Die Stimme der Jugend

Neunt- und Zehntklässler der Mörike-Realschule geben bei der Juniorwahl ihre Stimme ab

Von Ramona Deeg Erstellt: 24. Mai 2019, 00:00 Uhr
Die Stimme der Jugend Die Juniorwahl, an der die Mörike-Schule mit insgesamt acht Klassen teilnimmt, spiegelt den Wählerwillen der Jugend wider. Foto: Fotomoment

Eine von bundesweit 2760 Schulen, die sich an der Juniorwahl zur Europawahl beteiligen, ist die Mörike-Realschule in Mühlacker. Rund 180 Neunt- und Zehntklässler geben im schuleigenen Wahllokal ihre Stimme ab. Das ist laut Konrektorin Andrea Maisel zwar eine Simulation, aber keine Spaßveranstaltung.

Mühlacker. Insgesamt haben sich seit 1999 über drei Millionen Jugendliche an den Juniorwahl-Angeboten beteiligt. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Schüler ihre Stimme abgeben, sondern auch um das Ergebnis. Denn dieses wird ebenfalls wie die anderen – in dem Fall – Europawahl-Ergebnisse am Sonntagabend veröffentlicht. „Damit können auch die Politiker sehen, wie wir Jugendlichen wählen“, sagt der 15 Jahre alte Umut Bilgin kurz nach seiner Stimmabgabe am Donnerstagvormittag, „und vielleicht vergleichen sie dann, was die Parteien, die wir gewählt haben, in ihrem Programmen haben, mit ihrem eigenen.“

Auch Hannes Dietz empfindet das Angebot der Juniorwahl als sehr wichtig. „Wir sind ja sozusagen die Zukunft“, sagt der 16-Jährige. Bei der „echten“ Europawahl darf er am Sonntag seine Stimme noch nicht abgeben, weil das Wahlalter auf 18 festgelegt ist. Anders sieht es bei der Kommunalwahl aus. Hier ist seine Meinung auch offiziell schon gefragt. „Ich habe mich schon entschieden, wen ich wähle“, sagt er. Politik ist für Hannes Dietz wichtig, und er hat sich auch schon vor der Juniorwahl dafür interessiert.

Die Mörike-Realschule hat schon 2017 bei der Bundestagswahl an der Juniorwahl teilgenommen, erinnert Konrektorin Andrea Maisel. Ein Unterschied zu damals: Dieses Mal ist sie nicht weiter auf die einzelnen Kandidaten eingegangen. Dafür zeigten sich inhaltlicht einige Anknüpfungspunkte. Die Schüler würden sich für die Klimaschutz-Themen interessieren. Das sei ein guter Aufhänger gewesen, um zu vergleichen, wo die Parteien ihre Schwerpunkte setzen. Vor allem wurde dabei deutlich, dass viele Jugendliche unsicher seien, wie und wo sie Informationen beziehen könnten. Auch die Frage nach den Unterschieden zwischen den einzelnen Parteien wurde aufgegriffen. „Klar, die extremen Ansichten waren deutlich anders, aber abgesehen davon hat man oft nur Unterschiede im Detail gesehen“, machte sie deutlich.

„Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass in den Elternhäusern viel über Politik gesprochen wird“, sagte Maisel, „das war im Vorfeld der Bundestagswahl schon so, aber das Phänomen hat sich eher verstärkt.“ Ein Indiz dafür sei auch, dass manche Schüler, die bei der Kommunalwahl stimmberechtigt sind, ihre Wahlunterlagen mit in die Schule gebracht und erklärt hätten, dass sie nicht verstehen würden, was sie tun müssten. Das betreffe nicht nur zugewanderte Schüler, lässt die erfahrene Lehrerin durchblicken.

Und tatsächlich: Zwischen einem Kreuz, das bei der Europawahl verlangt wird, und der Möglichkeit zu Kumulieren und Panaschieren, wie es bei der Kommunalwahl möglich ist, besteht ein Unterschied. Das wurde im Unterricht besprochen – dank Juniorwahl mit direkter praktischer Erfahrung im Umfeld der Europawahl. Gewählt haben die acht teilnehmenden neunten und zehnten Klassen am Donnerstag. Ausgezählt wird am heutigen Freitag, dann werden auch die Resultate übermittelt, die dann in das Gesamtergebnis, das am Sonntag veröffentlicht wird, einfließen.

Dabei ist eine möglichst reale Simulation wichtig: Neben einem Wahlzettel mit allen 40 zugelassenen Parteien gibt es auch ein Wahlbüro, in dem man seine Wahlbenachrichtigung abgeben musste. Wahlhelfer sorgten dafür, dass es vor den Wahlkabinen nicht zu unruhig wurde. Wie nah oder wie fern die Ergebnisse der Jugendlichen an denen der Wähler sind, wird sich dann am Sonntagabend zeigen.

Weiterlesen
Stadt kämpft mit Dachschäden

Stadt kämpft mit Dachschäden

In die Mühlacker Lindachsporthalle tropft es nach wie vor rein. Doch nicht nur in der Kernstadt hat das Grundstücks- und Gebäudemanagement mit Dachschäden zu kämpfen. In Mühlhausen sind gleich drei… »