Künstler wollen Menschen verbinden

Bei einem Event in den Enzgärten sollen Bürger sich an „50 Meter Kunst“ beteiligen – Projekt im Rahmen des Lebenshilfe-Jubiläums

Von Frank Goertz Erstellt: 13. Juli 2018, 00:00 Uhr
Künstler wollen Menschen verbinden Vorfreude auf Kunstevent in den Enzgärten (v.li.): Sandra Sailer, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker, Klaus-Peter Böhringer von der Rolf Scheuermann Stiftung, die Künstler Eugen Schütz, Angelika Lill-Pirrung, Jürgen Sage, Norbert Winter von der Lebenshilfe, Martin Kautter, Anastassia Biederstaedt, Celina Stretz, Robert Würth und Gerd Owczarek von der Sparkasse Pforzheim Calw. Foto: Goertz

Eugen Schütz, auch als Kwaku bekannt, ist jetzt schon aufgeregt: „Das wird ein beispielhaftes Projekt für Deutschland. Und wir ahnen nicht, was auf uns zukommt.“ Passend zum Motto „Wir verbinden Menschen“ der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker, die ihr 50-jähriges Bestehen feiert, wollen die Künstlergruppe Mühlacker und Gastkünstler in den Enzgärten 50 Meter Kunst schaffen.

Mühlacker. Bei dem Jubiläums-Kunstprojekt der Lebenshilfe am Wochenende 28./29. Juli legen die Künstler aber nur bedingt selbst Hand an. Sie wollen vielmehr auf dem Gartenschaugelände an der MT-Leseinsel die Bevölkerung einladen, an einer oder allen der fünf mal zwei Meter großen Kunstwände, die kreuz und quer auf der Wiese verteilt werden, sich am künstlerischen Prozess zu beteiligen. „Jeder kann mitmachen, das ist eine offene Aktion“, schlägt Schütz als Kurator des Projekts eine Brücke zum Motto „Wir verbinden Menschen“ der Lebenshilfe. Wobei Kunst in diesem Fall das Bindeglied sei.

Dabei sollen die Bürger aber nicht nur mit Kunst in Kontakt kommen, sondern auch mit den Klienten der Lebenshilfe, was Eugen Schütz ein ganz besonderes Anliegen ist: „Wir müssen lernen, dass auch diese Menschen mit besonderen Begabungen zur Gesellschaft gehören“, bedauert er, dass das Wort „Inklusion“ zwar in aller Munde sei, tatsächlich aber Rückschritte statt Fortschritte gemacht würden.

Deshalb soll die Wiese in den Enzgärten bei der Kunstaktion eine Kontaktplattform werden, an der Künstler und Menschen mit und ohne Behinderungen ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. „Ich habe diese Idee schon einige Jahre im Kopf“, sagt Schütz, „und freue mich, dass ich die Lebenshilfe überzeugen konnte, sie in ihr Jubiläumsprogramm aufzunehmen.“

Unterstützung bekommen die Künstler dabei aber auch von Sponsoren, etwa der Rolf Scheuermann Stiftung, der Alison und Peter Klein Stiftung, der Sparkasse Pforzheim Calw, der Kreissparkasse Ludwigsburg, der Neuen Schmiede Großglattbach und dem ProZwo Mühlacker. „Außerdem hoffen wir auf Hilfe der ,Aktion Mensch‘“, berichtet Sandra Sailer, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker. „Wir sind guter Dinge, dass unser Antrag bewilligt wird.“ Außerdem liefere die Firma Heinzelmann Holzwände für die Kunstwerke.

Wie diese am Ende aussehen werden, ist völlig offen. Die Künstler geben nur die Materialien und das grobe Thema vor. So wollen zum Beispiel Celina Stretz und ihre Mutter Hildegard eine Blumenwiese als Stoffmaterialrelief entstehen lassen. „Ich hoffe, dass viele Menschen ihre Stoffstücke mitbringen oder spenden. Stoffstücke, die eine besondere Geschichte haben, an denen vielleicht besondere Erinnerungen hängen“, macht Celina Stretz deutlich, dass ihr Projekt am Ende nicht nur ein ansehnliches, sondern auch sehr persönliches Kunstwerk sein soll.

Bunt wird es auf jeden Fall an der Wand von Anastassia Biederstaedt und Sabine Herzog. Sie wird mit Basketbällen bespielt, die in Farbe getaucht wurden.

Kinetisch geht es bei Frank Robert Köhler aus Großglattbach zu. „Sein Stahlrelief soll sich mit dem Antrieb eines Fahrrads in Bewegung setzen“, verrät Schütz.

Mehrdimensional wird es an den Ständen von Robert Würth und dem Duo Pirlica, das aus Angelika Lill-Pirrung und Christine Lill besteht. Bei Robert Würth sollen bemalte Holzteile zu einem Relief verarbeitet werden, während Pirlica eine 3D-Welle mit Fundhölzern plant.

Recycling schreibt sich nicht nur Eugen Schütz auf die Fahne, der ein Stahlrelief aus Industrieabfall plant. Eine Arbeitslosengruppe der GSI (Gemeinnützige Service- und Integrationsgesellschaft Enzkreis) will an einer Wand Recycling- und Naturmaterialien reliefartig anbringen und bemalen, während sich junge Künstler des ProZwo den vielen Wegwerfartikeln im öffentlichen Raum für eine Wandgestaltung widmen.

Die Künstlergruppe Trio (Bernd Brüstle, Susanne Spiel und Jürgen Sage) beschäftigt sich mit ihrem Webrahmen derweil mit einem Materialmix aus bunten Bändern, Schnüren und Holzprofilen, der verwoben, verknüpft und verschnürt wird.

Martin Kautter will mit Besuchern ein Kunstwerk aus Großfotos schaffen, während auf dem Bild von Dorothee Simons und Claudia Grenz Menschen zu sehen sein sollen, die – passend zur Aktion – gemeinsam einem Ziel entgegenstreben.

„Das wird nicht nur eine Premiere, sondern ein Abenteuer“, sagt Schütz. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen kommen. 100? 500? 1000 womöglich? Jeder kann sich an jeder Stellwand einbringen, Kontakte knüpfen, kreativ sein. Das wird ein Wimmelbild in den Enzgärten.“

Die Werke sollen bei der Kunstnacht in Mühlacker noch einmal ausgestellt und zugunsten der Lebenshilfe versteigert werden. „Zwischenzeitlich wollen wir versuchen, eine Wanderausstellung in der Region zu organisieren“, kündigt Schütz an. „Kunst gehört in den öffentlichen Raum.“

Damit das Projekt im besten Sinne des Wortes nachhaltig wirkt, nicht nur in den Köpfen der beteiligten Menschen, werde ein Filmemacher aus Vaihingen zusätzlich eine Dokumentation drehen, macht Schütz deutlich, dass das Projekt „50 Meter Kunst“ weit über das Eventwochenende hinaus wirken soll.

 

„50 Meter Kunstwand“ findet am Samstag, 28.Juli, von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag, 29. Juli, von 11 bis 17 Uhr in den Enzgärten auf der Wiese an der MT-Leseinsel statt. Außerdem planen die Organisatoren ein Fest am Samstagabend mit schottischem Folk von Tanglefoot.

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