Diffuse Aussichten für das Wahrzeichen

SWR hat noch nicht über die weitere Verwendung des großen Sendermasts entschieden – Abbau des „kleinen Bruders“ steht bevor

Von Daniel Wallinger Erstellt: 22. Juli 2013, 12:00 Uhr
Diffuse Aussichten für das Wahrzeichen Die Senderstadt bleibt weiter im Unklaren: Inspiriert durch die Unterschriftenaktion des Vereins „Sender City“, der sich für den Erhalt des Wahrzeichens einsetzt, hat Leser Rolf Freyburger aus Wiernsheim unserer Zeitung seine beeindruckende Aufnahme zugesandt. Entstanden ist sie an einem Frühlingsmorgen aus weiter Ferne, an einem Standort an der Landstraße oberhalb von Roßwag.

Die Entscheidung des SWR, ob der Mühlacker Sender künftig doch für den Digitalfunk verwendet werden kann, lässt noch immer auf sich warten. Derweil erfährt der Mühlacker Verein „Sender City e. V.“, der sich für den Erhalt des Senders einsetzt, große Zustimmung.

Mühlacker. Als Anfang Februar ein SWR-Team im Kino Scala gastierte, um das Resultat seiner Dreharbeiten in Mühlacker für die Sendung „Landesschau Mobil“ zu präsentieren, ging Jürgen Fegert noch von einer raschen Entscheidung aus: Innerhalb der nächsten vier Wochen, so mutmaßte der SWR-Techniker, der mit einem achtköpfigen Team für das Gebiet Mühlacker zuständig ist, könnte die Entscheidung darüber fallen, ob der Sender in Zukunft Digitalfunk ausstrahlen wird.

Heute, mehr als fünf Monate später, ist die Rundfunkanstalt noch immer damit beschäftigt, die Eignung des Mühlacker Sendermasts für das Digitalradio zu prüfen, bestätigt auf Nachfrage Pressesprecher Wolfgang Utz und macht klar: „Auftragsgemäß geht es uns immer darum, den Sender für Rundfunkzwecke zu nutzen.“ Will heißen: Dass der SWR das 273 Meter hohe Wahrzeichen aus Nostalgiegründen auch dann noch instand halten wird, wenn es keinen praktischen Nutzen mehr hat, erscheint höchst unwahrscheinlich.

„Ohne den Sender wäre Mühlacker vermutlich nur eine von vielen gesichtslosen Städten an der B10, deshalb müssen wir uns alle gemeinsam für seinen Erhalt einsetzen“, appelliert deshalb Theo Seemann vom Verein „Sender City e.V.“ an die Bevölkerung, sich für die Anlage starkzumachen. Die am 8. Juni gestartete Unterschriftenaktion verlaufe sehr erfolgreich, zieht der Sprecher eine Zwischenbilanz. Online seien bereits knapp 400 Unterschriften gesammelt worden, auch an Mühlacker Vereine seien Listen verteilt worden, in die sich Unterstützer eintragen könnten. „Vom Jugendhaus ProZwo wissen wir, dass dort schon über 200 Stimmen gesammelt wurden.“

Der Unterschriftenaktion des Mühlacker Vereins misst SWR-Sprecher Wolfgang Utz freilich in erster Linie einen symbolischen Charakter bei: „Es ist doch klar: Immer, wenn es um das Wahrzeichen einer Stadt geht, sind Emotionen im Spiel. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.“

Für den Fall, dass der SWR keine Verwendung mehr für den Mühlacker Sendermast finden sollte, hat Theo Seemann auch schon eine Vision: „Es ist höchste Zeit, die Zukunft des Senders aktiv zu planen.“ Eine Idee dazu stammt ausgerechnet aus dem Kreis des SWR-Reporterteams, das Anfang des Jahres zu Gast war: Auf dem heutigen Senderareal könnte, zu Füßen des Masts, ein Museum eingerichtet werden.

„Ein Vorbild könnte das Rundfunkmuseum in Königs Wusterhausen sein“, erklärt der Sender-City-Aktivist. Konkrete Pläne gebe es aber nicht, und überhaupt lägen keine Zahlen zu den Unterhaltskosten des Areals vor. „Das sind bestimmt stattliche Summen“, befürchtet Seemann.

Unklarheit über die jährlichen Instandhaltungskosten der Senderanlage herrscht, wie eine Nachfrage unserer Zeitung ergab, allem Anschein nach auch beim SüdwestRundfunk. Eine Summe konnte in Stuttgart auf Anhieb niemand nennen.

Oberbürgermeister Frank Schneider möchte sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu künftigen Eventualitäten äußern. „Ich habe immer noch Hoffnung, dass der SWR eine sinnvolle Nutzung für den Sender findet, das wäre mir am liebsten“, sagt der Mühlacker Rathauschef. Auch er warte seit geraumer Zeit auf ein Signal des SWR, macht Schneider deutlich. „Meine Information war, dass sich der SWR in den nächsten Wochen entscheiden möchte. Ob er das tatsächlich tut, weiß ich nicht.“

Die Zukunft des großen Sendermasts ist nach wie vor unklar, dagegen sind die Tage des kleineren Bruders, des 130 Meter hohen Masts, gezählt. Nachdem seine Demontage ursprünglich für Juli angekündigt war, soll sie jetzt laut SWR im Herbst stattfinden. Die Stadt habe die dafür nötige Genehmigung erteilt, berichtet der OB.

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