Hallendach wird von seiner Last befreit

Lösung in Enzberg kündigt sich an – Mobilfunkantennen sollen noch vor Fasching auf einen Ersatzmast montiert werden

Von Thomas Eier Erstellt: 12. Februar 2019, 00:00 Uhr
Hallendach wird von seiner Last befreit Statische Probleme: Die beiden Masten für Mobilfunkantennen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Enzberger Turn- und Festhalle seit dem Sommer vergangenen Jahres geschlossen ist. Foto: Huber

Die Faschingsveranstaltungen in Enzberg Anfang März scheinen gesichert. Die Stadt hat sich mit den Mobilfunkanbietern auf eine Lösung für die Dachantennen verständigt, die seit Sommer vergangenen Jahres die Nutzung der Turn- und Festhalle verhinderten.

Mühlacker-Enzberg. Läuft alles wie geplant, war der Kreisbauerntag am vergangenen Freitag die letzte Veranstaltung, die wegen einer geschlossenen Halle in Enzberg verlegt werden musste. Als Grußredner im Uhlandbau hatte Bürgermeister Winfried Abicht gegenüber den Gästen kurz die Hintergründe des Ortswechsels beschrieben, während sich die nächsten Termine bereits ankündigten. Am Wochenende 2./3. März richtet der Musikverein seine Ü30-Faschingsparty und den Familienfasching am Sonntag aus. „Die Nerven lagen zwischenzeitlich schon blank“, bestätigt Sandra Glöckner, die im MV Enzberg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, die Anspannung im Vorfeld. Nach langer Ungewissheit sei die Erleichterung darüber, dass an Fasching die eigene Halle wieder zur Verfügung stehe, umso größer.

Seit über einem halben Jahr ist die 1953 erbaute Turn- und Festhalle außer Betrieb, nachdem ein Statiker nach einer Kontrolle, die seit dem Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall 2006 mit 15 Todesopfern in allen Kommunen zur Routine gehört, sein Veto eingelegt hatte. Die Sicherheitsbedenken bezogen sich auf die Tragfähigkeit des Dachaufbaus, weil der Fachmann hier gleich mehrere bauliche Tücken ermittelt hatte. Zwei der Probleme – eine Zwischendecke, die mutmaßlich aus Gründen der Wärmedämmung mit einer schweren Schlacke befüllt worden war, und eine zusätzliche Last in Form einer nachträglich eingezogenen Akustikdecke – konnte die Stadt in Eigenregie entschärfen, doch der dritte Faktor erwies sich als ungleich kniffliger. Die beiden mit Mobilfunkantennen bestückten Masten, die auf dem Dach der Halle thronen, sind nicht nur stabil und schwer, sondern rütteln buchstäblich bei jedem Windstoß am Gebälk.

Diese modernen Altlasten zu beseitigen kostete die Stadtverwaltung einige Zeit und Mühe, weil es im ersten Schritt, wie Bürgermeister Winfried Abicht rückblickend sagt, schon ein schwieriges Unterfangen gewesen sei, überhaupt Ansprechpartner zu finden. Beteiligt sind die Deutsche Funkturm GmbH und die Vodafone GmbH, und als nach mehreren Anläufen die jeweiligen Zuständigen ausfindig gemacht waren, bestand die nächste Hürde darin, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Offenbar“, schildert Abicht die Ausgangslage, „hält in Deutschland jeder Anbieter seine eigene Infrastruktur vor.“

Unter diesen Vorzeichen ist die scheinbar simple Lösung, die jetzt einen Ausweg aus dem Dilemma eröffnet, das Resultat harter (Verhandlungs-)Arbeit. Demnach sollen die beiden Antennen abgenommen und vorübergehend auf einem provisorischen Ersatzmast, der hinter der Halle platziert wird, montiert werden. „Es braucht Strom und einen Anschluss ans Glasfasernetz“, beschreibt Abicht die Anforderungen an den Standort, der prinzipiell als günstig angesehen wird, um den Stadtteil, die Bundesstraße und die Bahnlinie gleichermaßen mit einem soliden Handyempfang zu versorgen. Während die Antennen auf dem provisorischen Mast neu verkabelt werden, können die heutigen Dachträger abgebaut werden – laut Zeitplan noch rechtzeitig vor dem „Schmutzigen Donnerstag“ am 28. Februar, wenn der Musikverein im Saal mit den Aufbauarbeiten für seine Faschingsveranstaltungen beginnen will.

Mit der Demontage der Mobilfunkmasten geht in Enzberg, wo nur die Hartfeldsporthalle als Ausweichquartier zur Verfügung steht, eine längere Durststrecke ohne Festhalle zu Ende, wobei Amtsleiterin Johanna Bächle die betroffenen Vereine für ihr Verständnis und ihre Kooperationsbereitschaft lobt. „Unsere Vereine sind in dieser Hinsicht immer spitze“, erinnert die Behördenchefin an eine ähnliche Situation 2015/2016 in der Kernstadt, als die Sporthalle der Berufsschule zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde.

Rund 30000 Euro hat die Stadt bislang in die Stabilität der Dachkonstruktion der Enzberger Halle investiert, indem unter anderem die Schlacke und die Gipsplatten entfernt und die Windrispenbänder nachgerüstet wurden. Als endgültige Lösung für das örtliche Mobilfunknetz, das ohnehin auf den Standard g5 angehoben werden soll, nehmen die Anbieter die Planungen für einen neuen Mast hinter der Turn- und Festhalle in Angriff, für den es nach Einschätzung von Bürgermeister Abicht eine Baugenehmigung braucht. Der dortige Standort, macht er deutlich, werde nicht nur hinsichtlich der Reichweite und der Infrastruktur als ideal betrachtet: „Es will ja niemand eine Anlage im Wohngebiet.“

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