung: Eisenmann beackerte ein weites Feld und setzte Akzente.

Engagiert trat sie für die Vermittlung von kulturellen Werten ein. Diese gelte es nicht zu tolerieren, sondern zu akzeptieren, meinte sie bei dem Neujahrsempfang, den Veronica Auinger und Marie Scheffel von der Musikschule Gutmann und ihre Lehrerin Elena Zimmer musikalisch begleiteten.

Weiterlesen
„Trauerspiel“ in der Ziegelei beklagt

„Trauerspiel“ in der Ziegelei beklagt

Mühlacker (pm). Nach einem Rundgang durch die Innenstadt hat die CDU-Fraktion im Mühlacker Gemeinderat Kritik an den mangelnden Fortschritten auf dem Ziegeleigelände geübt. „Mühlackers Stadtpolitik hat kein Entscheidungs- SIE MÖCHTEN… »