Geschichte und Geschichten

Der Verschönerungsverein Mühlacker erwirbt die Ansichtskartensammlung von Wolfgang und Irene Lichtner

Von Carolin Becker Erstellt: 7. Dezember 2018, 00:00 Uhr
Geschichte und Geschichten OB Frank Schneider (li.) und Veit Kibele (2.v.re.), der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, bedanken sich bei den Sammlern Wolfgang und Irene Lichtner. Foto: Becker

Mitteilungsfreude ist keine Erfindung des Facebook-Zeitalters. Der „Post“ früherer Tage heißt Postkarte, und auch in Mühlacker und den Stadtteilen wurde rege davon Gebrauch gemacht. Ein Beleg dafür ist die hochkarätige Sammlung des Ehepaars Lichtner, die der Verschönerungsverein jetzt erworben hat.

Mühlacker. Rund ein Dutzend Ordner bergen die Schätze, die Wolfgang und Irene Lichtner im Lauf der Jahrzehnte zusammengetragen haben und die an diesem Donnerstagnachmittag bei der feierlichen Übergabe der Sammlung auf dem Tisch im kleinen Mühlacker Ratssaal nur Zwischenstation machen. Sie werden, nachdem sie von zahlreichen Vertretern des Verschönerungsvereins und der Stadtverwaltung ausgiebig bewundert worden sind, im Stadtarchiv eine sichere und wohlorganisierte Heimat finden.

Eigentümer ist freilich der Verschönerungsverein, der die etwas mehr als 900 Exemplare gekauft hat, diese dem Archiv als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt und mittelfristig an den großen Erfolg einer bereits 2012 durchgeführten Ausstellung anknüpfen möchte. Es handle sich um zeithistorische Dokumente, sagt der Vorsitzende Veit Kibele. Um die Wende zum 20. Jahrhundert ein modernes und vor allem kostengünstiges Medium, erlaubten die Karten heute eine spannende Reise zurück in die Geschichte. Wie groß das Interesse an den alten Ansichten sei, lasse sich unter anderem an den Zugriffen auf die E-Cards ablesen, die auf der Internetseite des Verschönerungsvereins angeboten werden.

Dem Wunsch der Sammler entsprechend, werde der „für uns als Verein, aber auch für die Stadt unglaublich große Schatz“ nicht zerstückelt, kündigt Veit Kibele an. Dank für die Bereitschaft, sich von den zumeist tatsächlich im Postverkehr gelaufenen Exemplaren zu trennen, spricht Wolfgang und Irene Lichtner auch der Mühlacker Oberbürgermeister Frank Schneider aus. Im Archiv werde die Sammlung, die die bauliche Geschichte der Stadt und der Stadtteile dokumentiere, sicher verwahrt.

Nicht nur ideell, sondern auch materiell sei der Neuzugang hoch zu taxieren, zollt Stadtarchivarin Marlis Lippik den Ex-Eigentümern Anerkennung für den „symbolischen Preis“, mit dem sie sich einverstanden erklärt hätten. Sie dürften gewiss sein, dass die Postkarten einen eigenen Bestand bilden und so erschlossen würden, dass auch interessierte Bürger Zugang erlangen könnten. Dass der Verschönerungsverein dem Archiv die Sammlung zur Verfügung stelle, zeuge von dessen Verbundenheit mit der Stadt Mühlacker. Diese war für die mittlerweile in der Pfalz lebenden Irene und Wolfgang Lichtner weitgehend unbekanntes Terrain, als der Ehemann Ende Dezember 1977 seine Arbeit als Angestellter in der Feuerwache Mühlacker antrat. Doch die gebürtigen Badener packte die Neugier. „Wir wollten wissen, wie es hier früher aussah“, blickt Wolfgang Lichtner zurück. Seines Zeichens Briefmarkensammler, habe er Tauschtage besucht, und einmal seien seiner Frau bei einer solchen Gelegenheit Postkarten mit Mühlacker Motiven aufgefallen – der Anfang einer neuen Leidenschaft. Bis auf wenige Exemplare, von deren Existenz er wisse, die er aber nicht habe erwerben können oder wollen, sei die 1897 einsetzende Sammlung komplett, sagt Wolfgang Lichtner. Bis zu 50 Euro habe er sich einzelne Karten kosten lassen. Da die eigenen Kinder kein Interesse an den Tag legten, sei klar, dass die Sammlung in Mühlacker bleiben solle.

Die ihm einst unbekannte Stadt habe er auch dank der Postkarten intensiv kennengelernt. „Mit detektivischem Spürsinn haben wir versucht, herauszufinden, wo die abgebildeten Gebäude standen“, berichtet er. Nicht jedes Rätsel sei gelöst worden, doch habe dafür die Rückseite häufig genug mehr Informationen als erhofft geliefert. „Man glaubt gar nicht, welche Nachrichten die Leute über Karten verbreitet haben“, verweist Wolfgang Lichtner beispielsweise auf einen Mühlacker Industriellen, der 1947 Meerschaumpfeifen eintauschte. Von anderen Familien kenne er die komplette Krankengeschichte. Wie gut für alle Geschichtsfans, dass Sammel-Sucht nicht heilbar ist.

Carolin Becker

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