Kirchenbezirk setzt auf neue Ideen

In Zeiten sinkender Zahlen von Pfarrern und Gemeindemitgliedern mit „Hoffnungsprojekten“ auf die Menschen zugehen

Von Thomas Sadler Erstellt: 18. Januar 2019, 00:00 Uhr
Kirchenbezirk setzt auf neue Ideen Mit neuen Konzepten und Projekten soll verhindert werden, dass Gläubige ihrer Kirche den Rücken kehren.Archivfoto: Huber

Ein Mangel an Pfarrern, weniger Kirchenmitglieder und schrumpfende Kirchengemeinden: Mit neuen Ansätzen möchte sich der evangelische Kirchenbezirk Mühlacker den aktuellen Herausforderungen stellen und verstärkt auf die Menschen zugehen. Ideen liefern soll auch ein Impulstag am Samstag, 2. Februar 2019, in der Pauluskirche.

Mühlacker. Der demografische Wandel und Kirchenaustritte sorgten dafür, dass die Gemeinden immer kleiner werden, stellte Dekan Jürgen Huber am Donnerstag bei einem Pressetermin fest, an dem auch der Mühlacker Pfarrer Hans-Ulrich Läpple, Joachim Kälber, Enzberger Kirchengemeinderat und Mitglied des Kirchenbezirksausschusses des Kirchenbezirks Mühlacker, und der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Michael Gutekunst teilnahmen. Ein weiteres Problem sei die sinkende Zahl von Pfarrerinnen und Pfarrern. Es gingen mehr Seelsorger in den Ruhestand als jüngere Pfarrer nachkämen, so der Dekan. Darüber hinaus seien in der Gesellschaft eine abnehmende Verbindung der Menschen zur Kirche und ein „Traditionsabbruch“ zu beobachten, der sich auch in einem dürftigen Wissen über die Bedeutung kirchlicher Feiertage niederschlage.

Dennoch will der Kirchenbezirk Mühlacker nicht in Frust und Lethargie verfallen, sondern den negativen Trends „ein positives Zeichen entgegensetzen“, so Huber. „Wir wollen Mitarbeiter motivieren und kirchliches Leben neu denken.“ Dazu gehöre auch der Versuch zu lernen, „wieder mehr vom Menschen her zu denken“, so der Dekan. In die Tat umgesetzt werden soll dies mit „Hoffnungsprojekten“, für die die Landeskirche einen Innovationsfonds eingerichtet habe.

Tipps holen wollen sich die Verantwortlichen unter anderem bei der anglikanischen Kirche in England, wo die Säkularisierung schon deutlich stärker fortgeschritten sei, wie Pfarrer Hans-Ulrich Läpple von Kontakten mit Vertretern der englischen Kirche weiß. Um zu verhindern, dass Gottesdienste vor leeren Kirchenbänken stattfinden, seien in Großbritannien neue „kleine Keimzellen“ ins Leben gerufen worden mit der Absicht, wie einst Jesus mehr unter Menschen zu gehen und das persönliche, zwanglose Gespräch außerhalb von Kirchen zu suchen.

Es gehe darum, von der „Pfarrer-zentrierten Kirche“ und von „Zielgruppengottesdiensten“ wegzukommen und den Glauben mehr „in die Breite zu tragen“, sagte Jürgen Huber. Dass das funktioniert, belegte Michael Gutekunst mit einem Beispiel: In Gemeinden auf der Platte rund um Wiernsheim gebe es Jugendgottesdienste unter der originellen Bezeichnung „Fischfabrik“, an denen Jugendliche ebenso wie Erwachsene und Pfarrer ebenso wie Ehrenamtliche mitwirkten, und die sich eines kräftigen Zulaufs erfreuten.

Ebenfalls gefragt seien Treffen im evangelischen Gemeindehaus von Enzberg, wo Jugendliche – bei denen ortsunabhängig Freizeiten oder gemeinsame Aktivitäten wie das Einstudieren eines Musicals generell gut ankämen – neben dem offiziellen Programmteil auch genug Zeit für ein lockeres Miteinander und einen Austausch bleibe. Die nächste Idee steht bereits kurz vor der Umsetzung: Am 28. März, 4. April und 11. April, jeweils von 19.30 bis 21.30 Uhr, können sich Interessierte auf Einladung des evangelischen Kirchenbezirks zu „Theologie im Café“ im Dürrmenzer „Würmle“ treffen. Mit diesem Novum, so Gutekunst, soll Lust auf Theologie mit Freude an Büchern verbunden werden. Um mit einer neuen Perspektive Ostern zu feiern, setzen sich die Teilnehmer mit dem Buch „Von Hoffnung überrascht – was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt“ von Tom Wright auseinander. Zu Hause liest jeder einen Teil des Buches, und an den drei Abenden wird das Gelesene dann in lockerer Atmosphäre diskutiert.

„Oft ist es wichtig, Leuten zuzuhören, für sie da zu sein und den Glauben auch zu leben“, meinte der Enzberger Kirchengemeinderat Joachim Kälber. Zudem seien freilich innovative Angebote nötig. Und eben für vielversprechende Neuheiten erhalte der Kirchenbezirk von der Landeskirche seit 2017 sechs Jahre lang jährlich 20000 Euro. Dank dieses Zuschusses könne der Bezirk Mühlacker bis zu 5000 Euro pro Projekt zur Verfügung stellen.

Passende Anregungen verspricht sich Dekan Jürgen Huber am 2. Februar (9 bis 15 Uhr) in der Mühlacker Pauluskirche vom Impulstag, der „neue Aufbrüche bewirken“ möge. Ein Blick auf das Programm zeigt, dass es an Vorschlägen und Erfahrungsberichten wohl nicht fehlen wird. „Kinderstadt“, „Jugendgemeinde“, „Kurse zum Glauben“ oder „Gemeinden feiern Festivals“ lauten nur einige der Schlagworte. Ebenso kurios wie einfallsreich klingt „FreshX im Nagelstudio“ – der Versuch einer in ihrer Gemeinde ehrenamtlich Tätigen, kirchenferne Menschen über den Umweg von Gesprächen im Studio für die Kirche zu interessieren.

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