„Ein OB muss für seine Ideen kämpfen“

Mühlackers Ehrenbürger Gerhard Knapp wird heute 85 Jahre alt

Von Thomas Sadler Erstellt: 25. Oktober 2013, 00:00 Uhr
„Ein OB muss für seine Ideen kämpfen“ Mühlackers ehemaliger Oberbürgermeister Gerhard Knapp genießt von der Dürrmenzer Schulstraße aus den Blick auf die Stadt, deren Geschicke er viele Jahre lenkte. Foto: Sadler

Von 1966 bis Ende 1993 lenkte er, zunächst als Bürgermeister und ab 1973 als Oberbürgermeister, die Geschicke der Stadt Mühlacker, deren Erscheinungsbild er wesentlich mitprägte. Heute wird der langjährige Rathauschef Gerhard Knapp 85 Jahre alt. Doch auch im fortgeschrittenen Alter verfolgt er noch aufmerksam die Kommunalpolitik.

Mühlacker. Gut gelaunt und rüstig wirkt Gerhard Knapp. Er sei zufrieden mit seinem gesundheitlichen Befinden, „allerdings merke ich, dass ich 85 bin“. Die Zeit der Bergtouren in den Dolomiten gehöre der Vergangenheit an, stellt Gerhard Knapp schmunzelnd fest. Langeweile kennt er trotzdem nicht. Er lese viel, reise mit seiner Ehefrau Margot, arbeite gerne im Garten und pflege alte Freundschaften. Und: „Ich geh’ unter d’ Leut’.“

Sprechen ihn d’ Leut’ auch heute noch auf die Kommunalpolitik an? „Kaum“, wehrt er ab. „Ich habe immer gesagt, meine kommunalpolitische Zeit ist vorbei. Wenn man in den Ruhestand geht, sollte man sich zurückziehen.“ Er halte nichts davon, Amtsnachfolgern ungebetene Tipps zu geben. Andererseits, räumt er ein, verfolge er durchaus das aktuelle Geschehen, so der Mühlacker Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.

Sein Berufsleben ist eng mit der Entwicklung der Stadt verbunden. Er hat das Gewerbe- und Industriegebiet Waldäcker auf den Weg gebracht, und auch die Planung der heutigen Stadtmitte und der Fußgängerzone sowie der Bau von Kindergärten und Schulen fanden in der Ära Knapp statt. Nicht zu vergessen der Mühlehof, dessen Zukunft nach wie vor unklar ist. Doch an diesem Punkt zeigt sich das betagte Geburtstagskind zurückhaltend. „Dazu sage ich nichts“, erklärt Gerhard Knapp, fügt aber hinzu: „Ich wüsste, was ich machen würde …“

Sorgen bereitet dem Bürger Knapp das „Strukturproblem“, das die Kommune habe und sich unter anderem an der sinkenden Einwohnerzahl ablesen lässt. Deshalb sei es wichtig, für ausreichend Baugebiete und Gewerbeflächen zu sorgen, wobei die Innenentwicklung nicht zu vergessen sei.

Beim Thema Mühlehof hält sich der ehemalige Rathauschef zurück

Neben anderen Problemen haben die gegenwärtig Verantwortlichen in Verwaltung und Gemeinderat auch noch die Frage zu beantworten, wo neue Flächen für Firmen ausgewiesen werden sollen. Festlegen möchte sich Knapp auch hier nicht. Was nicht heißt, dass er keine Meinung hätte. „Es spricht einiges für das Gelände südlich der B10“, meinte er, ungeachtet der Tatsache, dass es genau dafür zurzeit keine Mehrheit im Gemeinderat gibt. Zwar gebe es zu Recht Bedenken, doch sollte man „nichts ausschließen“, so Gerhard Knapp. Große Hoffnungen setzt er indes auf die Umgestaltung des Ziegeleiareals. „Wenn man das richtig angeht, wird es eine schöne Sache.“

Hin und wieder schleicht sich dann doch der eine oder andere vorsichtige Ratschlag an die Entscheidungsträger ein, ganz allgemein, versteht sich. „Als OB muss man klare Vorstellungen haben und bereit sein, für seine Ideen um Mehrheiten zu kämpfen.“ Dazu gehöre auch, „die Bürger mitzunehmen, mit ihnen zu diskutieren und Überzeugungsarbeit zu leisten“. Was jedoch nicht bedeute, dass die Verantwortlichen Entscheidungsgewalt abgeben sollten. „Ich bin ein Verfechter der repräsentativen Demokratie“, macht er seinen Standpunkt klar. Auch – vermeintliche – Mehrheiten in der Bevölkerung dürften nicht alleinige Richtschnur für Beschlüsse sein. So habe es einst gegen den Mittelbau, das Wohn- und Geschäftshaus am Kelterplatz, Widerstände gegeben. Wäre auf sie gehört worden, stünde das längst akzeptierte Gebäude bis heute nicht. Fazit: „Man muss tun, was man für richtig hält.“

Offenbar hielt die Mehrheit der Mühlackerer einst das, was Gerhard Knapp als Oberbürgermeister für richtig hielt, ebenfalls für richtig. „Ich bin immer im ersten Wahlgang gewählt worden“, freut er sich noch heute. Im Gegensatz dazu wurden in den vergangenen Jahren einige Verwaltungschefs abgewählt, und daran, glaubt er, sind nicht immer nur die überkritischen Bürger schuld. „Die Qualität“ der Bürgermeister – und das bezieht sich nicht auf seinen Nach-Nach-Nachfolger Frank Schneider – lasse in manchen Fällen doch zu wünschen übrig. „Sie sind in Wohlstand aufgewachsen und haben keine Not erlebt“, versucht Knapp, welcher der „Flakhelfer-Generation“ angehörte, einen Grund für persönliche Defizite zu finden.

Dessen ungeachtet hätten es Bürgermeister und Oberbürgermeister früher nicht unbedingt leichter gehabt. Zumindest, was die Aufgaben und die zu überwindenden Hindernisse anbelangt. So machte es dem Oberbürgermeister Knapp Mitte der 1970er Jahre zu schaffen, dass die Stadt keine müde Mark mehr für Investitionen in der Kasse hatte. Ursache waren schwindende Gewerbesteuereinnahmen als Folge der Ölkrise. Doch mit vereinten Kräften ging es letztlich doch wieder aufwärts. Er habe mit Hilfe des Gemeinderates eine Sparkommission ins Leben gerufen, um gemeinsam Haushaltsposten für Haushaltsposten durchzugehen mit dem Ziel, Einsparmöglichkeiten zu finden. Mit Erfolg: Wenige Jahre später habe die Kommune wieder über Geld verfügt.

Auf solche Zeiten kann er nun freilich ganz entspannt zurückblicken. Heute steht erst mal der 85. Geburtstag an. Gefeiert werde mit der vier Generationen umspannenden Familie indes erst am Samstag. Am Geburtstag selbst bleibe erfahrungsgemäß keine Zeit. „Da habe ich Telefondienst“, sagt er lächelnd mit Blick auf die zu erwartenden Gratulationsanrufe.

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