„Eine Scheibe abschneiden“

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann ist voll des Lobes über die Jugendarbeit in Mühlacker

Von Thomas Eier Erstellt: 3. Februar 2017, 00:00 Uhr
„Eine Scheibe abschneiden“ Ortstermin in Mühlacker: SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann (Mitte) mit der Bundestagsabgeordneten Katja Mast, Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider, dem Team der Mobilen Jugendarbeit des Vereins Miteinanderleben und weiteren Teilnehmern des Treffens in der Bahnhofstraße 62. Foto: Fotomoment

Der prominente Gast aus Berlin ist voll des Lobes: Was die Jugendarbeit in Mühlacker betrifft, sagt Thomas Oppermann, könnten sich „viele in Deutschland eine Scheibe abschneiden“. Eindrücke gesammelt hat der Fraktionschef der SPD im Bundestag im Austausch mit dem Team des Vereins Miteinanderleben und der Mobilen Jugendarbeit.

Besuch des Fraktionschefs der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, bei der Mobilen Jugendarbeit Mühlacker am 02.02.2017 in der Bahnhofstraße in Mühlacker. Thomas Oppermann (Fraktionschef der Bundes SPD). Motiv von Volker Henkel Fotografie Mehr als nur ein Klick! www.fotomoment.de Tel: 07041 – 81 55 61 Bankverbindung: Konto: IBAN - DE49666900000002824320 BIC: VBPFDE 66 Ust.-ldNr.: DE 144541281

Beifall für das Mühlacker Modell. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Alles nur Wahlkampf? Gehe es, wie bei der Visite in Mühlacker, um eine gute Sache, lässt Oppermann im Video-Interview unserer Zeitung durchblicken, dürften sich positive Ansätze gerne auch im Wahlkampf niederschlagen.

Cemal Hüroglu (18), Serdar Yilmaz (24) und Yaren Özdemir (15) haben andere Sorgen als die Umfragewerte der SPD. Ihr Ziel ist auch nicht die Ablösung von Kanzlerin Angela Merkel, sondern ein solider Schulabschluss oder eine neue berufliche Laufbahn.

Sehen Sie hier ein Video zum Besuch von Thomas Oppermann bei der Mobilen Jugendarbeit Mühlacker:

Wie die drei Mitstreiter in der Mühlacker Jugendarbeit und/oder im Enzberger Jugendtreff dem prominenten Gast in einer kurzen Gesprächsrunde berichten, kamen sie über die Hilfestellung bei Bewerbungen, über die ältere Schwester oder eine Freundin in Kontakt mit der Mobilen Jugendarbeit.

Weil sie die Damen-Mannschaft, die sich im Auftrag des Vereins Miteinanderleben um junge Leute in Mühlacker bemüht, sympathisch fanden, blieben sie hängen. „Es macht Spaß“, sagt Serdar Yilmaz und schildert die Aktionen im Jugendtreff Enzberg von der Spendensammlung für Flüchtlinge über die Finanzierung von Halsbändern für Straßenhunde in der Türkei bis hin zur Beteiligung an der Aktion Weihnachten im Schuhkarton.

Thomas Oppermann, der sich kurz zuvor im Goldenen Buch der Stadt verewigt hat, zollt dem Trio seine Anerkennung, auch wenn Cemal Hüroglu offen eingesteht, dass er mit der „großen Politik“ wenig anfangen kann.

Die handfesten Wünsche richten sich eher an OB Frank Schneider: ein Bolzplatz im Heidenwäldle und ein zentral gelegener Grillplatz. Berlin und Mühlacker trennen Welten, aber eine Parallele gibt es doch: Auch die politische Karriere von Thomas Oppermann nahm, wie er erzählt, mit 16 Jahren in der nordrhein-westfälischen Heimat mit dem Einsatz für einen Jugendraum ihren Anfang.

„Das beste Mittel gegen diejenigen, die spalten und aufwiegeln wollen“

Der Besuch des SPD-Frontmanns in der Region – von Mühlacker aus reist er weiter nach Calw – dreht sich schwerpunktmäßig um das Thema innere Sicherheit, und eine erfolgreiche Jugendarbeit wie in Mühlacker sei die beste Vorbeugung. Um eine Verrohung und ein Abgleiten von jungen Leuten in Hass und Gewalt zu verhindern, betont Oppermann, der auf Einladung der Abgeordneten Katja Mast nach Mühlacker gekommen ist, „müssen wir in die Menschen investieren“ mit dem Ziel, jedem eine Perspektive zu bieten.

Der Gedankenaustausch, der mit einem Mittagessen im „Scharfen Eck“ mit Vertretern von Stadt, Polizei und Mobiler Jugendarbeit begonnen hatte, passe perfekt zu dem von der SPD in Angriff genommenen Präventionsprogramm, schlägt Oppermann den Bogen zur Parteipolitik.

Er halte es für vorbildlich, was in der Stadt für die Kinder und Jugendlichen getan werde, lobt er, als sich in den Büros an der Bahnhofstraße 62 die Mitarbeiterinnen und Verantwortlichen des Trägervereins Miteinanderleben vorstellen. „Es läuft gut in Mühlacker“, bestätigt Nathalie Pavan, die als Leiterin des Teams vor Ort hervorhebt, wie gut im Zusammenspiel verschiedener Stellen – Stadt, Polizei und andere – die Zahnräder ineinandergreifen. „Ich habe große Wertschätzung für Ihre Arbeit“, entgegnet Thomas Oppermann.

„Das brauchen wir in Deutschland.“ Das Strafrecht hält er, wenn es um sogenannte Problemjugendliche gehe, nur für das letzte Mittel. Eine „begleitende Unterstützung“ wie in Mühlacker sei das beste Rezept, um junge Leute zu integrieren und denjenigen, die aufwiegeln und das Land spalten wollten, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Für ein gutes Miteinander stehen beim Ortstermin stellvertretend Cemal Hüroglu, Serdar Yilmaz und Yaren Özdemir, die mit anpacken, anstatt sich abzuschotten oder zu resignieren. In beruflicher Hinsicht, erfährt Thomas Oppermann, tun sich alle drei noch schwer mit ihrer endgültigen Ausrichtung.

Während die beiden jungen Männer nicht ihr Leben lang in der Sicherheitsbranche tätig sein, sondern sich weiterbilden wollen, strebt die 15-jährige Yaren aus Maulbronn die mittlere Reife an, träumt danach vom Abitur am Wirtschaftsgymnasium und einem Studium.

Ob sie Vorbilder habe, wird sie angesichts der Ambitionen gefragt. Das Problem, antwortet sie unverblümt, seien nicht die fehlenden Vorbilder, sondern „dass ich faul bin“.

Daran müsse sie selbst arbeiten, entgegnet schmunzelnd der Besucher aus der Hauptstadt, bevor er die scheinbar heile Welt in Mühlacker verlässt. Alle Probleme kann die Bundespolitik auch nicht lösen.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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