Alpaka-Karawane zieht die Blicke auf sich

Hund, Katze, Maus: Eine kleine Herde der exotischen Tiere ist auf dem Hofgut Buckenberg heimisch geworden

Von Theresa Mammel Erstellt: 25. März 2019, 00:00 Uhr
Alpaka-Karawane zieht die Blicke auf sich Alpaka-Karawane zieht die Blicke auf sich

Sie sind flauschig und anhänglich, strahlen Friedfertigkeit und Gelassenheit aus und sind gleichzeitig sehr neugierig und manchmal ein wenig frech: Zwölf Alpakas haben auf dem idyllischen Hofgut Buckenberg ihr Zuhause gefunden – Panoramablick über Pforzheim inklusive.

Pforzheim-Buckenberg. In aller Seelenruhe grasen die flauschigen Vierbeiner auf einer Weide auf den Anhöhen vor den Toren der Stadt; nur hin und wieder blicken die Tiere neugierig auf, wenn sie ein Geräusch vernehmen. Sandra Baral lehnt am Zaun und schaut ihren Schützlingen zu. „Alpakas sind extrem entspannte Tiere. Sehr lieb und friedlich. Aber jedes Tier hat seinen eigenen Charakter. Da gibt es natürlich Unterschiede, wie beim Menschen auch“, beschreibt sie ihre kleine Herde.

„Chocolate“ sei der Frechste in der Gruppe, erzählt die Besitzerin und lacht. „Fred“ lässt sich davon allerdings nicht beeindrucken und nimmt weiterhin gelassen sein Mahl ein – bis Sandra Baral ein paarmal kurz pfeift. Schon ist Schluss mit Ruhe. Neugierig traben die teils weißen, teils hell- und dunkelbraunen Tiere zum Weidezaun und scheinen genau zu wissen, was nun folgt: ein gemeinsamer Ausflug.

„Mampfi“, „Nero“, „Karl“ und die Anderen lassen sich von Sandra Baral ihre Halfter anlegen. Die Familie aus Großglattbach ist zu Besuch gekommen, um mit sieben der zwölf Alpakas eine kleine Tour durch die Umgebung zu unternehmen. Und los geht’s im Gänsemarsch! Allen voran läuft „Mampfi“, der Leithengst, und wehe, einer aus der kleinen Truppe macht Anstalten, ihn zu überholen. Dann macht der Chef entschlossen kehrt, um seinem Hintermann beizubringen, wie hier der Hase läuft. „Mampfi“ schnaubt und spuckt in Richtung seines Artgenossen, wie das unter den vierbeinigen Wohlknäuel offenbar üblich ist, denn Sandra Baral lacht nur. „Einen Menschen würden die nie anspucken. Das ist so ein Ding unter den Tieren, wenn es um die Rangordnung geht.“

In gemütlichem Tempo führt der Spaziergang über einen Waldweg, vorbei an Wiesen und Feldern mit einem wunderschönen Panoramablick auf die Stadt. Dann hält ein Auto: „Oh, da sind ja Lamas!“, ruft es aus dem Wagen, doch diesen Irrtum kann Sandra Baral nicht unwidersprochen lassen: „Nein, Alpakas!“

Die Verwechslung ist kein Einzelfall. „Die Alpakas sind Camelidaen und stammen von der Wildform Vicuna ab. Lamas dagegen stammen von den Guanacos ab“, erklärt die 24-Jährige. „Alpakas sind kleiner als Lamas, und man erkennt sie an den gerade hochstehenden Ohren. Lamas haben dagegen eher bananenförmige Ohren.“ Im Übrigen ist es wenig verwunderlich, dass die kleine Wandergruppe die Blicke auf sich zieht – Alpakas sind nach wie vor eine Seltenheit in der Region. „Ich war schon lange von den Tieren fasziniert, bevor sie auf Facebook und Instagram regelrecht zum Hype geworden sind. Dann stand im Jahr 2015 das Hofgut zur Pacht ausgeschrieben, das war unsere Chance“, erinnert sich die Studentin Sandra Baral, die in der Landwirtschaft aufgewachsen ist, an die Anfänge ihrer Alpaka-Farm.

Die Familie, die Demeter-Höfe in Wurmberg und Großglattbach betreibt, begutachtete das Gelände auf dem Buckenberg und schmiedete erste Pläne für die Nutzung des Weidelands. Der Umstand, dass es sich bei dem Gelände um ein Wasserschutzgebiet handelt, stand der Haltung der Exoten nicht im Weg, sind Alpakas doch anders als Kühe oder Pferde Schwielensohler, was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu Huftieren die Grasnarbe nicht beschädigen. Trotzdem folgte dem Entschluss zur Alpaka-Aufzucht eine fast zweijährige Diskussion mit dem Umweltamt, bevor im November 2018 zwölf Tiere den Hof bezogen.

Hier fühlen sie sich sichtlich wohl in der Obhut von Sandra Baral und ihrer Familie. „Ursprünglich kommen sie aus den südamerikanischen Anden, hauptsächlich aus Peru. Dort leben die Tiere auf Hochebenen, wo es tagsüber warm ist, nachts aber auch kalt werden kann“, erklärt sie. „Daher kommen die Tiere mit den hiesigen Temperaturunterschieden sehr gut klar.“

Aber es gibt auch Dinge, auf die der Halter achten muss: „Unser Gras hier ist viel nährstoffreicher als das in den Anden. Deshalb muss ausreichend nährstoffärmeres Heu hinzugefüttert werden, damit die Mägen nicht überlastet werden. Außerdem werden die Alpakas einmal jährlich geschoren.“ Ob Baral die flauschige Wolle verkauft oder spinnen lässt, weiß sie noch nicht. Fest steht, dass auf dem Buckenberg eine größere Herde entstehen soll, denn die Tiere sind begehrt: Viele kommen, um geführte Wanderungen zu unternehmen. „Bald können hier auch Kindergeburtstage gefeiert werden. Außerdem hat der Umgang mit Alpakas einen therapeutischen Effekt: Der friedliche Charakter und betuliche Gang der Tiere wirkt sich besonders positiv auf Kinder aus und können bei Beeinträchtigungen wahre Wunder bewirken.

Für die Serie „Hund, Katze, Maus“ ist unsere Zeitung immer auf der Suche nach netten Tiergeschichten. Wenn Sie, liebe Leser, eine Idee haben, melden Sie sich telefonisch unter 07041/805-27 oder senden Sie eine E-Mail an redaktion@muehlacker-tagblatt.de. Wichtig ist, dass sowohl der tierische Held als auch der Mensch bereit sind, mit einem Foto und dem Namen in unserer Zeitung – gedruckt und in der digitalen Ausgabe – zu erscheinen.

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