Klinik-Defizit fällt höher aus als erwartet

B10-Sperrung verhagelt die Bilanz – Das Minus klettert auf 4,6 Millionen Euro – Weiter Hängepartie um Geburtshilfe in Mühlacker

Von Norbert Kollros Erstellt: 12. Juli 2019, 00:00 Uhr
Klinik-Defizit fällt höher aus als erwartet Unter keinem guten Stern stehen die Enzkreis-Kliniken: Die Sperrung der B10 hat Patienten gekosten und das Defizit nach oben getrieben, Foto: Kollros

Die monatelange Sperrung der Bundesstraße 10 im vergangenen Spätsommer in Mühlacker hat die 2018er Bilanz der Enzkreis-Kliniken gehörig verhagelt: Das Haus in Mühlacker verzeichnete von August bis November einen Einnahmeverlust gegenüber dem Vorjahr von rund 843000 Euro mit der Folge, dass das Betriebsdefizit um ziemlich genau diese Summe höher ausfiel als prognostiziert.

Mühlacker/Enzkreis. „Das ist eine bittere Pille, die wir da schlucken mussten“, sagte ein ziemlich verärgerter Landrat Bastian Rosenau am Montag bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Kreistag. Ähnlich äußerten sich der Klinikengeschäftsführer Professor Jörg Martin und der Regionaldirektor Dominik Nusser. Letzterer legte eine Statistik vor, wonach allein im stationären Bereich von Mitte August bis Mitte November – jene Zeitphase der Vollsperrung der Bundesstraße zwischen dem Mühlacker Ortsausgang und der Einmündung der Osttangente 277 Patienten weniger behandelt wurden als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Grund: Die Hauptzufahrt zu den Kliniken war dicht, Rettungsfahrzeuge mussten sich ihren Weg durch Wohngebiete suchen, und Ortsfremde hätten die Schleichwege erst gar nicht gefunden. Mehr als ein Achselzucken und die Bemerkung „so ist es eben“ sei vom Regierungspräsidium Karlsruhe als Träger der Sanierungsmaßnahme auch nicht gekommen, man habe sich schlichtweg auf sich alleine gestellt gefühlt, so Nusser. Für 2018 war ursprünglich ein Defizit von 3,7 Millionen Euro prognostiziert worden. Letztlich ist es auf knapp 4,6 Millionen Euro geklettert, rechnete Nusser vor. Entsprechend höher fällt der Defizitausgleich aus der Kreiskasse aus, was vom Kreistag so auch ohne Murren festgestellt wurde.

Hauptgeschäftsführer Martin meinte, bei den Kliniken im Enzkreis auch weiterhin „von einer schwarzen Null weit entfernt“ zu sein. Dies sei der Größe der Häuser geschuldet mit 170 Betten in Mühlacker (Regelversorgung) und 82 Betten in Neuenbürg (Grundversorgung) sowie 47 in der Geriatrie in Mühlacker. Martin und sein Führungsteam wollen jedoch nicht locker lassen, mit immer neuen Strategien zumindest einer Verschlechterung der Betriebsergebnisse entgegenwirken. „Wir waren da ja auch in der Vergangenheit auf einem guten Weg“, so der Geschäftsführer, bis die Gesellschaft eben vergangenen Herbst die Sondersituation B10-Baustelle voll traf.

Nicht einig geht der Klinikenchef mit vielen Vorstellungen von Gesundheitsminister Jens Spahn, dem er deshalb süffisant wünscht, den „Karrieresprung ins Bundesverteidigungsministerim zu schaffen“. Der Kliniken-Praktiker verfolgt deshalb eher eigene Vorstellungen, etwa die Akademisierung der Pflege, wofür die RKH-Kliniken-Holding eine Kooperation mit dem Lehrstuhl Pflege an der Universität Salzburg eingegangen ist. Martins Vorstellung: Pflege und ärztlicher Dienst zum Team zu entwickeln. Und das Interesse sei in den RKH-Häusern „ungeheuer groß“.

Eine weitere Strategie Martins ist die Verzahnung von ambulanten und stationären Strukturen. Diesem Ziel diene auch ein aufzubauendes Medizinisches Versorgungszentrum auf dem Gesundheitscampus auf dem Lindach in Mühlacker. Diesem hat der Kreistag am Montag im Grundsatz auch zugestimmt. Wie Professor Martin andeutete, stehe ein privater Investor als Partner bereit. Dieser wolle das Projekt zügig angehen. Auch ein Neubau für Kurzzeitpflege konkretisiere sich immer mehr. Dieses Projekt wolle das Sozialwerk Bethesda aus Neulingen realisieren.

Noch keine spruchreife Lösung ist für die Geburtshilfe in Mühlacker in Sicht, die seit Juni geschlossen sei, nachdem innerhalb weniger Wochen sechs Hebammen aus unterschiedlichen Gründen (eigene Schwangerschaft, längere Erkrankung und Wegzüge) ausgefallen seien. In jedem kleineren Haus sei der Kreißsaalbetrieb indes eine „fragile Angelegenheit“. Ein angedachtes Modell eines hebammengeführten Kreißsaals sei nicht zustandegekommen, jetzt arbeitet Nusser an einem Kooperationskonzept zwischen den Häusern in Mühlacker, Bietigheim und Ludwigsburg.

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