In Mühlacker sind keine Jobs in Gefahr

Sparkurs geht an den 1400 Mitarbeitern am hiesigen Mahle-Behr-Standort vorbei, der zurzeit sogar von der Dieselkrise profitieren kann

Von Maik Disselhoff Erstellt: 16. Mai 2019, 00:00 Uhr
In Mühlacker sind keine Jobs in Gefahr Dieter Kiesling, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Betriebsratschef von Mahle Behr in Mühlacker und Vaihingen, mit einem Ladeluftkühler im Mühlacker Werk. Trotz des angekündigten Sparkurses müssten sich die Beschäftigten in der Region keine größeren Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, sagt der Illinger. Archivfoto: Disselhoff

Der Autozulieferer Mahle will Stellen abbauen. Zwar sind die Beschäftigten am Standort Mühlacker nicht direkt vom Sparkurs des betroffen, gleichwohl müssen sie sich dem tiefgreifenden Wandel der Fahrzeugbranche stellen.

Mühlacker. Mahle tritt wegen der Dieselkrise, einer schwächelnden Konjunktur und weltweiter Handelsrisiken auf die Kostenbremse. Wie unsere Zeitung am Dienstag im überregionalen Teil berichtete, will der Konzern deshalb sparen. Der Bau einer neuen Firmenzentrale in Stuttgart wurde vorerst abgeblasen. Aber nicht nur das: Firmenchef Jörg Stratmann kündigte laut Stuttgarter Nachrichten an, 380 der derzeit 4300 Arbeitsplätze am Standort Stuttgart streichen zu wollen. Der Abbau der Jobs soll bis Ende 2020 im Rahmen von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen erfolgen.

Die jüngsten Ankündigungen der Geschäftsleitung, die ein großes Medienecho ausgelöst haben, dürften auch die Beschäftigten von Mahle Behr in Mühlacker und Vaihingen beunruhigen. Die Arbeitsplatzsicherung, die der Betriebsrat und die IG Metall mit der Arbeitgeberseite bei Mahle ausgehandelt hat, gilt schließlich nur noch bis Ende des Jahres. Das treibt auch Dieter Kiesling um, der stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Vorsitzender des Betriebsrats von Mahle Behr in Mühlacker und Vaihingen ist. Er will erneut eine Beschäftigungssicherung für die deutschen und damit für die beiden regionalen Standorte unter Dach und Fach bringen.

Kiesling, der aufgrund seiner Position auch Mitglied des Aufsichtsrats von Mahle ist, wird mit am Tisch sitzen, wenn die Geschäftsleitung in den nächsten Tagen mit Vertretern der Arbeitnehmerseite über die Sparmaßnahmen sprechen wird. Im Vorfeld der Runde sagt der Illinger an die Adresse der Belegschaften in Mühlacker und Vaihingen: „Die Mitarbeiter müssen sich keine größeren Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen, denn die Werke haben eine hohe Kompetenz im Mahle Konzern.“

Kiesling ist sich aber auch sicher, dass die Geschäftsleitung alle deutschen Werke auf den Prüfstand stellen will. „Ich erwarte, dass man uns damit konfrontiert.“ Der angekündigte Sparkurs kommt nicht überraschend. Kiesling erinnert an den Preis- und Wettbewerbsdruck, der anhaltend hoch sei und nicht nur dem Zulieferer Mahle das Leben erschwere. „Und die Dieselkrise beeinträchtigt Standorte, die Teile für diesen Verbrennungsmotor liefern.“

Auch wenn die Belegschaft in Mühlacker aktuell nichts zu befürchten hat, macht der Betriebsratschef klar: Die 1400 Mitarbeiter lebten keinesfalls auf einer grünen Insel, zurzeit könne der Standort jedoch von der Dieselkrise profitieren, weil in dem Werk der indirekte Ladeluftkühler für Benzinmotoren produziert werde. „Die Nachfrage dieses Produkts hat angezogen“, berichtet Kiesling.

Doch dass dies angesichts der Umwälzungen in der Automobilbranche nur eine Momentaufnahme ist, weiß auch der Gesamtbetriebsratschef, der betont: „Auch wir in Mühlacker haben den Blick darauf, wie man die E-Mobilität mit neuen Produkten aus Mühlacker mitgestalten kann.“ So habe das Unternehmen am hiesigen Standort ein Produkt zur Batteriekühlung im Portfolio, das künftig noch eine größere Rolle spielen könnte.

„Zudem wollen wir uns in Mühlacker im Bereich der Löt- und Stanztechnik und der Falzrohrherstellung als Leitwerk für diese Technologien entwickeln“, sagt Kiesling. Nichtsdestotrotz sei die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor auch am Mühlacker Standort nach wie vor hoch, warnt Kiesling, der in Sachen Zukunftsantrieb nicht nur die E-Mobilität auf dem Radar hat. „Für mich sind auch die Brennstoffzelle und der Bereich der synthetischen Kraftstoffe wichtige alternative Zukunftsfelder. Zudem bräuchte man für diese Technologien mehr Kühler, was uns Aufträge und Beschäftigung bringen würde.“

Zwar seien die Werke in Mühlacker und Vaihingen, wo 300 Beschäftigte arbeiteten, gut aufgestellt, trotzdem stünden sie unter Druck. „Die Transformation, zunehmende Automatisierung und Digitalisierung gelingt nur über Qualifizierungsmaßnahmen“, sagt Kiesling. So habe man angesichts dieser großen Herausforderung in Mühlacker kürzlich einen sogenannten Methodenraum geschaffen, in dem neue Arbeitskräfte eine Woche für ihren Einsatz im Werk qualifiziert werden. „Damit wollen wir die Qualität in der Belegschaft erhöhen“, sagt Kiesling.

Neben der Schulung neuer Mitarbeiter werde im Methodenraum auch Stammpersonal fortgebildet. Dies sei angesichts eines „hohen Altersschnitts“ der Belegschaft, der bei knapp unter 50 Jahren liege, nicht immer einfach. Dennoch habe Mühlacker und Vaihingen mit einer motivierten Belegschaft eine gute Ausgangsposition, um Marktanteile zu verteidigen und Chancen für Neuprodukte zu nutzen, blickt Kiesling optimistisch in die Zukunft.

Maik Disselhoff

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