Wunsch verhallt nicht ungehört

Die Umfrage zur Busverbindung zwischen Großglattbach und Vaihingen könnte Schwung in eine alte Diskussion bringen

Von Theresa Mammel Erstellt: 18. Juli 2018, 00:00 Uhr
Wunsch verhallt nicht ungehört Pendler in Großglattbach müssen zumindest vorerst noch ohne eine Direktverbindung nach Vaihingen zurechtkommen. Doch die Diskussion ist neu entbrannt. Foto: Fotomoment

Nachdem die Umfrageergebnisse zu einer möglichen Busverbindung zwischen Großglattbach und Vaihingen öffentlicht geworden sind, bewerten Stadtrat Marcel Kohler und Axel Hofsäß, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Pforzheim Enzkreis (VPE), das Resultat.

Mühlacker-Grossglattbach. 72 Bürger hatten an der privat initiierten Umfrage des Großglattbachers Tobias Koller teilgenommen und dabei ihr Interesse an der neuen Busverbindung bekundet (unsere Zeitung hat berichtet). „Das ist ein sehr dürftiges Ergebnis“, findet Hofsäß, der die Erhebung für wenig repräsentativ hält. „Bei einer Einwohnerzahl von etwa 1350 ist eine Teilnahme zu gering, als dass man damit die Realität abbilden könnte.“

Dennoch will der VPE-Chef die Einrichtung einer neuen Verbindung zum jetzigen Zeitpunkt nicht kategorisch ausschließen. „Ich habe die Situation mal rechnerisch abgebildet“, berichtet er auf Nachfrage. Ein Bus im Stundentakt von 4 Uhr bis 24 Uhr ergebe in jede Richtung 20 Fahrten, also insgesamt 40 pro Tag. Umgerechnet auf diejenigen Einwohner, die der Umfrage zufolge den Bus regelmäßig nutzen wollten, ergebe das im Schnitt 1,5 Personen pro Fahrt. „So wäre eine Buslinie für die Strecke natürlich unrealistisch“, macht Hofsäß klar. „Doch ich glaube, dass es in der Realität mehr Menschen gibt, die den Bus nutzen würden, als die Umfrage es widerspiegelt.“ Mindestens 500 Bürger müssten für eine repräsentative Umfrage befragt werden, gibt er eine Größenordnung vor, damit der Bedarf für eine Busverbindung realistisch ermittelt werden könne.

Auch Tobias Koller, der die Aktion initiiert hatte, sieht noch mehr Potenzial: „Ich habe nicht viel Werbung gemacht, lediglich einige Flyer im Ort ausgelegt.“ Grundsätzlich könne die gewünschte Verbindung ja auch von Menschen aus den umliegenden Ortschaften wie Wiernsheim, Serres oder Pinache genutzt werden. Die dortigen Bürger habe er aber nicht angesprochen.

Der Großglattbacher Stadtrat Marcel Kohler steht dem Ruf nach einer Verbesserung beim öffentlichen Personennahverkehr in seinem Heimatort grundsätzlich offen gegenüber. „Ein regelmäßiger Busverkehr wäre für Mensch und Umwelt sinnvoll“, sagt er. Er finde es deshalb gut, dass die Option nochmals geprüft werde, denn es gebe definitiv eine Nachfrage in der Bevölkerung. „Wie hoch sie ist, muss noch genauer ermittelt werden, damit wir wissen, ob die Busverbindung wirtschaftlich Sinn macht.“ Generell sei es positiv, dass Bürger etwas bewegen wollten und sich aktiv für die Allgemeinheit einbrächten, lobt Kohler den privaten Vorstoß.

Axel Hofsäß hält es nach eigenem Bekunden – auch mit Blick auf das Neubaugebiet „Pforzheimer Weg“ – ebenfalls für wichtig, ein wachsames Auge auf Großglattbach zu haben. „Die Mobilität unterliegt einem ständigen Wandel.“ Wegen des Mangels an bezahlbaren Wohnungen in den Ballungszentren ziehe es viele Menschen aufs Land. „Daher prüfen wir möglicherweise sinnvolle Busverbindungen regelmäßig und sind offen für Veränderungen“, sichert er im Namen des Verkehrsverbunds zu. Vor drei Jahren sei auch die Route von Großglattbach nach Vaihingen geprüft worden mit dem Ergebnis, dass sie nicht rentabel betrieben werden könne. „Pendler, die von Großglattbach beispielsweise nach Stuttgart fahren müssen, nutzen noch immer die Busverbindung über Mühlacker oder fahren mit dem Auto an den Bahnhof nach Vaihingen.“ Andererseits sei die Umfrage „in jedem Fall ein Anstoß“, so Hofsäß. Auch alternative Lösungen seien vorstellbar. Wobei sich Initiator Tobias Koller vorstellen könnte, dass sich Touren zwischen Großglattbach, den umliegenden Orten und Vaihingen auf Stoßzeiten beschränken.

Diese Idee hält wiederum Axel Hofsäß für nicht praktikabel: „Eine Verbindung zu Stoßzeiten halte ich nicht für eine gesunde, andauernde Lösung.“ Die Arbeitszeiten seien heute nicht mehr in Stein gemeißelt, gibt er zu bedenken und verweist auf die Gleitzeit. Aus Erfahrung wisse er, dass Busse, die nur zu Stoßzeiten verkehrten, fast nicht genutzt würden.

Als Alternative würde Hofsäß ein Sammeltaxi bevorzugen, wobei sich auch bei diesem Modell die Frage stelle, wie es angenommen werde, da sich der Fahrgast eine halbe Stunde vor der gewünschten Abfahrtszeit anmelden müsse und nicht spontan starten könne. Doch bevor vorschnelle Schlüsse gezogen würden, gelte es, den Bedarf nochmals repräsentativ zu ermitteln.

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