Das befürchtete Chaos bleibt aus

B10 in Mühlacker ist seit Montag gesperrt – Lastwagen landen in der Sackgasse – Mühlacker Tagblatt testet die Umleitung

Von Thomas Eier und Lukas Huber Erstellt: 12. Juni 2018, 00:00 Uhr
Das befürchtete Chaos bleibt aus Vorsicht, Baustelle: Während sich auf der Stuttgarter Straße der Bautrupp breitmacht, erleben die Umleitungsrouten durch Mühlacker und Lomersheim ihre Feuertaufe. Foto: Eier, Huber

Das befürchtete Verkehrschaos ist am Montag, zum Startschuss der monatelangen B10-Baustelle in Mühlacker, zunächst ausgeblieben. „Es lief besser als erwartet“, zog am Nachmittag der Leiter der städtischen Verkehrsbehörde, Joachim Woesner, ein erstes Zwischenfazit.

Mühlacker. Aller Anfang ist schwer, und das gilt nach dem Eindruck der Verantwortlichen insbesondere für Lastwagenfahrer, die aus Richtung Illingen kommend die Sperrschilder und die Umleitung über die Osttangente ignorierten und unberührt in Richtung Baustelle rollten; mit der Folge, dass sie entweder in einer abzweigenden Wohnstraße – wie zum Beispiel der Uhlandstraße – landeten, oder ein Wendemanöver auf der Kreuzung Uhlandstraße und Senderstraße absolvieren mussten. Als Reaktion wurde die Beschilderung, die schon an der Osttangente allen Fahrzeugen über 3,5 Tonnen die Durchfahrt untersagt, gezielt ergänzt. Die Zahl solcher Verstöße, meldete gegen Abend das Polizeirevier Mühlacker, habe sich im Lauf des Tages bereits deutlich reduziert.

Korrekturen waren, während am Montag noch die letzten Schilder platziert wurden, auch an anderer Stelle nötig. So hatte die zuständige Fachfirma die Kelterstraße, eine enge Einbahnstraße, als Ausweichroute in der Gegenrichtung ausgewiesen, was auf Intervention der Stadt umgehend wieder aufgehoben wurde. In Lomersheim fehlten, als sich Joachim Woesner und sein Amtsleiter Ulrich Saur ein Bild machten, noch die versprochenen Fußgängerampeln. Auch in diesem Punkt werde nachgebessert.

„Aktiv geschaltet“ wurde die Umleitungsphase um 8 Uhr, und wo eines der großen Probleme liegen könnte, zeigte sich schon kurz danach: Am Kreisverkehr Ötisheimer Straße kam es, weil mehr Verkehr von der Ziegeleistraße ins Rondell strömt, rasch zu Rückstaus in Richtung Ötisheim. Laut Behördenchef Woesner ein Knackpunkt und ein Grund, warum die Stadt in Richtung Pforzheim eine großräumigere Umleitung über die B35, Maulbronn-West, Ötisheim und Enzberg gefordert hatte. Dieser Wunsch wurde vom Regierungspräsidium abgelehnt, und die Stadt muss mit dem Ist-Zustand leben. Erste Klagen kamen im Lauf des Tages auch aus Lomersheim, wo Lkws bei Begegnungen an Engstellen über den Gehweg gefahren seien.

Für die Anwohner im Gebiet Reutweg, denen momentan als einziger Ausweg der schmale und steile Ulrichweg hinab auf die Enzstraße bleibt, soll, nachdem die Fahrbahn der B10 abgefräst ist, eine provisorische Zufahrt auf die Stuttgarter Straße eingerichtet werden. Sie könne allerdings, wie Woesner warnte, nur auf eigene Gefahr genutzt werden. Für Schäden am Auto, weil durch die Baustelle gefahren werden muss, übernehme niemand die Haftung. Deutlich weniger Kundschaft verzeichnete mit Beginn der Umleitungsregelung erwartungsgemäß die Aral-Tankstelle an der Stuttgarter Straße („Es ist fast nichts los“), die jetzt an einer Sackgasse liegt, während bei den Kollegen an der Pforzheimer Straße das Linksabbiegen aus Richtung Stadtmitte verboten ist. Man müsse sehen, wie es sich entwickle, und hoffe, dass es sich einspiele, hieß es hier.

Grün oder Rot? Die Umleitung im Test

Das Mühlacker Tagblatt hat die Umleitungsstrecke am Montag zweimal – zur Mittagszeit und abends – abgefahren und bei kurzen Zwischenstopps die Situation an neuralgischen Punkten beobachtet. Grünbedeutet: Alles läuft in diesem Moment reibungslos. Rot: Es gibt Tücken.

 

Station 1: Kreisel Lienzinger Straße:

12:20: Am Ausgangspunkt der ersten Tour, dem Knotenpunkt Lienzinger Straße/Vetterstraße/Ziegeleistraße, ist zur Mittagszeit von einer Ausnahmesituation nicht viel zu spüren. Die Wartezeit bei der Einfahrt in den Kreisel liegt im üblichen Bereich.

16:45: Auf den Straßen ist zu dieser Zeit spürbar mehr los, aber der Kreisel bewältigt nach wie vor den Umleitungsverkehr.

 

Station 2: Kreisel Ötisheimer Straße:

12:22: Hier läuft es mittags problemlos. Von einem Rückstau in Richtung Ötisheim wie am Morgen ist keine Spur mehr.

16:48: Wie befürchtet, wird der Knotenpunkt in den Stoßzeiten zum Brennpunkt. Auf der Ziegeleistraße stockt vor dem Kreisel der Verkehr, und an der Einfahrt aus Richtung Ötisheim staut sich die Kolonne bis auf Höhe Erlenbach zurück.

 

Station 3: Einmündung B10/Pforzheimer Straße;

12:25:Es könnte funktionieren – würde nicht ein mutmaßlich durch die Umleitung verwirrter Autofahrer mit Karlsruher Kennzeichen bei Dunkelrot in die Kreuzung fahren und ein Hupkonzert auslösen.

16:52: Auch an der Einmündung in die Pforzheimer Straße ist zu dieser Tageszeit Geduld gefragt. Der Autor braucht drei Ampelphasen; unter anderem deshalb, weil sich ortsunkundige Autofahrer an der Spitze der Kolonne ungeschickt einordnen.

 

Station 3: Enzbrücke

12:30: keine Auffälligkeiten, auch wenn vor der Herrenwaagbrücke sporadisch mal zwei Lkws hintereinander auf der Abbiegespur in Richtung Lomersheim stehen.

16:55: auch im Berufsverkehr alles okay.

 

Station 4: Ortsdurchfahrt Lomersheim

12:35: Trotz Wanderbaustelle mit Baustellenampel, weil Glasfaserkabel verlegt werden, gibt es keine längeren Geduldsproben; auch dann nicht, wenn mehr Lkws durch den Stadtteil rollen. Im Enzkindergarten an der Mühlackerstraße ist von einem entspannten Montagmorgen die Rede, aber: „Es wird schneller gefahren als Tempo 30“, berichtet das Team. An der Engstelle einige Meter weiter am Rathaus bleiben während der kurzen Beobachtungsphase knifflige (Lkw-)Begegnungen aus.

17:00: Die Wanderbaustelle hat bereits Feierabend, die Baustellenampel blinkt gelb, es gibt damit ein Hindernis weniger. Der Kindergarten hat seit 16.30 Uhr geschlossen. Die Fahrt durch den Ort: stressfrei.

 

Station 5: Osttangente/Lienzinger Straße

13:05: kein Problem

17:05: kein Problem

 

Station 6: Kreisverkehr Lienzinger Straße

13:10: erste Probefahrt beendet. Der Eindruck: Alles läuft besser als befürchtet.

17:10: Auch die zweite Probefahrt ist geschafft, und insgesamt funktioniert die Umleitung auch im Berufsverkehr – mit einer Ausnahme: Auf der Ötisheimer Straße ist in den Stoßzeiten Geduld gefragt.

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