Bassanesen fehlen beim Straßenfest

Partnerschaftsbeauftragter Maurizio Basso tritt frustriert zurück – Absage aus Italien sorgt für allgemeines Bedauern in Mühlacker

Von Thomas Eier Erstellt: 14. August 2018, 00:00 Uhr
Bassanesen fehlen beim Straßenfest Bild aus besseren Zeiten: Bassanos Partnerschaftsbeauftragter Maurizio Basso (3. v. li, am Zapfhahn) mit – daneben – Bürgermeister Riccardo Poletto und einigen Mitstreitern.Archivfoto: Kollros

Mühlacker/Bassano del Grappa. Die Delegation aus Bassano del Grappa, die seit vielen Jahren die Besucher mit italienischen Spezialitäten versorgt, wird in diesem Jahr im Bild des Mühlacker Straßenfests fehlen. Angekündigt haben sich zwar der aktuelle und der frühere Bürgermeister sowie Ehrenbürger Pietro Fabris, doch diese offiziellen Vertreter bleiben die einzigen Gäste aus der Partnerstadt.

Die Enttäuschung ist groß – auf beiden Seiten. Dabei schien Mitte Mai die Welt noch in Ordnung, als in Bassano mit großem Programm das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert wurde. Vertreter beider Kommunen betonten bei einem Festakt, bei dem die Verbundenheit formell bestätigt wurde, die Bedeutung des Austausches und die Tradition der Freundschaft über Ländergrenzen hinweg.

Drei Monate später haben die Beziehungen einen Rückschlag erlitten, der über den Verlust eines Verkaufsstandes für das Mühlacker Straßenfest hinausreicht. „Eine wichtige Tradition bricht weg“, sagt Organisator Jochen Schray, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Mühlacker Vereine. Umso größer sei das Bedauern, weil die regelmäßige Teilnahme der italienischen Gäste mit einem eigenen Stand an der Waldenserstraße ein wichtiges Fundament für die freundschaftlichen Kontakte zu Bassano del Grappa gewesen sei. „Gerade beim Straßenfest wurde die Städtepartnerschaft gelebt“, stellt Schray fest.

Kein Grappa und kein Käse, kein Wein und kein Espresso und kein Gastauftritt von Chören, Musik- oder Tanzgruppen: Mit der Absage aus Italien ist das Straßenfest um eine Attraktion ärmer, doch darüber hinaus wächst in Mühlacker die Sorge, es könnten für die Städtepartnerschaft schwierige Zeiten anbrechen. Vor allem deshalb, weil sich bei Maurizio Basso, der 2016 zum offiziellen Beauftragten ernannt worden war und als eigentlicher Motor der italienischen Aktivitäten gilt, tiefer Frust breitgemacht hat. Er spüre, begründete er gegenüber dem Mühlacker Tagblatt seinen Rückzug, eine große Enttäuschung, weil es vonseiten des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung weder eine konkrete Unterstützung noch die gebührende Wertschätzung für das Engagement gebe. Allein auf sich gestellt könne er den Aufwand, der zum Beispiel mit der Reise einer Delegation zum Mühlacker Straßenfest verbunden sei, nicht stemmen. Es sei ihm mit seinem Rücktritt als Organisator auch darum gegangen, ein Zeichen zu setzen, dass auf dieser Basis keine lebendige Partnerschaft gepflegt werden könne, sagt Basso, der 2017 zum 34. Mal den italienischen Stand auf dem Straßenfest betreut hatte.

Ohne den Routinier ließ sich in Italien, wie es scheint, keine Reise in die Partnerstadt organisieren, die über Jahre hinweg nicht nur die Standhelfer, sondern auch Schülergruppen, Musiker, Sänger und Tänzer nach Mühlacker geführt hatte. „Wir finden es sehr, sehr schade“, bewertet Maren Recken, die Vorsitzende des hiesigen Partnerschaftskomitees, die Entwicklung, „zumal ausgerechnet im Jubiläumsjahr“. Der Stand der Bassanesen sei nicht nur eine feste Größe auf dem Straßenfest gewesen, sondern auch ein schöner Treffpunkt, um sich kennenzulernen. Allerdings wolle sie aus der Ferne die Differenzen in Bassano nicht beurteilen. „In einer Städtepartnerschaft gibt es immer Aufs und Abs“, so Recken, „und die gab es auch schon in der Vergangenheit.“ Deshalb habe sie die Hoffnung, dass die Abwesenheit der Italiener nicht von Dauer sei.

Wichtig sei, immer wieder jüngere Leute zu finden, die den Geist der Partnerschaft bewahrten und gewährleisteten, dass die Last nicht auf zu wenigen Schultern verteilt sei, fasst Maren Recken aus Mühlacker Sicht zusammen. „Wir spüren bei uns ein wachsendes Interesse bei Jugendlichen und jungen Leuten, nichtsdestotrotz freuen wir uns immer über neue, gerade jüngere Mitstreiter.“ Grundsätzlich sei die Partnerschaftsarbeit in Mühlacker anders organisiert als in Bassano, weil hierzulande das Komitee als Verein firmiere, welcher der Stadt zuarbeite und seinerseits von der Stadt unterstützt werde. In Bassano dagegen sei das Komitee stark von der Stadt beziehungsweise der Stadtverwaltung abhängig. Dass es dieses Jahr nicht klappen würde, lässt Recken durchblicken, habe sich nach entsprechenden Signalen in den vergangenen Wochen abgezeichnet.

Offiziell ist die Absage freilich erst seit kurzem. „Wir bedauern, dass Bassano in diesem Jahr nicht mit einem Stand vertreten ist, und hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder klappen wird“, sagte Rita Schray von der Stadtverwaltung. „Besonders freut uns jedoch, dass Bürgermeister Riccardo Poletto und der frühere und noch immer eng mit Mühlacker verbundene Bürgermeister Gianpaolo Bizzotto ihr Kommen zugesagt haben.“

Thomas Eier

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