Hochwasser hält Feuerwehr auf Trab

Mühlacker schrammt knapp an einer Flut vorbei – Enz tritt teilweise über die Ufer – Rettungskräfte im Dauereinsatz

Von Frank Goertz und Maren Recken Erstellt: 8. Januar 2018, 00:00 Uhr
Hochwasser hält Feuerwehr auf Trab Unter der Herrenwaagbrücke in Dürrmenz staut sich am Freitagnachmittag immer noch das Wasser. Fotos: Recken (6), Hansen (1)

Mühlacker ist kurz vor dem Wochenende haarscharf an einer Flut vorbeigeschrammt. Die Feuerwehr war nicht nur die ganze Nacht auf Freitag im Dauereinsatz, am Freitagnachmittag gingen die Alarme fast im Minutentakt ein. Die Rettungskräfte mussten dabei vier Einsätze gleichzeitig meistern.

Mühlacker. In der Spitze stand der Enzpegel in Pforzheim, der ausschlaggebend ist für den Hochwasseralarmplan in Mühlacker, am Freitag um 3 Uhr bei 2,43 Meter. Unter der Herrenwaagbrücke war kaum noch Platz für das Wasser. Andernorts trat die Enz über die Ufer und überflutete unter anderem das Gelände der Sportfreunde Mühlacker. Im Laufe des Freitags ging der Pegel dann langsam auf rund zwei Meter zurück. Inzwischen hat sich die Lage komplett normalisiert.

Trotz der ablaufenden Flut war die Feuerwehr am Freitagnachmittag gleich bei mehreren Hochwasser- und Sturmschäden im Einsatz. Unter anderem bestand die Gefahr, dass ein Hühnerstall am Tailfinger Hof in Enzberg absaufen könnte. Problem war, dass ein Abwassergraben an einem Feldweg verstopft war. Die Hühner waren schnell in Sicherheit gebracht. Da aber die Gefahr bestand, dass das Wasser aus dem Graben auf die Verbindungsstraße zwischen Enzberg und Ötisheim läuft, musste die Wehr wieder für Durchfluss in dem Graben sorgten. Zur Sicherheit errichteten die Rettungskräfte auch noch mit Sandsäcken eine Barriere. Außerdem stand der Keller des Vereinsheims des TSV Mühlhausen ebenso unter Wasser wie der Keller der Turn- und Festhalle in dem Mühlacker Stadtteil. Die Feuerwehr nimmt an, dass sich das Grundwasser in die Gebäude gedrückt hat. Als wären die Wehrleute damit noch nicht gefordert, mussten sie auch noch einen kniffligen Einsatz an der Eckenweiher Straße bewältigen. Dort hatte sich an einem Gebäude ein Firstziegel gelockert – wahrscheinlich bereits beim Sturm Burglind. Mit der Drehleiter haben die Wehrleute dann den Firstziegel gesichert. Es habe Gefahr im Verzug bestanden, denn der Ziegel hätte jederzeit herunterfallen können. „Ein Dachdecker war nicht mehr zu bekommen“, hieß es auf Nachfrage bei der Wache.

Neben den Hochwassereinsätzen war die Feuerwehr gegen 18 Uhr auch noch bei einem Brand in Dürrmenz gefordert. Dort stand zwischen dem Ortsrand und dem Segelflugplatz eine Gartenhütte im Vollbrand. Das war der vierte Einsatz binnen einer Stunde – und gleichzeitig ein kniffliger. Die Hütte lag sehr versteckt auf einer leichten Anhöhe. Der Enzberger, der den Feuerschein gesehen und die Wehrleute alarmiert hatte, konnte die Lokalität nur vage beschreiben. Aufgrund der aufgeweichten und glitschigen Wege hatten die Einsatzfahrzeuge große Schwierigkeiten, zum Brandort vorzudringen, und mussten sich erst selbst eine sichere Passage suchen. Die Hütte war nicht mehr zu retten.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Mühlacker hatten zuvor schon eine kurze Nacht. Weil der Enzpegel immer weiter stieg, zog Kommandant Philipp Baumann am Donnerstagabend die Einsatzkräfte zusammen, um alle Schutzvorkehrungen nach dem Hochwasseralarmplan zu treffen. Das Problem bei der Hochwasserlage war die Kombination aus Oberflächenwasser und steigenden Pegelständen. Die Feuerwehr hatte bereits am Donnerstag tagsüber erste Maßnahmen ergriffen, und im Enzberger Feuerwehrhaus Sandsäcke gefüllt. Hier ist ein Vorrat von rund 1700 Sandsäcken zentral gelagert.

Die Maßnahmen am Donnerstagabend beziehungsweise in der Nacht auf Freitag waren, wie Kommandant Philipp Baumann und sein Stellvertreter Matthias Donath betonen, vor allem Kontrollmaßnahmen an strategisch relevanten Punkten mit dem Ziel, die Bevölkerung rechtzeitig per Lautsprecherdurchsage warnen zu können, falls der Pegel tatsächlich über die Marke von 2,80 Meter steigen sollte. Doch zum Glück ließ der Regen irgendwann nach, und die Rettungskräfte konnten durchatmen. Viel hat aber nicht mehr gefehlt, um von einer echten Flut zu sprechen.

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