Zwischen Lachen und Heulen

„Heute ist ein guter Tag zu kündigen!“ – Die Personalerin Sabine Schumann aus Enzberg packt aus und schreibt ihr erstes Buch

Von Susanne Roth Erstellt: 3. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Zwischen Lachen und Heulen Buchautorin: Sabine Schumann gewährt in „Heute ist ein guter Tag zu kündigen!“ tiefe Einblicke in den ganz besonderen Erfahrungskosmos einer Personalerin. Foto: Roth

Grotesk anmutende Storys, schier unglaubliche Anekdoten und allzu Menschliches: Sabine Schumann hat im Laufe ihres Berufslebens verrückte Erfahrungen gemacht, die sie jetzt in einem Buch verewigt hat.

Mühlacker-Enzberg. „Einer von uns beiden spinnt, und ich bin es nicht“: Das hat Sabine Schumann schon oft gedacht in ihrem Job als Personalerin. Von witzig bis blutig – sie hat während ihrer Tätigkeit in Personalabteilungen von Konzernen und mittelständischen Unternehmen vieles erlebt. Seit fünf Jahren ist die in Enzberg lebende 49-Jährige selbstständig und hat nun ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben. Titel: „Heute ist ein guter Tag zu kündigen!“ Die Veröffentlichung umfasst 28 Kurzgeschichten. Mitgewirkt hat an dem Buch auch Tochter Jenny Joy Schumann, die Karikaturen dazu beigesteuert hat. Für den technischen Support zeichnete Ehemann Dirk Schumann verantwortlich.

Vielleicht war Sabine Schumann auch selbst schon einmal kurz davor zu kündigen. Ganz sicher aber hat sie schon zwischen Heulen und Lachen geschwebt. Wenn sie ihr Erstlingswerk bei Lesungen aufschlagen wird, dann aber sicher nicht beim Kapitel „Die Praktikantin“. Der Grund: „Das geht nicht, da muss ich weinen.“ Besagte Praktikantin hat ihre Bewerbung in einem Zedernholzkästchen von einem uniformierten Boten bringen lassen. Und auch sonst jede Menge Einsatzwillen gezeigt. Ihr Pech nur, dass sie sich am entscheidenden und nicht wiederholbaren Tag versehentlich in einem Raum einschloss. Beim Versuch, sich zu befreien, verletzte sie sich schwer. Dagegen könnten es eher Tränen der Wut gewesen sein, die Sabine Schumann in den Augenwinkeln hingen, als sie die „Baby“-Geschichte erlebte. Es handelt sich um einen besonders harten Fall von Schwangerschaftsverheimlichung bei einem Einstellungsgespräch, verbunden mit der Ansage, „überhaupt könne sie mir die Gebärmutter im Glas mitbringen“. Geistig eher unterbelichtet, dazu noch nassforsch – da kamen ihr schnell Gedanken an die Klientel von Privatsendern. Oder die „Gießkanne“. Diese Geschichte dreht sich um eine Mitarbeiterin, die vor Gericht Recht bekam, obwohl sie ihre auf dem Computer stehenden Kakteen so reichlich goss, dass das Wasser ins Innere des sensiblen Geräts gelangen konnte. Die Folge: ein Totalausfall des Rechners. Die Urteilsbegründung des Richters: Man hätte es versäumt, ein Verbot auszusprechen. Das sind Momente, in denen Sabine Schumann auch heute noch schlucken muss.

Das klingt so, als ob da jemand eine große Rechnung zu begleichen hätte. Das Buch, das die Autorin selbst als „humoristisches Sachbuch“ bezeichnet, ist aber nicht Beginn eines Rachefeldzugs durch alle Buchhandlungen dieser Republik. Damit verkennt man Sabine Schumanns Intention, die mehr Menschlichkeit fordert. Auf beiden Seiten. Sie selbst war durchaus nicht nur als knallharte Überbringerin von Kündigungen unterwegs. „Ich habe einiges getan, das ich nicht hätte tun müssen.“ Beispiel gefällig? Blumen auf eigene Rechnung kaufen, damit ein Mitarbeiter sich traut, den Hochzeitsantrag zu machen. Sich auf die Lauer legen, um zu überprüfen, ob die Putzfrau wirklich klaut. Kurzfristig ein Zimmer besorgen für einen Mitarbeiter, der bei seiner Freundin rausgeflogen ist. Einen anderen Mitarbeiter sanft in Richtung Zahnarzt zu schubsen, der aus verständlichen Gründen Angst davor hatte. Mit Leichtigkeit könnte Sabine Schumann ihre Erlebnisse aus der Zeit als Festangestellte um weitere Bände erweitern. Die liegen schon lange in der Schublade.

„Ich führe kein Tagebuch, habe das aber immer aufgeschrieben, damit es nicht verloren geht.“ Wie wurde daraus ein Buch? Sabine Schumann hat sich angewöhnt, ihre Vorträge zum Thema Arbeitsrecht mit eben solchen wahren, aber schier unglaublichen Anekdoten zu würzen. Und wurde nicht nur einmal darauf angesprochen, warum sie kein Buch daraus mache. Vor eineinhalb Jahren setzte sie sich dann an den Schreibtisch. Und nun kann jeder, der es möchte, einen Einblick in die Welt einer Personalerin wagen. Und dabei den Kopf schütteln, ungläubig lachen, sich die Hände vor den Mund schlagen – alles zusammen am besten. Sabine Schumann hat nicht vor, ihren mit Leidenschaft ausgeübten Beruf zu kündigen. Dazu mag sie die Menschen viel zu sehr. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Von Letzteren allerdings würde sie sich mehr Einfühlungsvermögen wünschen. „Ich hab’ Wichtigeres zu tun“ – mit diesem Satz kommt man bei ihr nicht weiter.

„Heute ist ein guter Tag zu kündigen!“ ist im Stieglitz-Verlag erschienen. ISBN-13: 978-3-7987-0439-8. 15,90 Euro. Mehr Informationen über die Autorin gibt es unter www.schumann-personalberatung.de.

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