Bürgerprojekte machen Lust auf mehr

Bei Börse in Mühlacker werden auch gleich Ideen für neue Projekte gesammelt – In Lienzingen soll ein Film gedreht werden

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 20. Januar 2020, 00:00 Uhr
Bürgerprojekte machen Lust auf mehr Sabine Rettstatt (am Rednerpult) und Beate Dütsch stellen die Bürgergenossenschaft von Mühlhausen vor. Fotos: Stahlfeld

Es sind kleine und große Erfolgsgeschichten: Die Vorstellung der Bürgerprojekte, die aus den Zukunftswerkstätten im Jahr 2017 hervorgegangen sind, machte am Samstag Lust auf mehr. An der Pinnwand wurden gleich etliche weitere Ideen gesammelt.

Mühlacker. In Lomersheim haben am 29. August 2017 exakt 17 Bürgerinnen und Bürger die Hello Nächstenhilfe e.V. gegründet. „Hello steht für Helfende Lomersheimer“, erklärte Georg Henle, der am Samstag im Pavillon der Musikschule Gutmann den rund 50 Gästen das Projekt vorstellte. Die Mitglieder helfen älteren Menschen bei Fahrten zum Arzt, schmieren auch mal eine quietschende Tür und legen großen Wert auf das Miteinander im Ort. Allein 2019 habe man 307 Einzelhilfen erbracht, berichtete Initiator Henle und benannte die Erfolgskriterien wie Freiwilligkeit und Wertschätzung der Helfer. Bislang habe man vergeblich versucht, das Projekt auch in anderen Stadtteilen umzusetzen. Er sagte Unterstützung zu: „Sie kriegen die Blaupause von uns.“

Als das letzte Lebensmittelgeschäft schloss, und der letzte Geldautomat abgebaut wurde, da hatte die wegbrechende Infrastruktur in Mühlhausen die Menschen dazu bewegt, die Bürgergenossenschaft Alte Schreinerei Mühlhausen ins Leben zu rufen. Beate Dütsch und Sabine Rettstatt berichteten, wie eine alte Schreinerei umgebaut wurde und zum Beispiel ein Ort für Begegnungen und ein Laden entstanden, den aktuell 25 Genossenschaftsmitglieder betreiben.

Sie verhehlten auch die Probleme nicht. So sei es teilweise schwierig mit der Belieferung. Weil man das Angebot um eine Paketstation ergänze, müsse man nun tägliche Öffnungszeiten anbieten.

Lisette Deutschbein stellte die Aktivitäten im Stadtteil Großglattbach vor. Günter Poetsch, Reiner Schmollinger und Bernd Obermeier wiederum zählten gleich eine ganze Reihe von Aktivitäten auf, die unter dem Titel „Herzenssache Lienzingen“ im Stadtteil angestoßen wurden. In Lienzingen wurde auch der Bierkeller- und Kulturverein gegründet, von dessen neuen Plänen Roland Straub erzählte. Bereits im Februar will er mit den Dreharbeiten für einen Film starten, der die Lienzinger Geschichte am Beispiel einer Familie erzählt, die nach ihrer Flucht 1716 in den Ort zurückkehrt. Gut 50 Mitwirkende hat Straub schon. „Aber wir brauchen viele Statisten“, machte er sich am Samstag sogleich auf die Suche nach weiteren Darstellern.

Mitmacher gesucht, so lautete denn übrigens auch die Devise bei den Projekten, die im Laufe des Vormittags die Pinnwand im Pavillon der Musikschule füllten.

Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland hatte das Lastenfahrrad gleich mitgebracht, mit dem er gerne einen Lieferdienst für ältere Mitbürger etablieren möchte. „Jung und Alt erkunden die Mühlacker Umgebung und lernen alte Handwerkskunst kennen“, hatte Alexandra Rapp vom Mehrgenerationenhaus als Wunsch auf ihren Zettel geschrieben. Den Kontakt unter Streuobstwiesenbesitzern möchte Sigrid Baumgärtner-Förschler fördern, und Johanna Herzig könnte sich unter anderem vorstellen, dass aus der leerstehenden Burggaststätte eine Kulturstätte für Vereine wird.

Über Fördermöglichkeiten informierte Sabine Rabl, Ansprechpartnerin für Bürgerprojekte bei der Stadt Mühlacker. Gemeinsam mit Anette Popp, Wirtschaftsbeauftragte der Stadt Mühlacker, führte sie durch die Veranstaltung. Nicht nur sie zeigten sich beeindruckt von den bislang laufenden Bürgerprojekten.

Oberbürgermeister Frank Schneider hatte die Teilnehmer zur ersten Bürgerprojektbörse in Mühlacker begrüßt. In den vergangenen zwei Jahren habe der Gemeinderat jeweils 100000 Euro zur Förderung bereitgestellt, informierte er. Bislang seien zehn Projekte unterstützt worden. Durch alle Projekte ziehe sich ein Thema wie ein roter Faden: „Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und Möglichkeiten der Begegnung zu schaffen.“ Die Projekte zeigten, welche Veränderungen in den Stadtteilen möglich seien, wenn motivierte Menschen mit einem gemeinsamen Ziel aufeinandertreffen.

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