Hobbyschäfer suchen Verstärkung

Julia und Axel Staib halten sieben Skudden-Schafe, die zwischen mehreren Wiesen in der Region hin- und herpendeln

Von Ramona Deeg Erstellt: 8. Mai 2018, 00:00 Uhr
Hobbyschäfer suchen Verstärkung Die Schafe, die alle ihre Eigenheiten und Erkennungszeichen haben, freuen sich über die täglichen Streicheleinheiten von Julia und Axel Staib. Foto: Deeg

Spaziergängern beim Burggelände dürften die zotteligen Zeitgenossen bestens bekannt sein: Die Skudden-Schafe sind nicht nur ein meckernder Blickfang, sondern auch eine echte Hilfe – denn sie ersparen fressenderweise den Wiesenbesitzern aufwendige Mäharbeiten.

Mühlacker. Wenn kleine Kinder nicht schlafen können, sagt man ihnen manchmal, dass sie Schafe zählen sollen. Ob das tatsächlich hilft, sei dahingestellt, und bei der Größe der „Herde“ von Julia und Axel Staib wäre der Nachwuchs auch recht schnell fertig. Das hat allerdings auch einen Vorteil: Die sieben Tiere stehen oft auf Wiesen entlang des Denkpfads der Bürgerstiftung im weitläufigen Burg-Gelände. Und da schließt sich der Kreis: Wenn Kinder am Weidezaun eine Pause einlegen, um die sieben Schafe, darunter zwei Böcke, zu zählen, beschäftigen sie sich ganz nebenbei mit naturnaher Beweidung. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest eines der Schafe, deren Rasse aus dem Baltikum stammt und auf der Roten Liste bedrohter Tiere steht, gerade am Fressen ist, ist zumindest gegeben. Dieses natürliche Verhalten der Schafe ist den Wiesenbesitzern eine echte Hilfe. Das steil abfallende Gelände ist zum Mähen ausgesprochen ungeeignet, es wäre daher sehr zeitaufwendig.

Zurück zu den Vierbeinern: Wenn man sich als Zaungast leise und ruhig verhält, kann es sogar vorkommen, dass die Schafe ihre Besucher genauer unter die Lupe nehmen wollen und näher herankommen. Doch Achtung – Spaziergänger und Tiere werden von einem Elektrozaun getrennt. Geht es allerdings nach den beiden Hobbyschäfern, bleibt es zwischen Tieren und Spaziergängern nicht nur beim gegenseitigen neugierigen Beäugen über den Zaun hinweg. „Es wäre schon schön, wenn wir noch ein paar Mitstreiter finden würden“, sagt Julia Staib. Dann könnte die Herde weiterwachsen – und noch regelmäßiger den Futterstandort wechseln. „Wir haben mehr Anfragen für die Beweidung als unsere Schafe fressen können“, ordnet sie weiter ein. Klar ist aber auch, dass das Paar eine Herdengröße möchte, die gut handhabbar ist. Das sei mit sieben Skudden gegeben, sagen Julia und Axel Staib.

Angefangen hat alles mit einem Kindheitstraum der 31-Jährigen. „Ich wollte immer schon Schäfchen haben“, schwärmt sie. Ihren Mann konnte sie dafür schnell begeistern. Schließlich sind sie dank der Tiere jeden Tag an der frischen Luft – und ersparen sich mühevolle Mäharbeiten in einem alten Weinberg, der in Familienbesitz ist. Diesen Vorteil genießen inzwischen auch einige Stücklesbesitzer rund um die Burgruine Löffelstelz. Was nun die sieben Weidetiere nach und nach abfressen, musste zuvor umständlich und zeitintensiv von Hand gemäht werden. Die Skudden gelten als widerstandsfähige Rasse, die auch im Winter im Freien stehen kann. Außerdem seien die Tiere – abgesehen von Tierarztbesuchen – kostengünstig in der Haltung. „Da kostet der Zaun und das Drumherum mehr“, erklärt Familie Staib.

Apropos Zaun: Für jeden Meter, der ersetzt werden muss, investieren die Schafhalter inzwischen in Wolfsschutzzäune. „Diese sind etwas höher, und der untere Spanndraht im Netzzaun ist stromführend“, erläutert Axel Staib, „dadurch kann der Zaun nicht unterwandert werden.“ Denn die Sorge vor dem Wolf ist durchaus gegeben. Doch auch bei den alten Zäunen wollen es die Staibs nicht dem Zufall überlassen, ob Wölfe zuschlagen oder nicht. Blaues Flatterband, das im Wind weht, soll das Beutetier abschrecken. Positiver Nebeneffekt: Der Zaun ist auch für andere Wildtiere besser zu sehen. „Die Anschaffung eines Esels oder Lamas ist uns zu aufwendig, und ein Herdenschutzhund ist uns mit Blick auf die Spaziergänger, die teils selbst Hunde haben, zu riskant.“

Künftig werden die Tiere auch Ausflüge nach Enzberg unternehmen, und dort wird im Auftrag des Landschaftserhaltungsverbands eine Wiese abfressen. „Das Gras darf nicht zu hoch sein, sonst haben die Schafe Schwierigkeiten“, erklärt Julia Staib, worauf man unter anderem grundsätzlich achten muss. Sie erkennt auch, welche Wiese durch Gräser und Kräuter reichhaltig genug für ihre Tiere ist.

Zweimal gab es auch schon Jungtiere. Dank erfahrenen Schäfern aus der Region, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen, lief das problemlos. Allerdings hat sich in dieser spannenden Phase die tägliche Zeit auf der Weide erhöht. „Eines der Tiere war eine Handaufzucht“, berichten sie. Benötigen sie sonst zwischen fünf und 15 Minuten, waren sie damals bis zu dreimal am Tag bei ihren Skudden. „Hier draußen bei den Tieren zu sein, entschleunigt“, findet Julia Staib. Die Wolle verarbeitet die 31-Jährige selbst weiter: „Ich filze gerne. Was ich noch nicht ausprobiert habe, ist das Spinnen der Wolle.“

Inzwischen haben sie und ihr Mann auch ausreichend Übung, wenn es darum geht, die Tiere von einer Wiese auf eine neue zu bringen. „Am besten klappt es, wenn man sie mit Leckereien wie zum Beispiel Brot in den Hänger lockt“, beschreibt Julia Staib. Die einzelnen Einfangversuche, die sie am Anfang unternommen haben, hätten sie schnell aufgegeben. „Die Tiere werden rasch misstrauisch, und wenn eines abhaut, sind alle weg.“ Als etwas gewagt habe sich eine sportliche Variante herausgestellt, die Axel Staib einem Feldversuch unterzogen hat: Mit einem Broteimer ist er den Tieren ins neue Domizil vorausgerannt. „Das klappt – solange man schneller ist“, erzählt der 33-Jährige lachend, „aber wenn man von einem Schaf überholt wird, ist das weg – und die Tiere sind schnell.“

 

Wer Interesse an der Schäferei hat, wendet sich an: kontakt@axelstaib-forstdienste.de.

Ramona Deeg

Redakteurin E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

ramona.deeg@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Kreatives Duo bietet beste Unterhaltung

Kreatives Duo bietet beste Unterhaltung

Das Publikum begeistert, und das Kinderzentrum Maulbronn, dem der Erlös des Abends zugutekommt, ebenfalls: Mit einer Benefizveranstaltung in der Sparkasse haben (Mode-)Designer Harald Glööckler und Fotokünstler Udo Spreitzenbarth ihre SIE… »