Die kriminelle Seite der Enz

Die Autorin Carmen Mayer hat sich von den Gartenschau-Vorbereitungen zu ihrem aktuellen Werk „Katzengold“ inspirieren lassen

Von Carolin Becker Erstellt: 24. August 2013, 00:00 Uhr
Die kriminelle Seite der Enz Geheimnisvoll: Ein freier Journalist wird Zeuge merkwürdiger Vorgänge an der Enz. Aus diesem Szenario entwickelt Carmen Mayer ihren Kurzkrimi „Katzengold“. Foto: Fotomoment

Die Idee einer Gartenschau in ihrer alten Heimat Dürrmenz findet sie gut. Richtig gut. Kriminell gut. Kein Wunder also, dass sich die Ingolstädter Autorin Carmen Mayer zu einem Krimi hat inspirieren lassen, den sie mitten in den Vorbereitungen zum Grünprojekt ansiedelt.

Mühlacker/Ingolstadt. Bagger wühlen sich durch das Enzvorland, Arbeiter säubern die Uferbereiche von Unrat, ziehen hier Gegenstand x, dort Gegenstand y aus dem Wasser. Die Szenerie, die Carmen Mayer für ihren beinahe fertiggestellten Kurzkrimi „Katzengold“ wählt, könnte realistischer kaum sein. Allerdings haben die Journalisten, die „in echt“ die Fortschritte begleiten, im Gegensatz zum fiktiven Kollegen Heiko von Leveling noch nicht vor die Linse bekommen, wie gerade ein geheimnisvoller Schatz gehoben wird. Ein solcher wird jedenfalls in einer Metallkassette vermutet und sorgt auf rund 50 Seiten ordentlich für Spannung.

Doch noch bevor der Fall aufgeklärt ist, stellt sich die Frage, wie eine Exil-Schwäbin, die seit mehr als 30 Jahren mit ihrer Familie in Bayern lebt, auf die Idee kommt, als Thema für ihr neues Buch ausgerechnet die Mühlacker Gartenschau zu wählen. Der im Mai 2012 gefeierte 90. Geburtstag der Mutter und ein Spaziergang an der Enz entlang hätten Inspirationsstoff geliefert, zeigt sich die Verfasserin mehrerer Krimis und historischer Romane von der „Kleinen Gartenschau Enzgärten“ begeistert: „In die später organisierten Pläne habe ich mich buchstäblich verliebt. Hinzu kam, dass ich bei diesem Besuch einen Blick in die Burgruine Löffelstelz werfen konnte. Ich hatte zwar mitbekommen, dass dort gegraben worden war, hatte aber nie Zeit, mir das anzusehen. Die alte Sage von jenem Schatz fiel mir wieder ein, nach dem wir als Kinder heimlich gebuddelt haben. Irgendjemand sagte zu mir, dass dieser Schatz bestenfalls aus Katzengold bestehen könne, weil die alten Rittersleut so arm gewesen seien. Alles zusammen ergab die Idee zu meinem Krimi.“

Bereits vor zwei Jahren hatte Carmen Mayer für eine Ausschreibung die fiktive Geschichte eines Novizen eingereicht, der den Edelfreien Walther von Lammersheim nach Mulenbrunn begleitet. Die Vorarbeiten zu der im Verlag edition oberkassel veröffentlichten Geschichte hätten sie davon überzeugt, „dass ich meine alte Heimat für weitere Projekte im Kopf behalten sollte“.

Recherchiert habe sie für ihr aktuelles Werk hauptsächlich übers Internet. Unter anderem, berichtet die Autorin, habe sie mit der WebCam auf der Seite des Mühlacker Tagblatt die Fortschritte der Arbeiten verfolgt. Für die Hintergrundgeschichte habe sie das Buch „Bettelarm und abgebrannt“ gekauft und darin geschmökert. Auch ihre Mutter habe mit einer alten Ausgabe von „Unser Dürrmenz-Mühlacker“ helfen können. Der Vater, der in der Druckerei Karl Elser Schriftsetzer lernte, habe den Autor Karl Knöller noch persönlich gekannt.

Ihre eigene Liebe zum Schreiben sei bereits in der Schule erwacht, erzählt Carmen Mayer. Schon als Jugendliche habe sie unbedingt ein Buch schreiben wollen, was – mit etwas Verspätung zwar – auch geklappt habe. Noch könne sie von den Tantiemen nicht leben, weshalb sie „für das Gsälz auf meinem täglichen Weckle“ als Wellness-Therapeutin im eigenen Studio arbeite. Sobald sie ein paar Tage am Stück freihabe, sitze sie oft schon ab sechs Uhr morgens bis spät in die Nacht hinein am PC. Im neuen Krimi die eigene Heimat in den Mittelpunkt zu stellen, habe durchaus widerstreitende Emotionen zutage gefördert. „Dass ich mit allen Konsequenzen ein Kind der Enzstraße bin und bleiben werde, hat das Schreiben einerseits leichter gemacht, andererseits wollte ich nicht zu viel davon in die Geschichte einfließen lassen, die ja aus der Sicht des Heiko von Leveling erzählt wird“, schildert Carmen Mayer die Ausgangslage.

Die Würde eines alten Ortes ins rechte Licht rücken

Der Leser werde sehr wohl merken, „dass ich Dürrmenz mag und anfange, Mühlacker wieder zu mögen. Ich war bislang traurig darüber, dass die lebendige Stadt, wie ich sie kannte, inzwischen so müde und irgendwie leer und lustlos daherkommt. Dagegen finde ich, dass sich die Enzstraße, Unterm Berg und Dürrmenz hartnäckig ihre Persönlichkeit bewahrt haben“. Die Idee der Gartenschau im Dürrmenzer Bereich der Enz begeistere sie deshalb so nachhaltig, weil die Ausführung der Pläne ihrer Meinung nach die ursprüngliche Wichtigkeit und Würde des alten Ortes wieder ins rechte Licht rücke. Dies bedeute einen Pluspunkt auch für Mühlacker. Sie hoffe, sagt Carmen Mayer, „dass sich nicht nur meine Einstellung dieser Stadt gegenüber mit der Gartenschau grundsätzlich ändert, sondern dass das Ereignis auch das Interesse der eigenen Bürger weckt und viele Besucher jede Menge Leben mitbringen werden. Sollte mein Krimi dazu beitragen, andere neugierig auf die Stadt zu machen, freue ich mich darüber. Es lohnt sich“.

Und gibt „Katzengold“ womöglich sogar eine Fortsetzung her? Nein, sagt Carmen Mayer, Heikos Geschichte sei abgeschlossen. Dürrmenz aber habe seinen Platz bei ihr gefunden. „Ich wollte immer schon mal eine Trilogie mit Dreh- und Angelpunkt rings um die Burgruine Löffelstelz schreiben, habe aber nie den richtigen Ansatz dafür gefunden“, verrät die Autorin. Nun kreise der nächste Plot bereits durch ihren Kopf. Und bis die Enzgärten erblühen, keimt womöglich schon die nächste literarische Saat in und über Mühlacker.

Carolin Becker

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