Enzbergerin lässt Sido und Co. staunen

Opernsängerin überrascht mit ihrer Freundin die Jury der Casting-Show „X-Factor“ auf Sky1 mit einem klassischen Stück

Von Maik Disselhoff Erstellt: 1. September 2018, 00:00 Uhr
Enzbergerin lässt Sido und Co. staunen Die Enzberger Mezzosopranistin Jennifer Göbel (re.) steht mit ihrer Freundin Hanna Czarnecka in der Casting-Show „X-Factor“ auf der Bühne und erstaunt die Jury mit einem klassischen Stück. Foto: Sky/UFA

Jennifer Göbel ist Opernsängerin, was sie nicht davon abgehalten hat, bei der Casting-Show X-Factor mitzumachen. Auch wenn die prominent besetzte Jury wenig mit Klassik anfangen konnte, war der TV-Auftritt für die 31-jährige Enzbergerin ein voller Erfolg.

Mühlacker-Enzberg. Mit ihrem Blumenduett aus der Oper Lakme haben Jennifer Göbel und Hanna Czarnecka die prominent besetzte Jury der Casting-Show X-Factor eiskalt erwischt. Jennifer Weist, Thomas Anders, Iggy Uriarte und Sido staunten nicht schlecht über die klassische Darbietung des professionellen Duos. Die Jury war völlig überrascht und tat sich schwer mit einer Bewertung der stimmlichen Qualitäten der beiden Freundinnen, die sich erst im vergangenen Dezember berufsbedingt kennengelernt hatten.

Am Ende war in der „Auditions-Folge 2“ Endstation für das Duo, das sich spontan entschieden hatte, bei der Show, die im Bezahlsender Sky1 ausgestrahlt wird, mitzumachen. Hanna Czarnecka hatte die Idee, bei X-Factor einzusteigen, Jennifer Göbel ließ sich nicht lange bitten. „In unserem Beruf muss man sowieso dauernd vorsingen“, sagt die Enzbergerin. Die Freundinnen waren auch nicht traurig über das Ende ihrer Mission bei X-Factor, schließlich hatten sie gar nicht erwartet, bei einer Pop-Casting-Show mit der Präsentation eines klassischen Titels weiterzukommen. Bis zur ersten „Audition“ hätten sie im Rahmen der Vorrunden mit ihrem Exoten-Status punkten können, so Göbel, doch dann war eben Schluss.

„Uns hat es Spaß gemacht, es war eine spannende Erfahrung, und natürlich war es für uns toll, dass wir im Fernsehen zu hören und zu sehen waren.“ Die Show der beiden erfahrenen Opernsängerinnen, die in Stöckelschuhen und Lederhosen auf der Bühne standen, hat sich schon jetzt gelohnt. Zwei Manager hätten sie nach der Ausstrahlung am Montag angeschrieben, freut sich Göbel, die zurzeit als Freelancerin im Gala-Bereich, in der Werbung und gelegentlich auch als Hochzeitssängerin arbeitet. Zudem habe sie über Facebook viele positive Rückmeldungen erhalten.

Die Mezzosopranistin, die die Habanera aus der Oper Carmen zu ihren Lieblingsstücken zählt, schlüpft gern in ganz verschiedene Rollen und wechselt mühelos zwischen Jeans und schickem Kleid. Viele Jahre hat sie im Chor der Stuttgarter Oper gesungen, später folgte ein Engagement am Theater Pforzheim, wo sie ihr Repertoire um Musical und Operette erweitern konnte („Daran habe ich richtig gefallen gefunden“).

Die Liebe zur Musik hat die 31-Jährige früh entdeckt. Die gebürtige Vaihingerin besuchte schon als kleines Kind die Musikschule, sang leidenschaftlich gern und lernte Klavier spielen. Irgendwann habe man ihrer Mutter gesagt, dass ihre Tochter ein gutes Gehör habe, sie solle doch einmal an der Stuttgarter Oper vorsingen. Dieses Casting meisterte die damals Sechsjährige locker und nahm fortan in der Landeshauptstadt Unterricht. Zweimal in der Woche sang sie im Kinderchor der Oper, besuchte das Helene-Lange-Gymnasium in Markgröningen mit künstlerisch-musischem Profil und nahm auch weiter Klavierunterricht. Göbel nahm erfolgreich an mehreren Jugend-musiziert-Wettbewerben teil. Nach dem Abitur setzte sie ihren musikalischen Weg zunächst nicht fort, sondern machte ein freiwilliges soziales Jahr beim Rettungsdienst in Ludwigsburg und absolvierte dann eine Banklehre. „So etwas kann nie schaden, habe ich mir damals gedacht.“ Schließlich war Göbel immer klar, dass nur sehr wenige Talente im Gesangsfach die ganz große Karriere machen. Außerdem wollte sie immer eine Familie gründen, ein weiteres Hindernis auf dem Weg an die Spitze. Auch wenn Göbel sich nach dem Abi für eine bodenständige Ausbildung entschied, sang die Mutter von zwei Kindern immer noch im Opernchor. Irgendwann entschied sie sich dann doch, an der Musikhochschule Stuttgart Operngesang zu studieren. Mit dem Abschluss in der Tasche setzte sie ihre Arbeit fort, etwa am Theater Pforzheim, wo sie über zwei Spielzeiten bei verschiedenen Produktionen wie der West Side Story mitwirkte.

Wer am Theater arbeitet und Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, hat es nicht leicht. „Es wurde mir mit den Proben und Aufführungen einfach zu viel“, sagt Göbel, die seit Dezember von ihrem Partner getrennt lebt. „Ich wollte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Familie ist einfach sehr wichtig für mich.“ So kam es, dass die Enzbergerin den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Jetzt kann sich die Alleinerziehende ihre Zeit flexibel einteilen. Und Aufträge gibt es genug, wie die Enzbergerin berichtet: „Ich kann gut davon leben, es kommt halt auf die Jobs an, die man macht.“ Der nächste Job wird für die 31-Jährige auf jeden Fall sehr angenehm: „Am Wochenende singe ich auf der Hochzeit vom Patenonkel meines Sohnes, worauf ich mich natürlich sehr freue.“

Maik Disselhoff

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