Das schlummernde Potenzial wecken

Die Dürrmenzerin Eva Paap möchte junge Frauen dazu ermutigen, einen technischen Beruf zu wählen – Vorträge in Südkorea

Von Carolin Becker Erstellt: 28. Dezember 2012, 00:00 Uhr
Das schlummernde Potenzial wecken Eva Paap, auf dem großen Foto nach ihrem Vortrag in Busan, ist selbst Ingenieurin und möchte junge Frauen ermuntern, einen technischen Beruf zu ergreifen. Welche Zukunftsperspektiven es gibt, hat sie vor südkoreanischen Studenten erläutert. Das asiatische Land hat sie als technisch hoch entwickelt kennengelernt. Unter anderem gibt es Bildschirme zur Bedienung eines Fahrstuhls (Foto re.). Foto: privat

Frauen in Ingenieur-Berufen – davon gibt es immer noch viel zu wenig, findet Eva Paap aus Dürrmenz. Sie möchte Schülerinnen und Studentinnen ermutigen, ihr Potenzial im technischen Bereich zu nutzen, und hat über dieses Thema sogar in Südkorea referiert.

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Mühlacker. Model oder Tierärztin oder doch Lehrerin? Noch hält sich die achtjährige Tochter der Wahl-Dürrmenzerin Eva Paap alle beruflichen Optionen offen. Ihre Mutter hat den Weg in Richtung Ingenieurwesen gewählt, den auch nach Ansicht der Landesregierung noch zu wenige Frauen einschlagen. Nicht umsonst sollen in den kommenden Jahren rund 740000 Euro in ein Projekt fließen, das die Frauenerwerbstätigkeit im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu erhöhen versucht. Nachholbedarf bestehe durchaus, weiß Eva Paap aus eigener Erfahrung: Schon an der Grundschule ihrer Tochter beobachte sie den Trend, der sich bis ins Studium hinein fortsetze: „Viele Mädchen und Frauen mit guten Noten scheuen davor zurück, einen technischen Beruf für sich in Erwägung zu ziehen. Nur knapp 17 Prozent der erwerbstätigen Ingenieure in Deutschland sind Frauen“, sagt die 52-Jährige, die in den USA aufgewachsen ist, dort Druckingenieurwesen studiert hat und danach erfolgreich in vielfältigen Bereichen von Verkauf über Marketing bis zur Qualitätssicherung gearbeitet hat.

„Ich habe mir vieles zugetraut“, blickt Eva Paap auf ihren eigenen, spannenden Werdegang zurück. Seit 22 Jahren in Deutschland zu Hause, hat die Tochter eines Schweizers und einer Norddeutschen ihre berufliche Heimat mittlerweile als Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule der Medien in Stuttgart gefunden, wo sie Studenten in den Bereichen Simulationssoftware und Softwareanwendung unterrichtet. Liege der Frauenanteil in ihrem Studiengang mittlerweile bei rund 50 Prozent, so stelle sich die Lage etwa bei den Informatikern ganz anders dar: Dort seien die Männer praktisch unter sich. An mangelnder Intelligenz der Studentinnen könne dies nicht liegen, verweist Eva Paap auf exzellente Noten, Disziplin und konzentrierte Herangehensweise, die ihre weiblichen Zöglinge bei den Prüfungen unter Beweis stellten. „Auf dem Aktienmarkt käme niemand auf die Idee, 50 Prozent beiseitezuschieben“, wählt die Dozentin ein plastisches Beispiel, um das Missverhältnis zu illustrieren. Keineswegs gehe es ihr allerdings darum, Frauen abzuqualifizieren, die sich für scheinbar spezifisch weibliche Berufsbilder entschieden hätten. Doch müsse das Bewusstsein für das schlummernde Potenzial an begabten Frauen geschärft werden.

Eben in jener Mission ist die Dürrmenzerin kurz vor Weihnachten nach Südkorea gereist, um als eingeladene Gastreferentin im Rahmen des Programms Women in Science Engineering and Technology einen Vortrag an der Pukyong-Universität in Busan zu halten. Das speziell auf das Thema Frauen im Ingenieurwesen zugeschnittene Referat sei auf ein positives Echo gestoßen, berichtet Eva Paap, auch bei den überraschend zahlreichen Herren im Publikum. So groß sei das Interesse gewesen, dass sie einen zweiten Vortrag gehalten und Einladungen für weitere Reisen in der Tasche habe.

Darüber hinaus habe sie Einblicke in ein faszinierendes, zumindest im städtischen Bereich hochmodernes Land gewonnen, das offenbar sehr daran interessiert sei, unter anderem für die großen Arbeitgeber Samsung, Hyundai, LG und Kia auch weibliche Fachkräfte zu gewinnen. Der technische Standard sei enorm: „Die Studenten, die ich getroffen habe, sind alle mit besonders großen Samsung-Smart-Telefonen ausgestattet“, erzählt die Dozentin. Hightech erstrecke sich über alle Lebensbereiche vom allgegenwärtigen Riesen-Bildschirm über beeindruckende Navigationsgeräte in Privatautos und Taxen bis zur Toilette mit Fernbedienung und Zusatzfunktionen. Ingenieure aus anderen asiatischen Ländern arbeiteten gern in Südkorea, auch deshalb, weil dort die Gehälter höher seien. Nichtsdestotrotz hinke auch hier der Frauenanteil dem von der Regierung angestrebten Ziel hinterher: Trotz eines Förderprogramms verharre die Zahl der Studentinnen im Ingenieurwesen bei knapp 20 Prozent.

„Ich würde mich freuen, wenn ich das eine oder andere Mädchen zum Nachdenken bringen könnte“, hofft Eva Paap auf künftige Ingenieurskolleginnen – in Südkorea, aber auch hier in Deutschland. Die Voraussetzungen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, hätten sich in den vergangenen Jahren verbessert, meint die 52-Jährige, die ebenso wie ihr Mann Vollzeit arbeitet. Doch noch gebe es einiges zu optimieren: Flexiblere Arbeitszeiten, ein noch besseres Betreuungsangebot und verlässliche Schulzeiten seien gefragt. Auch wenn die Politik hier einiges zu tun habe, zeigt sich Eva Paap optimistisch, dass das Vorurteil „Frauen und Technik passen nicht zusammen“ in der Mottenkiste verschwindet. „Das kann ich auch!“, dieses Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten hätten Mädchen und Frauen verdient – ganz gleich, ob sie am Ende als Friseurin oder als Tierärztin, als Model, Lehrerin oder Ingenieurin arbeiteten.

Carolin Becker

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