CDU nimmt Kliniken in die Pflicht

Gemeinderatsfraktion fordert gemeinsamen Kampf gegen den Hausärzte-Mangel in Mühlacker

Erstellt: 7. März 2019, 00:00 Uhr

Mühlacker (pm/the). Die Frage der hausärztlichen Versorgung in Mühlacker ist längst zum Politikum geworden. Der Fraktionschef der CDU-Fraktion im Gemeinderat, Günter Bächle, hat sich an OB Frank Schneider und den Geschäftsführer der regionalen Klinikenholding, Professor Dr. Jörg Martin, gewandt und als konkreten Anlass die Schließung der Praxis Gerstmair angegeben, mit der sich die Situation „leider nochmals dramatisch verschlechtert“ habe, wie Bächle feststellt (unsere Zeitung hat berichtet).

„Mindestens 1500 Patienten“ seien auf der Suche nach einem neuen Hausarzt, heißt es in der Mitteilung. Bürger hätten sich deshalb an die CDU-Fraktion gewandt, die bereits 2017 einen Antrag zur haus- und fachärztlichen Versorgung formuliert habe, wie Günter Bächle erinnert. Möglicherweise, so der Fraktionschef, habe die Stadtverwaltung sich bereits mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Verbindung gesetzt; wenn nicht, bitte die CDU-Fraktion, dies zu tun, nachdem alle anderen Hausärzte in Mühlacker praktisch einen Aufnahmestopp hätten.

Natürlich werde er Kontakt aufnehmen, sagt auf Nachfrage Rathauschef Frank Schneider; schon deshalb, weil er mit seiner Familie von der Praxisschließung selbst betroffen sei. „Darüber hinaus ist mir das Thema so wichtig, dass es mit einem Anruf in Karlsruhe nicht getan ist“, wehrt sich der OB gegen den Eindruck, es brauche einen Anstoß. Stattdessen habe er sich, was Günter Bächle bekannt sei, schon in der Vergangenheit persönlich und mit Erfolg für den Erhalt von Praxen in Mühlacker und Lienzingen eingesetzt. Das Problem, lässt der OB durchblicken, der auf die bundes- und landespolitischen Hintergründe verweist, sei längst erkannt; auch deshalb gehöre eine Hausarztpraxis zum Konzept für ein neues Bürogebäude neben der neuen Stadthalle am Kelterplatz. Die Praxisschließung sei angesichts dieser Bemühungen „ein Tiefschlag“, so der OB.

Die CDU befürchte, so Günter Bächle, dass viele Patienten, die noch nicht so lange in Mühlacker wohnten und/oder als Kassenpatienten wegen schwerer chronischer Erkrankungen oder altershalber weniger „attraktiv“ seien, „auf der Strecke“ blieben und keinen neuen Hausarzt fänden. Nicht nur für sie sei die ärztliche Versorgung wichtiger als große kommunalpolitische Projekte, ordnet Bächle das Thema ganz oben auf der Prioritätenliste ein.

Das Phänomen der Schließung von Hausarztpraxen sei nicht neu, sondern habe in Mühlacker „Tradition“, stellt die CDU fest. „Vor Jahren hat bereits Dr. Klitzke ohne Nachfolger schließen müssen, danach Frau Pannwitz in Enzberg, dann die Bubeck-Praxis in Lomersheim und nun Gerstmair“, listet Bächle auf.

Das Einzige, was den Patienten ohne Hausarzt übrigbleibe, sei schlimmstenfalls bis 18 Uhr „durchzuhalten“ und dann die Notfallpraxis im Krankenhaus aufzusuchen, „oder zuzuwarten, ob’s nicht doch von selbst besser wird oder irgendwann so schlecht, dass dann nur noch die Notaufnahme helfen kann“. Beide Einrichtungen seien allerdings bereits überfüllt.

Die Probleme seien auch im Zusammenhang mit der geplanten Bebauung der Ziegelei oder weiteren potenziellen Wohngebieten zu sehen: „Wer soll die Neubürger medizinisch versorgen? Die heutigen Strukturen können keine weiteren 500 Einwohner betreuen.“ Anderswo stelle die Gemeinde selbst Praxisräume bereit, schalte aktiv „Stellenanzeigen“ und schaffe den Kandidaten (auch finanzielle) Anreize. „Das sollten auch wir tun“, fordert Bächle ein kommunales Engagement, das bereits 2017 im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats zur Sprache gekommen sei.

Außerdem müssten Kreis und Stadt darauf achten, sagt der Lienzinger in seiner Eigenschaft als Aufsichtsrat der Enzkreis-Kliniken gGmbH, dass im geplanten Ärztehaus am Krankenhaus Mühlacker nicht nur Fachärzte angesiedelt würden, sondern man sich darum bemühe, auch Allgemeinmediziner oder hausärztliche Internisten zur Niederlassung zu bewegen – im Zweifelsfall als Angestellte eines Medizinischen Versorgungszentrums in Händen der Enzkreis-Kliniken, so Bächle an die Adresse von Holding-Chef Martin.

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