Bei Notruf einsatzbereit

Zwei Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug stehen auf der DRK Rettungswache in Mühlacker rund um die Uhr bereit

Von Maren Recken Erstellt: 22. November 2014, 00:00 Uhr
Bei Notruf einsatzbereit Foto: Maren Recken

Über 3200 Einsätze haben die DRK-Rettungskräfte in Mühlacker in diesem Jahr bereits bewältigt. „Es lässt sich nie voraussehen, ob es eher ruhig oder ob wir einen Einsatz nach dem anderen haben“, sagt Sanitäterin Aylin Hirth im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin, die die DRK-Mitarbeiter begleitet hat.
Von Maren Recken

Mühlacker. 9 Uhr: Es ist ruhig an diesem Donnerstagvormittag auf der DRK-Rettungswache neben dem Mühlacker Krankenhaus. Aylin Hirth und Benjamin Ostwald sind seit rund einer Stunde im Dienst und wurden bisher noch zu keinem Notfall gerufen. Die Rettungssanitäterin und der Rettungsassistent sind heute für die Tagschicht eingeteilt.

Zwei Rettungswagen, einer erst im Oktober 2014 angeschafft, und ein Notarztfahrzeug stehen in der Rettungswache. Die Kollegen von Aylin Hirth und Benjamin Ostwald sind gerade auf einer Einsatzfahrt. Jeder Rettungswagen ist rund um die Uhr mit einem Zweierteam besetzt. Zusätzlich steht ein Notarztwagen mit Fahrer bereit.

Tagsüber und unter der Woche kommen die Notärzte aus dem benachbarten Krankenhaus. Nachts und am Wochenende werden externe Notärzte eingesetzt. Je nach Einsatzlage ist das Team mit dem Rettungswagen alleine unterwegs, oder der Notarzt bricht gleichzeitig mit den Sanitätern auf. „Wir haben hier viele Aufträge, die ohne größere Hektik ablaufen“, erklärt Benjamin Ostwald und ergänzt: „Die blutigen Einsätze, wie sie gerne in Fernsehreportagen gezeigt werden, sind in Mühlacker eher die Ausnahme. Zum Rettungsdienstalltag zählten eher Aufträge von Arztpraxen, die darum bitten, dass Patienten ins Krankenhaus transportiert werden, oder Patienten, die wegen unklarer Beschwerden den Rettungswagen anfordern. Sehr häufig werde der Rettungswagen auch zu Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten gerufen, berichtet Ostwald.

Mittlerweile ist es 9.15 Uhr. Aylin Hirth und Benjamin Ostwald machen sich mit Putzeimer, Lappen und Desinfektionsmittel ausgerüstet an die Reinigung des Rettungswagens. „Auch das gehört zu unserem Job. In der Regel putzen wir den Rettungswagen einmal wöchentlich“, erzählt Aylin Hirth und fügt hinzu: „Die Trage und die Teile, mit denen die Patienten in Berührung gekommen sind, werden natürlich nach jedem Einsatz gereinigt.“ Außerdem sei die Rettungswagenbesatzung für die Kontrolle der medizinischen Geräte und Medikament zuständig. Während Aylin Hirth gerade den Beatmungskoffer aus dem Rettungswagen nimmt, um die Funktionstüchtigkeit des Beatmungsbeutels zu kontrollieren, klingelt das Telefon.

9.57 Uhr: Der Rettungswagen wird angefordert, weil eine Patientin über Schmerzen im Bein klagt. Es besteht der Verdacht auf einen Gefäßverschluss. Aylin Hirth und Benjamin Ostwald machen sich auf den Weg. Bei der Patientin angekommen, erkundigt sich Ostwald erst einmal nach deren Allgemeinbefinden, dann untersucht er das Bein und entscheidet, die Patientin ins Krankenhaus nach Pforzheim zu bringen. Auf der Trage rollen Hirth und Ostwald die halbseitig gelähmte Frau in den Rettungswagen.

Während Aylin Hirth den Rettungswagen Richtung Pforzheim steuert, kümmert sich Benjamin Ostwald im Fond um die Patientin mit den Beinbeschwerden. Neben der medizinischen Erstversorgung erkundigt sich Ostwald auch, ob der Patientin durch die Fahrt im Rettungswagen übel werde. „Viele vertragen das Rückwärtsfahren nicht“, weiß der Rettungsassistent.

10.56 Uhr: Die Patientin wird mittlerweile im Krankenhaus Pforzheim versorgt. Aylin Hirth und Benjamin Ostwald machen den Rettungswagen sofort wieder startklar für den nächsten Einsatz, indem sie unter anderem die Trage und das mobile EKG-Geräte mit Desinfektionsmittel säubern. Auf dem Rückweg fahren die beiden auf der Hauptleitstelle in Pforzheim vorbei, um Ersatz für einen defekten Fingersensor abzuholen.

11.52 Uhr: Der Rettungswagen steht wieder startklar in Mühlacker. Wie Aylin Hirth erklärt, hätten sie und ihr Kollege an manchen Tagen in neun Stunden neun Jobs und kämen nicht einmal zum Mittagessen. Dennoch macht die ehrenamtliche Rettungssanitäterin ihren Job gerne und möchte auch später beruflich im Rettungswagen unterwegs sein. „Es ist eine tolle Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und Menschen zu helfen“, findet sie. Kritisch werde es nur, wenn es einen Notruf gebet aus dem hervorgehe, dass Freunde oder Verwandte versorgt werden müssten, was sie erst am Vortag erlebt habe. „Dann sitzt man total hibbelig im Rettungswagen, bis man weiß, was genau passiert ist.“

Info: Einsätze rund um die Uhr

Über 3200 Einsätze haben die Mitarbeiter der Rettungswache Mühlacker in diesem Jahr bereits hinter sich. Dazu zählen auch 583 „Fehlfahrten“, bei denen der Rettungswagen zwar angefordert wurde, aber keine Patienten transportiert werden mussten. Unter den Einsätzen waren rund 200 Fahrten zu Herzinfarktpatienten, knapp 250 Alarmierungen unter dem Stichwort Neurologisch/Schlaganfall, und etwa 150-mal waren die Teams der Rettungswagen gefragt, um nach Verkehrsunfällen Verletzte zu versorgen. Der Notarzt wurde bisher mehr als 1150-mal angefordert.

Weiterlesen
Neue Planungen für das Schulgebiet Lindach

Neue Planungen für das Schulgebiet Lindach

Mühlacker. Schon seit 2016 steht fest: In der Primar- und der Sekundarstufe der Gemeinschaftsschule Schillerschule sowie in der Mörike-Realschule in Mühlacker fehlt es an Klassenräumen. Wie aber sieht SIE MÖCHTEN… »