Debatten live in Facebook?

Rafael Selinger, Mitorganisator des Fest20zehn, über das vermeintliche Desinteresse junger Leute

Von Thomas Eier Erstellt: 30. Juli 2016, 00:00 Uhr
Debatten live in Facebook? Nur Party und sonst nichts? Rafael Selinger widerspricht: Gerade das Thema Erlenbach Center interessiere auch die Altersgruppe zwischen 15 und 30. (Archivfofo: Fotomoment)

Geschätzte 120 Zuhörer, die meisten im gestandenen Alter und Anhänger des Mühlehofs, verfolgen die Debatte im Ratssaal und quittieren die Mehrheitsentscheidung, dem Erlenbach Center eine letzte Chance zu geben, mit Buhrufen. Wo, fragt sich der Beobachter, sind die jüngeren Leute? Kein Interesse? Rafael Selinger, der Sprecher der Jugendinitiative Enzkreis, gibt eine Einschätzung.

Wenn Sie vom eigenen Bekanntenkreis ausgehen: Wie verfolgen jüngere Leute in Mühlacker die Diskussion um den Mühlehof und das Erlenbach Center?

In meinem Bekanntenkreis wird die Diskussion um den Mühlehof und das Erlenbach Center hauptsächlich in der Presse und in Facebook verfolgt. Das Interesse dafür ist definitiv vorhanden, und es wird auch darüber diskutiert.

Auch wenn die Meinungen in der Sache auseinandergehen – die einen würden gerne am Mühlehof festhalten, andere sind für ein Einkaufszentrum –, so wäre doch vielen vor allem wichtig, dass möglichst rasch eine Entscheidung fällt. Die Diskussion ist doch schon recht langwierig.

 

Lesen Sie einen Kommentar zu dem Thema.

 

Warum, meinen Sie, interessieren sich so wenige junge Leute für die Debatten im Gemeinderat? Schließlich geht es auch um ihre Stadt und ihre Zukunft …

Ich denke, viele junge Leute wissen gar nicht, wann welche Gemeinderatssitzung stattfindet, beziehungsweise was wann thematisiert und entschieden wird. Dazu ist aktive Informationseinholung notwendig. Eventuell schafft man Abhilfe dadurch, indem man diese Generation durch die Informationskanäle, in denen sie aktiv ist, abholt. Warum nicht unkonventionelle Wege gehen und öffentliche Sitzungen per Liveübertragungen auf Facebook oder Ähnlichem streamen?

 

Kultur oder Kommerz lautet am Kelterplatz die Frage. Wohin tendiert die jüngere Generation?

Aus meiner Sicht ist Kultur in Mühlacker unbedingt notwendig. In der jüngeren Generation sehe ich allerdings auch den Wunsch nach einem Einkaufszentrum. Mit dem Mühlehof wurde ja in den letzten Jahren versucht, beides zu realisieren, was aus verschiedenen Gründen nicht wie gewünscht funktioniert hat.

 

Wie sehen Sie das kulturelle Angebot in Mühlacker? Was ist gut, was schlecht, was fehlt?

Gut finde ich beispielsweise, dass mit dem Scala Filmtheater ein Kino, das viele Filme zum Bundesstart bringt, in Mühlacker vertreten ist. Auch die große Vielfalt an Vereinen kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Man darf bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass Mühlacker keine Großstadt mit mehr als 100000 Einwohnern und im Rahmen seiner Möglichkeiten nicht schlecht aufgestellt ist. Würde allerdings der Mühlehof mit seinem kulturellen Programm wegfallen, würde mir persönlich etwas fehlen.

 

Rafael Selinger ist Mitorganisator des „Fest20zehn“

Rafael Selinger.

Und die Einkaufsmöglichkeiten in Mühlacker? Was würde sich – nach dem Absprung von H & M und New Yorker – die Generation im Alter zwischen 15 und 25 wünschen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ein 15-jähriger Junge wird diese Frage wohl anders beantworten als eine junge Frau mit Anfang 20. In diesem Fall erhoffe ich mir aussagekräftige Ergebnisse aus der Umfrage zur Stadtentwicklung, die ich im Übrigen für eine gute Idee halte.

 

Kaufen Sie in Mühlacker ein?

Ja, ich finde es wichtig, dass man den Handel vor Ort stützt, und das nicht nur, wenn es um den Kauf von Lebensmitteln im Supermarkt geht, sondern auch, was die Bekleidung betrifft oder Schuhe, für Besorgungen im Baumarkt oder bei Dienstleistern. Indem man zum Beispiel seine Kontaktlinsen beim Optiker vor Ort holt.

 

Wie jung ist denn die – laut Slogan – „junge Stadt Mühlacker“ wirklich? Wie sehen Sie die Freizeitangebote, die Gastronomie, das Veranstaltungsprogramm?

Mühlacker muss sich meiner Meinung nach nicht verstecken, das Freizeitangebot ist auch für die junge Generation super. Als Beispiel seien hier das Freibad, das Hallenbad, die Skateranlage oder das Jugendhaus genannt. Das Gastronomieangebot finde ich ebenfalls vielseitig und abwechslungsreich. Private Initiativen wie das Public Viewing runden das Freizeitangebot ab.

 

Ihre Jugendinitiative Enzkreis hat – wie es der Name schon sagt – selbst die Initiative ergriffen und mit Erfolg das Fest 20zehn aus der Taufe gehoben. Würden Sie sich Nachahmer wünschen?

Ja, unbedingt! Die pragmatischste Art, mit Missständen und Mängeln umzugehen, ist sie selbst zu lösen. Uns hat damals ein größeres Fest gefehlt, deshalb haben wir das Fest20zehn organisiert. Ich kann jeden nur ermutigen, selbst aktiv zu werden und seine Stadt mitzugestalten.

 

Ihr Verein hat keine Pläne über das Fest20zehn hinaus?

Aktuell haben wir keine weiteren Pläne neben dem Fest20zehn. Man muss auch sehen, dass das Fest20zehn mit Vor- und Nachbereitung etwa ein halbes Jahr Arbeit in Anspruch nimmt.

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