Kein Gewerbegebiet für zehn Jahre?

„Welsche Wiesen“ als Anstoß: LMU-Fraktion fordert einen generellen Kurswechsel

Von Thomas Eier Erstellt: 6. Mai 2019, 00:00 Uhr
Kein Gewerbegebiet für zehn Jahre? Anstoß: Die Diskussion um neue Gewerbeflächen für Mühlacker reicht inzwischen weit über das Gebiet „Welsche Wiesen“ hinaus. Foto: Huber

Mühlacker. Als Konsequenz aus der Diskussion um das Gebiet „Welsche Wiesen“ fordert die Liste Mensch und Umwelt (LMU) einen Beschluss des Mühlacker Gemeinderats, für die nächsten zehn Jahre grundsätzlich auf die Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbegebiete zu verzichten. Sie werde einen entsprechenden Antrag formulieren, kündigte die Fraktion in einer Mitteilung vom Wochenende an.

Wie berichtet, haben angesichts der massiven Widerstände von Anwohnern die Fraktionen von CDU und Freien Wählern bereits Abstand von den Plänen für eine Bebauung des Geländes zwischen dem Wohngebiet Eckenweiher und der Osttangente genommen. Was für die „Welschen Wiesen“ gelte, argumentiert nun die LMU, treffe auch für alle anderen zur Diskussion stehenden Standorte zu.

Wie die jüngsten Anträge der anderen Fraktionen zeigten, würden die von der LMU seit vielen Jahren vertretenen Argumente für Klima- und Artenschutz, Naherholung und den Schutz des Landschaftsbildes und der landwirtschaftlichen Flächen inzwischen „von einer großen Mehrheit des Gemeinderats mitgetragen“, so Fraktionssprecher Klemens Köberle. Die potenziellen anderen Standorte – Lug-Fuchsensteige als Erweiterung der Waldäcker, Hart bei Lienzingen oder ein Waldstandort an der B35 nördlich des Hochbergwaldes – wiesen teilweise in vielfachem Maß dieselben negativen Merkmale auf wie der Standort „Welsche Wiesen“, heißt es in der Stellungnahme der LMU, die eine Verbindung herstellt zum Bürgerentscheid im November 2016.

Nach dem Motto: Werde im Fall des Eckenweihers den „zum Teil sehr berechtigten“ Bedenken von 100 bis 200 Mitgliedern einer Bürgerinitiative stattgegeben, müssten die mehr als 3600 Einwohner, die sich im Zuge des damaligen Bürgerentscheids gegen ein neues großflächiges Gewerbegebiet ausgesprochen hätten, erst recht Gehör finden. „Jeder, der nun ein Gewerbegebiet mit mehr als 25 Hektar fordert, macht sich völlig unglaubwürdig“, ließ Köberle im Namen der LMU verlauten. Die oft betonte rasche Notwendigkeit neuer Gewerbeflächen müsse im Übrigen stark bezweifelt werden, da dieser Ansatz in der Diskussion um die vier Hektar im Gebiet „Welsche Wiesen“ von Protagonisten wie dem Gewerbeverein und der Industrie- und Handelskammer „kaum zu hören war“.

Über die Zukunft des Standorts soll mutmaßlich in der Sitzung des Gemeinderats am 14. Mai entschieden werden, wobei die CDU bereits beantragt hat, auf ein Gewerbegebiet in den „Welschen Wiesen“ zu verzichten. Die LMU wiederum plädiert für einen generellen Kurswechsel und erste Schritte zu einem „qualitativen Wachstum“ ohne weiteren Flächenverbrauch. Der Zeitraum von zehn Jahren biete Luft, um neue Strategien zu entwickeln.

Nach den Vorstellungen der Fraktion könnten Firmen, die ihre Grundstücke besser ausnutzen – zum Beispiel durch den Bau von Parkdecks – finanziell gefördert werden. Mit Hilfe von Landesmitteln sollen zudem brachliegende oder bislang schlecht genutzte Gewerbestandorte für eine neue Bebauung überplant werden. Als Beispiel für Geschäftszweige, die in Mühlacker bislang vernachlässigt worden seien, nennt die LMU-Fraktion den Tourismus.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Eier@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen

Schule zeigt Israel-Ausstellung

Mühlacker-Lomersheim (pm). Kaum eine Epoche der Neuzeit ist spannender als die Entstehung des neuen Staates Israel. Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie der israelisch-palästinensische Konflikt. In den häufigen… »