Feuerwehrnachwuchs übt sich als Retter

Mehr als 60 Kinder und Jugendliche beteiligen sich an einer gemeinsamen Aktion mit dem Jugendrotkreuz in Mühlhausen

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 29. Oktober 2018, 00:00 Uhr
Feuerwehrnachwuchs übt sich als Retter 63 Jugendfeuerwehrleute und 20 Betreuer sind am Freitagabend zu einem „Großeinsatz“ in Mühlhausen ausgerückt, wo– simuliert – ein Haus in Flammen stand. Fotos: Stahlfeld

„Hilfe! Hilfe!“ Zwei Frauen stehen an einem Fenster im leerstehenden ehemaligen Gebäude der Enztalbank in Mühlhausen. In dem scheinbar brennenden Haus eingeschlossen. Doch Rettung naht: Mitglieder der Mühlacker Jugendfeuerwehr bringen bei einer Übung mit dem Jugendrotkreuz aus Mühlacker und 20 Betreuern die beiden in Sicherheit.

Mühlacker-Mühlhausen. Das sieht man im ansonsten beschaulichen Mühlhausen nur selten: Rund 20 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr sowie zwei Rettungswagen des DRK-Ortsverbands Mühlacker fahren am frühen Freitagabend mit Blaulicht durch den Stadtteil in Richtung der ehemaligen Enztalbank.

Dort wurde bei Beginn der Dämmerung ein Alarm ausgelöst. Als die Jugendgruppe der Feuerwehr Mühlhausen eintraf, hatte der simulierte Brand längst auf die angrenzenden Gebäude übergegriffen. Rauch drang aus den Räumlichkeiten vom Feuerwehrverein Mühlhausen, und auch beim benachbarten Vereinsheim des örtlichen Angelsportvereins schien es zu brennen.

Umgehend wurden die weiteren Abteilungen der Feuerwehr Mühlacker in Enzberg, Lomersheim, Lienzingen, Großglattbach und Mühlacker alarmiert – die weiteren Jugendgruppen wohlgemerkt, denn bei dieser Übung war vor allem der Nachwuchs gefordert. Und zwar ganz realistisch, wie Michael Schmidt, Abteilungskommandant von Mühlhausen, betonte: „Bei Großschadenslagen sind normalerweise auch drei bis vier Abteilungen im Einsatz.“

Regina Schmidt und Tochter Nicole Schmidt standen derweil noch immer oben am Fenster des Dachgeschosses und riefen um Hilfe, aber die Rettung ließ nicht lange auf sich warten. Jannik und sein erwachsener Betreuer Florian Sorgalla bekamen ihren Einsatzbefehl und bestiegen den Korb der Drehleiter. Im Nu ging es nach oben, und die beiden Eingeschlossenen wurden in Sicherheit gebracht.

Doch es wurden weitere verletzte Personen in den verrauchten Gebäuden vermutet. Auch sie konnten nach und nach herausgeholt werden. „Sie atmen noch“, überprüften die Mitglieder vom Mühlacker Jugendrotkreuz den Gesundheitszustand der Verletzten, in diesem Fall vier Übungspuppen. „Ich finde es gut, dass jeder mithilft, alle arbeiten zusammen“, sagte Esma. Die Elfjährige hatte zeitweise gemeinsam mit der Betreuerin Meike Peter die Einsatzleitung inne und war wie die anderen auch äußerst konzentriert bei der Sache. Hoch motiviert ging der Feuerwehrnachwuchs an die Arbeit, legte die Schläuche aus und löschte die scheinbaren Flammen.

„Das fördert den Zusammenhalt untereinander“, betonte Mühlackers Kommandant Philipp Baumann, der, wie viele Schaulustige, die großangelegte Löschaktion verfolgte. Baumann begrüßte ausdrücklich, dass das DRK als weiterer Akteur der Gefahrenabwehr eingebunden war: „Durch das gemeinsame Agieren von DRK und Feuerwehr wird das Verständnis füreinander geschaffen.“ Und natürlich wolle man mit Aktionen wie diesen auch neue Jugendliche für die Feuerwehr begeistern.

63 Kinder und Jugendliche, darunter 20 Mädchen, im Alter zwischen zehn und 18 Jahren, beteiligten sich an der gemeinsamen Übung. Die Zahl der Angehörigen der Jugendfeuerwehr sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben, so Gesamtjugendwart Oliver Reinke, der selbst aus der im Jahre 2001 gegründeten Jugendfeuerwehr kommt. „Wir sind mittlerweile in der Führung angekommen“, unterstrich er, dass der Nachwuchs aus den Anfangsjahren mittlerweile zu den aktiven Feuerwehrleuten gehört und seinerseits Jugendliche für den Einsatz begeistert.

Für die Kinder und Jugendlichen war die Großübung zweifellos ein Highlight, das am sogenannten Berufsfeuerwehrtag organisiert worden war. Dieser bedeutete für den Nachwuchs 24 Stunden Dienst, und so ging es nach der Löschaktion zwar erst einmal zur Stärkung in das Feuerwehrgerätehaus von Mühlhausen, doch Feierabend war dann noch lange nicht. Auf den ersten Einsatz in Mühlhausen folgten allein für die sieben Jungen und zwei Mädchen von Mühlhausen noch elf weitere unangekündigte Alarmierungen.

Sie mussten eine eingeklemmte Person befreien, einen Flächenbrand eindämmen, einen Mülleimerbrand löschen und vieles mehr – möglich gemacht hatte das ihr Gruppenleiter Andreas Schmidt mit seinem Team. Schmidt war es auch der mit Hilfe einer Nebelmaschine dafür sorgte, dass der Brand in der früheren Enztalbank auch ohne Feuer ziemlich echt wirkte und die Kinder und Jugendlichen sich wie richtige Feuerwehrleute fühlten konnten.

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