Gastro-Neustart: Mittagstisch zunächst weniger gefragt

Gastronomen hoffen nach dem Neustart auf mehr Resonanz. Andrang am Abend stellt „Würmle“ vor Probleme besonderer Art. Wirte müssen den Spagat schaffen zwischen der Einhaltung der Corona-Auflagen und dem Wunsch der Gäste nach Geselligkeit.

Von Maren Recken Erstellt: 20. Mai 2020, 00:00 Uhr
Gastro-Neustart: Mittagstisch zunächst weniger gefragt Auf der Terrasse des „Würmle“ in Dürrmenz zeigen spezielle Hinweisschilder, ob der Tisch freigegeben ist. Im Essenz wird der Zustrom der Gäste mit Hilfe von Flatterbändern in Bahnen gelenkt. Foto: Recken

Mühlacker. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen, die zum Menü unter freiem Himmel einladen. Normalerweise wären an solchen Tagen die Tische und Stühle auf den Terrassen der Restaurants, Bistros und Cafés bis auf den letzten Platz besetzt; stattdessen bleiben bislang noch viele Plätze leer – und das, obwohl schon wesentlich weniger Garnituren in und vor den Gastronomiebetrieben stehen als in normalen Nicht-Corona-Zeiten.

„Mittags ist es noch ein bisschen schleppend“, erzählt Giuseppe „Joe“ Scolaro, der in Mühlacker die Pizzeria „da Joe“ betreibt und sich noch etwas mehr Zuspruch erhofft. Auch wenn, wie er erzählt, am Vorabend, als die Restaurants das erste Mal nach dem Lockdown wieder öffnen durften, deutlich mehr los gewesen sei.

Ähnliches berichtet Rüdiger Zosel vom „Würmle“ in Dürrmenz: „Ganz ehrlich, das Schlimmste war gestern Abend“, so sein erstes Fazit. „Da war die Hölle los, und dann ist das Problem, dass viele Leute uneinsichtig sind.“ So hätten sich manche der Gäste nicht an den vorgegebenen Mindestabstand zwischen den einzelnen Tischen gehalten oder auch an die Regel, dass nur Mitglieder aus zwei verschiedenen Haushalten gemeinsam an einem Tisch sitzen dürfen oder dass die Tische und die darauf liegenden Speisekarten immer erst desinfiziert werden müssen.

Damit die Gäste gleich erkennen, wo sie sich setzen dürfen, hat er auf den Tischen extra rote und grüne Smileys verteilt – und Rot heißt warten, bis desinfiziert ist. Damit es künftig besser läuft und er die Gäste an den Platz bringen und auf die ihm auferlegten Hygienemaßnahmen hinweisen kann, hat er mittlerweile ein rot-weißes Absperrband um seine Terrasse gezogen, damit nur ein Zugang frei bleibt. Für das gleiche System haben sich auch die Betreiber des Restaurants Essenz in den Enzgärten entschieden. Wer hier draußen Platz nehmen möchte, muss zuerst mit Maske das Lokal durchqueren und bekommt anschließend auf der Terrasse seinen Tisch zugewiesen.

Die Gäste tragen derlei Umstände mit Fassung; was überwiegt, ist die Freude, endlich wieder außer Haus speisen zu können. Da stört es sie auch nicht, dass sie, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, Name und Anschrift hinterlassen müssen. „Es ist schön und das Essen schmeckt gut“, freut sich zum Auftakt ein Ehepaar und fügt lachend hinzu: „Auch wenn ich mir zu Hause vor dem Essen die Hände nicht desinfiziert hätte.“

Die Gastronomen hoffen, dass auch am Mittag das Geschäft rasch wieder anzieht. Die Essensausgabe an Abholer oder ein Lieferservice sei, heißt es in der Branche, besser als gar nichts, aber kein Ersatz.

Die Rechnung, inwieweit es sich lohnt, über Mittag weiterhin offen zu lassen, sollte Besuch so spärlich bleiben wie am zweiten Tag nach dem Neustart, will Giuseppe Scolaro erst gegen Ende der Woche aufmachen. Egal, wie die Bilanz ausfällt, die Flinte ins Korn zu werfen, ist für ihn keine Option. „Allerhöchstens fangen wir wieder an zu liefern, wenn es mittags weiterhin so ruhig bleiben sollte wie jetzt“, beruhigt er die Stammgäste, die im Freien sitzen und sich darüber freuen, dass sie Pizza und Pasta endlich wieder direkt bei ihrem Lieblingsitaliener genießen können.

Weiterlesen
Fortschritte – auch wenn man noch nichts sieht

Fortschritte – auch wenn man noch nichts sieht

Noch dient das Ziegeleigelände als Abstell- und Lagerplatz, doch obwohl sich vordergründig nicht viel tut, arbeiten die Investoren und die Fachleute im Rathaus unter Hochdruck an dem wohl spektakulärsten Stadtentwicklungsprojekt… »