„Es herrscht Aufbruchstimmung“

OB Frank Schneider blickt beim Neujahrsempfang nicht nur auf die Gartenschau, sondern spricht auch kontroverse Themen an

Von Frank Goertz Erstellt: 7. Januar 2015, 00:00 Uhr
„Es herrscht Aufbruchstimmung“ Beifall erntet Oberbürgermeister Frank Schneider im Gottlob-Frick-Saal für Teile seiner Ausführungen zur Gartenschau, die er als Projekt der ganzen Stadtgemeinschaft versteht. Fotos: Fotomoment

Ein Großereignis wirft seine Schatten voraus: „Mühlacker richtet nicht nur eine Gartenschau aus, sondern ist damit auch die Visitenkarte des Landes Baden-Württemberg“, erklärte gestern Abend Oberbürgermeister Frank Schneider beim Neujahrsempfang der Stadt Mühlacker. In seiner Rede sprach das Stadtoberhaupt aber auch wesentlich kontroversere Themen an – etwa die Debatte zur Gewerbeentwicklung.

Mühlacker. Das Große Blasorchester des Musikvereins Mühlacker lieferte im Mühlehof die ersten Takte zum Neujahrsempfang, denen der Oberbürgermeister einen Querschnitt durch die Themen folgen ließ, die die Stadt im noch jungen Jahr 2015 beschäftigen werden. Dabei war ihm die Vorfreude anzumerken: „In ziemlich genau vier Monaten ist es so weit: Die Tore für die Gartenschau werden geöffnet. Das Projekt ist in der Geschichte der Stadt einzigartig.“ Das Grünprojekt, so Schneider, sei ein „ideales Mittel der Stadtentwicklung“. Immerhin würden viele Anlagen, etwa das Jugendhaus, das während der kleinen Gartenschau als Ausstellungsraum des Landes dient, auch nach dem Grünprojekt zur Verfügung stehen.

Gegen 22 Mitbewerber habe sich Mühlacker 2009 bei seiner Bewerbung für die kleine Gartenschau durchsetzen müssen, erinnerte Schneider. „Wir hatten danach nur fünf Jahre Zeit – also so wenig, wie sonst niemand – für dieses sehr anspruchsvolle Projekt.“ Dennoch sei es als eines von 39 Vorbildprojekten für eine ökologische Stadtentwicklung vom Land ausgezeichnet worden. Die dazugehörige Wanderausstellung wird seit gestern bis zum 25.Januar im Mühlehof gezeigt.

Die Gartenschau, so Schneider, sei alles andere als ein Projekt der Stadtverwaltung: „Sie ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt unserer ganzen Stadtgemeinschaft. Es herrscht eine regelrechte Aufbruchstimmung.“

Während beim Thema Gartenschau offenbar die ganze Stadt hinter dem Projekt steht, sorgt die Gewerbeentwicklung für kontroverse Diskussionen, die Schneider in seiner Neujahrsansprache nicht ausklammern wollte. Dabei stellte er klar, dass im Stadtgebiet nur eine einzige größere, zusammenhängende Fläche zur Verfügung steht: im Bereich Waldäcker auf der anderen Seite der B10, nachdem die Waldflächen zwischen Mühlacker und Lienzingen „aufgrund ihrer ökologischen Wertigkeit praktisch keine Chance auf Umwandlung in Gewerbeflächen haben“. Jetzt werde die Verwaltung im Frühjahr die planerischen und rechtlichen Möglichkeiten aufzeigen, ob und wie jenseits der B10 mittelfristig weitere Gewerbeflächen ausgewiesen werden könnten. Dabei vergaß Schneider nicht, darauf hinzuweisen, dass die Stadt auch für die örtlichen Betriebe zusätzliche Flächen benötige, „damit sie eine langfristige Entwicklungsperspektive in Mühlacker behalten und uns damit als Arbeitgeber und Steuerzahler erhalten bleiben“. Ihm sei aber auch sehr wohl bewusst, dass eine Entscheidung, Flächen südlich der B10 zu beanspruchen, keine leichte wäre. Gleichzeitig appellierte Schneider, diese Diskussion mit gegenseitigem Respekt vor den Argumenten des anderen in aller Sachlichkeit auszutragen.

Wie dieser Abwägungs- und Entscheidungsprozess ausfallen werde, vermochte der Oberbürgermeister am Dreikönigstag nicht vorherzusagen. Er versicherte aber: „Wir werden alle Fakten und Aspekte sorgfältig aufarbeiten und öffentlich diskutieren –ähnlich wie wir das beim Thema Mühlehof praktiziert haben.“

Damit hatte das Stadtoberhaupt schon das nächste schwierige Thema angesprochen. Dabei wollte er den Planungswettbewerb, den die Stadt 2013 für die Mühlehof-Flächen durchgeführt hat, nicht als Misserfolg werten, sondern „als wichtige Erkenntnis dafür, was auf diesem Gelände planerisch möglich und umsetzbar wäre und was nicht“.

Ähnlich bewertete Schneider auch die Ausschreibung für eine gewerbliche Nutzung der Flächen im vergangenen Jahr. „Es mag zwar enttäuschen, dass es nur einen möglichen Investor für das Areal gibt“, räumte Schneider ein und gab gleichzeitig zu bedenken: „Dennoch haben wir dadurch eben auch die Erkenntnis gewonnen, dass die Flächen nur in ganz bestimmten engen Rahmenbedingungen gewerblich nutzbar wären.“ Diese Bedingungen gelte es nun in den nächsten Wochen zu konkretisieren und im Gemeinderat zu beraten – zunächst nicht-öffentlich, um die eigene Verhandlungsposition nicht zu schwächen, und dann öffentlich. „Wir arbeiten uns also auch hier Schritt für Schritt voran“, stellte Schneider fest.

Bei einigen anderen Themen sei die Stadt hingegen schon in einem konkreteren Stadium angelangt, machte Schneider deutlich, dass auf viele kleine Schritte auch einmal ein großer folgt. Das gelte etwa für eine neue Hauptfeuerwache in Mühlacker und den Bau der Sporthalle am Schulzentrum Lindach. „Was lediglich noch fehlt, ist der Zuschuss des Landes, dann kann es gleich losgehen“, erklärte Schneider.

Der Rest des Abends gehörte dann dem Musikverein Mühlacker mit seinem Neujahrskonzert und dem gemütlichen Miteinander bei angeregten und anregenden Gesprächen beim Neujahrsempfang.

Einen ausführlichen Bericht über das Konzert sowie ein Video zum Neujahrsempfang finden Sie in unserer morgigen Printausgabe sowie im Internet unter www.muehlacker-tagblatt.de

Frank Goertz

Stellvertretender Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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