„Man muss dranbleiben“

Mobile Kindersozialarbeit in Enzberg: Die Stelle ist derzeit unbesetzt, soll aber aufgestockt werden

Von Ramona Deeg Erstellt: 14. November 2017, 00:00 Uhr
„Man muss dranbleiben“ Beim Bürgerdialog mit der Jugend im Jugendtreff Enzberg darf auch eine Runde Tischkickern nicht fehlen: Landrat Karl Röckinger (li.) Oberbürgermeister Frank Schneider (3.v.li.) sowie Minister Manne Lucha (2. v. re.) und Grünen-Landtagsfraktionsvorsitzender Andreas Schwarz (3.v.re.) nutzen die Gelegenheit, ungezwungen mit Besuchern ins Gespräch zu kommen. Foto: Deeg

Ganz so genügsam wie die Besucher des Enzberger Jugendtreffs haben sich die Verantwortlichen der Stadtverwaltung gegenüber der Grünen-Landtagsfraktion bei einem Treffen am Montagnachmittag nicht gezeigt.

Mühlacker-Enzberg. „Braucht ihr noch Geld?“, wollte Andreas Schwarz, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Landtag, von einem Besucher des Enzberger Jugendtreffs wissen. Serhat Yilmaz antwortete, dass die Jugendraum-Besucher ihr Geld für Projekte gerne selbst erarbeiteten. Eine Antwort, die Schwarz gefallen haben dürfte, schließlich hat er zuvor von der Leiterin des Amts für Bildung und Kultur, Johanna Bächle, und ihrer Stellvertreterin Sybille Hollosi ebenso wie von Oberbürgermeister Frank Schneider und der Sozialdezernentin des Enzkreises, Katja Kreeb, einige Hausaufgaben mit in seine Landtagsfraktion genommen. Aber genau darum geht es den Grünen bei ihren Bürgerdialog-Besuchen auch: schauen, wo den Bürger der Schuh drückt, und Projekte besuchen, die gut laufen, um Eindrücke zu sammeln. „Wenn jetzt ein Bürgermeister fragt, was man in puncto Integration bei Kindern besser machen kann, schicken wir ihn nach Mühlacker“, sagte Schwarz.

Doch dem Fraktionsvorsitzenden wurde ebenso wie dem Minister für Soziales und Integration, Manne Lucha, vor Augen geführt, dass auch im Mühlacker Stadtteil Enzberg in puncto Kindersozialarbeit nicht alles nach Plan läuft. So ist die Stelle im Moment unbesetzt, da die Stelleninhaberin ein besseres Angebot bekommen hat – in Enzberg war sie lediglich mit zehn Wochenstunden präsent. Ebenfalls unbesetzt ist derzeit die Schulsozialarbeitsstelle an der örtlichen Hartfeldschule, wo der Migrationsanteil 51 Prozent beträgt. Der Schulleiter ist lediglich kommissarisch im Amt. Zudem würden im Jugendtreff zum Teil Vandalismus und Gewalttätigkeiten aufeinandertreffen.

Eine Lösung, auf die Johanna Bächle und ihre Stellvertreterin intensiv hoffen, ist die Aufstockung der Kindersozialarbeit auf eine 50-Prozent-Stelle, die für mindestens drei Jahre abgesichert ist. „Wir wissen alle, dass Kinder- und Jugendsozialarbeit Beziehungsarbeit ist“, betonte Hollosi, „da bringt eine Jahresplanung rein gar nichts.“ Eben eine solche Stelle soll in Enzberg geschaffen werden. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistags hat am Montag eine Mitfinanzierung signalisiert. Doch die Stadtverwaltung hofft auch auf einen Zuschuss durch Landesmittel. Dahingehend konnte Minister Lucha ein klares Signal geben: „Bewerbt euch!“ Im Rahmen des „Zukunftsplan Jugend“ der Landesregierung soll es Fördermöglichkeiten geben – und die Situation in Enzberg habe man dabei besonders im Blick. Schließlich gelte das Projekt in Enzberg als eines der ersten in dieser Hinsicht und man könne von ihm lernen. Bächle und Hollosi machten darauf aufmerksam, „dass der Hauptfinanzier immer die Kommune bleibt“. Trotzdem sei es „sehr erfreulich, was Sie uns heute mitgebracht haben“, sagten sie zu Lucha.

Die Mühlacker Integrationsbeauftragte zieht eine erste Bilanz. Lesen Sie einen Artikel dazu.

Anne Heß uns Nathalie Pavan vom Verein Miteinanderleben, der für die Mobile Jugendarbeit und den Jugendtreff in Enzberg verantwortlich ist, führten im Rahmen des Ministerbesuchs aus, weshalb eine Kindersozialarbeit parallel zur Jugendarbeit laufen solle. Ein Hauptpunkt sei die große Altersspanne: Die Kindersozialarbeit in Enzberg soll sich an Sechs- bis Zwölfjährige wenden – und je nach Angebot müssten auch hier die Altersklassen mit Hilfe einer Honorarkraft oder eines Auszubildenden noch einmal unterteilt werden. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Jugendlicher sein fünfjähriges Geschwisterchen mitgebracht habe – das sei sehr schwer zu handhaben. Außerdem wolle man Elternarbeit durchführen können, um neben ersten Kontakten auch Vertrauen aufbauen zu können. „Das ist sehr zeitintensiv und geht nicht nebenbei.“ Zumal beispielsweise Eltern, die nicht darauf achten, dass ihre Kinder in die Schule gehen, von Schulsozialarbeitern gar nicht erreicht werden. Daher müsse auch eine entsprechende Verzahnung aufrechterhalten werden können.

Nathalie Pavan, die den Jugendtreff in Enzberg leitet, konnte gegenüber den Grünen-Politikern auch schon erste Erfolge vermelden: Nachdem man klare Regeln – von der Begrüßung beim Reinkommen bis zum Aufräumen vor dem Verlassen des Jugendtreffs – aufgestellt habe, sei die Situation inzwischen ganz gut. „Aber man muss dringend dranbleiben.“

Als Belohnung für die Rücksichtnahme auf deutlich jüngere Besucher hat die Mühlacker Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann die älteren Jugendtreffbesucher nach Stuttgart in den Landtag eingeladen, „damit ihr seht, wie wir Politik machen“.

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