Herber Dämpfer für die Sender-Freunde

Südwestrundfunk erteilt Verkauf des Geländes und der Gebäude eine Absage – Ideen für neue Nutzung sind Makulatur

Von Thomas Eier Erstellt: 29. April 2015, 00:00 Uhr
Herber Dämpfer für die Sender-Freunde Herber Dämpfer für die Sender-Freunde

Die Hoffnungen der Sender-Freunde auf einen Erhalt des großen Masts haben am Abend einen deutlichen Dämpfer erhalten. Bei einem Ortstermin erteilten Vertreter des Südwestrundfunks einem Verkauf des Geländes und der Gebäude eine klare Absage – und damit ist das Konzept des Fördervereins Makulatur.

Mühlacker. Das Sender-Areal als neuer Freizeitpark mit Base-Jumping und Kletterpartien, mit Gastronomie und/oder einem Sozialkaufhaus, einem Museum und einer Veranstaltungshalle: An Visionen für eine Nutzung der Anlagen durch die Stadt mangelte es der Bürgerinitiative nicht. Ziel der Überlegungen war es, neue Einnahmequellen zu erschließen, um das 273 Meter hohe Wahrzeichen über das Jahr 2016 hinaus zu erhalten. Die jährlichen Unterhaltskosten für den großen Sendermast werden vom Staatsministerium, das sich auf Angaben des Eigentümers Südwestrundfunk beruft, auf mehr als 80000 Euro beziffert.

Abgesehen davon, dass der Förderverein diese Summe offen infrage stellt, sahen die Aktivisten genügend Chancen, die Anlage, die neben dem großen Mast und dem kleineren, noch genutzten „Eiffelturm“ diverse Hallen und Technikgebäude und drei Wohnhäuser aus der Nachkriegszeit umfasst, gewinnbringend zu nutzen und auf diese Weise die Kosten für die Instandhaltung zu refinanzieren. Alles unter der Voraussetzung, wie im Gemeinderat der Vereinsvorsitzende Frank-Ulrich Seemann erkennen ließ, dass die Stadt nicht nur den Sendermast, sondern das gesamte Areal vom SWR übernimmt. Für diese Variante gab es sogar schon eine (günstige) Modellrechnung für den Grunderwerb.

Stadt oder Verein müsste die volle Verantwortung übernehmen

Das Problem: Der SWR will gar nicht verkaufen. Mindestens noch die nächsten zehn Jahre, erklärten am Dienstagabend bei einer Besichtigung durch den Gemeinderat die zuständigen Hauptabteilungsleiter Joachim Bareiß und Norbert Warth, würden die Hallen noch gebraucht; zum einen für die Technik des Gittermasts, der unter anderem als Träger für den digitalen Rundfunk dienen soll, und zum anderen als Unterstand für Requisiten. Mühlacker liege verkehrsgünstig zwischen Stuttgart und Baden-Baden, und beim SWR gebe es keine Überlegungen, den Standort in den nächsten Jahren aufzugeben.

Damit sind, wie Vorsitzender Frank-Ulrich Seemann anschließend einräumte, die Überlegungen des Fördervereins, über eine Nutzung der sonstigen Anlagen die Unterhaltungskosten für den Sendermast einzuspielen, „Makulatur“. Während sich Seemann als Sprecher des 130 Mitglieder zählenden Vereins weiterhin kämpferisch gab („Wir werden nicht die Flinte ins Korn werfen“), machte sich in Reihen der Gemeinderatsfraktionen Ernüchterung breit.

„Wir werden keine Phantomdiskussion führen“, mahnte Günter Bächle (CDU), die Rechte des Eigentümers SWR zu respektieren, und Rolf Leo argumentierte in die ähnliche Richtung: Die Kosten für die Instandhaltung, prophezeite er, könne kein Verein aufbringen, und in den Fraktionen sehe er wenig Bereitschaft für ein finanzielles Engagement der Stadt; zumal angesichts der Tatsache, dass sie das Haftungsrisiko tragen müsste. Denn aus Sicht des SWR, das ließen Joachim Bareiß und Norbert Warth durchblicken, wäre nur eine Variante vorstellbar: Der Standort des Sendermasts könnte getrennt vom restlichen Gelände an die Stadt verpachtet werden, die ab sofort die volle Verantwortung für das Bauwerk übernehmen müsste.

„Das sind völlig andere Voraussetzungen“, bezog sich Dr. Jens-Christian Hanf (FDP) auf das bisherige Konzept des Fördervereins. Gehe es allein um den Mast, gebe es keine Möglichkeiten, die Anlage in irgendeiner Form wirtschaftlich zu nutzen. Dadurch, widersprach Hanf der Ansicht des SPD-Kollegen Thomas Knapp, würden die Bemühungen für den Erhalt des Masts nicht erleichtert, sondern im Gegenteil erschwert. Die LMU wiederum ist zwar laut Joachim Stretz weiterhin „für alle Ideen offen“, warnt aber gleichzeitig vor einem Erhalt des Masts „um jeden Preis“.

Allein Thomas Knapp hob wie Frank-Ulrich Seemann auf die Bedeutung und die Strahlkraft des Senders ab und zeigte sich nicht bereit, den Kampf um den „Spargel“ an dieser Stelle aufzugeben. Stattdessen müsse sich der Förderverein neue Gedanken darüber machen, wie die Kosten für die Instandhaltung – wohl ohne einen Beitrag der Stadt – aufzubringen wären. Was die Sache erschwert: Der nächste Termin für einen neuen Anstrich stünde bereits 2016 an, und die Kosten dafür liegen bei bis zu 300000 Euro.

Fazit des Ortstermins: Die emotionale Verbundenheit mit dem Sender, die abgesehen vom Eigentümer SWR alle teilen, ist eine Sache – doch der Glaube an eine bezahlbare Lösung ist weiter geschrumpft. Da half auch der flammende Appell von Frank-Ulrich Seemann („Was wäre die Stadt ohne den Sender?“) nicht. „Der Sender ist nicht unser einziges Wahrzeichen“, hielt Rolf Leo mit der Löffelstelz dagegen.

Thomas Eier

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