Aktivisten trauen dem Frieden nicht

Bürgerinitiative informiert über die Pläne zur Steinbrucherweiterung in Enzberg

Von Rainer Appich Erstellt: 2. Mai 2013, 00:00 Uhr
Aktivisten trauen dem Frieden nicht Wer hat die Pfosten eingerammt, fragen sich Frank Ziegler, Benjamin Weis und Dr. Dieter Kooß (v. re.). Foto: Appich

Mühlacker-Enzberg. Wer hat die Grenzen der geplanten Steinbrucherweiterung mit Pfählen markiert? Die Bürgerinitiative, die sich gegen einen Ausbau wehrt, hat sich jedenfalls über deren Existenz gewundert, als sie gestern mit einem Infostand an der Verlängerung der Ötisheimer Steige auf ihr Anliegen aufmerksam machte.

An einen Maischerz glaubt Benjamin Weis, einer der Aktiven der Bürgerinitiative, aber nicht. „Die Holzpfosten markieren genau die Grenzen des Abbaugebiets, und sie sind fest eingerammt worden“, sagt er und vermutet, dass ein Radlader zum Einsatz gekommen ist. Um 344 Meter weiter in Richtung Sengach wollen die Natursteinwerke Nordschwarzwald (NSN) die Grenzen des Enzberger Steinbruchs verschieben. Nach einer öffentlichen Bekanntmachung der Pläne formierte sich der Widerstand gegen den Ausbau und, wie Weis verlauten ließ, stieß eine Infoveranstaltung mit Vertretern des Regionalverbands und der NSN auf „großen Unmut in der Bevölkerung“. Es gründete sich die Bürgerinitiative „Steinbrucherweiterung Enzberg? Nein Danke!“, der mittlerweile 100 Mitglieder angehören und die 900 Unterschriften gegen die Grenzverschiebung gesammelt hat.

Seit dem gestrigen Infotag dürfte diese Liste noch länger geworden sein. „Noch während wir am frühen Vormittag den Stand aufbauten, kamen die ersten Maiwanderer vorbei, um sich von uns informieren zu lassen“, sagte Dr. Peter Kooß. Mit Bildmaterial, Plänen und Testtafeln und vor allem im persönlichen Gespräch machten die Aktiven deutlich, welche Auswirkungen die Fahrzeugbewegungen, die Sprengungen und die Arbeit im Steinbruch mit sich bringen. „Es ist vergleichbar mit Stuttgart 21“, meinte Weis zur Vorgehensweise der Befürworter einer Erweiterung. „Man wird im Vorfeld nicht informiert und stellt den Bürger vor vollendete Tatsachen.“

Mit dem seit den 30er Jahren betriebenen Steinbruch hätten die betroffenen Anrainergemeinden ihren Beitrag zum Gemeinwohl geleistet, unterstrich Kooß. „Der Standort ist nicht alternativlos.“ Schon einmal wurde der Steinbruch erweitert und an der damals festgelegten Abbaugrenze sollte Schluss sein. Während sie aufgrund von öffentlichen Aussagen die Vertreter der Stadt an ihrer Seite wissen, fühlen sich die Aktiven der Bürgerinitiative vom Naturschutzbund (Nabu) im Stich gelassen, ja geradezu verraten. „Erst gab uns der Nabu per Email die Erlaubnis, sein Logo verwenden zu dürfen“, sagte Weis. Doch nach einem Treffen zwischen NSN, Industrieverband Steine und Erden (ISTE) und dem Naturschutzbund habe dieser seine Zusage widerrufen.

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