Babystress statt Party und Chillen

Während eines viertägigen Experiments erleben Teenager, was es bedeutet, Verantwortung für einen Säugling zu tragen

Von Kathrin Goll Erstellt: 25. April 2013, 11:34 Uhr
Babystress statt Party und Chillen Fünf Tage Elternschaft auf Probe: Die Jugendlichen der Schillerschule beteiligen sich an dem Projekt „Be my Baby“. Foto: Goll

Nachts aufstehen, Windel wechseln, Fläschchen geben und trösten: Das Projekt „Be my Baby“ soll Jugendlichen aufzeigen, was es heißt, Verantwortung für einen Säugling zu übernehmen – rund um die Uhr, aber für begrenzte Zeit.

Mühlacker. Sie heißen Alissa, Luca, Dante und Domenica. Wiegen etwa 3000 Gramm und sind 50 Zentimeter groß. Die Rede ist nicht von frisch geborenen Säuglingen, sondern von Babysimulatoren.

Erfahrungsbericht: „1. Tag: Elternschaft – von 0 auf 100“ (hier klicken)

Erfahrungsbericht: „2. Tag: Teeniemütter stoßen an ihre Grenzen“ (hier klicken)

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Lina und Spyri sind gut vorbereitet: Bewaffnet mit einem Maxi-Cosi und Tragegurt nehmen die 16-Jährigen ihr Baby in Empfang. Auch einen Namen hat die kleine Dame schon: Domenica. Und sie ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Plastik, eine Puppe mit Computer im Bauch, die sich verhält wie ein echtes Baby, das schreit, trinken oder gewickelt werden will – und zwar rund um die Uhr. Lina und ihre Mitschüler schreckt das nicht ab. Vier Tage und drei Nächte schlüpfen sechs Schülerinnen und ein Schüler der Schillerschule in Mühlacker in die Elternrolle auf Zeit. Csaba, der einzige Junge, will wissen, wie das so ist, Vater zu sein und ist sich sicher, dass er das mit links schafft: „Das klappt schon, ich bin da zuversichtlich und ganz entspannt.“

Wie stark verändert ein Säugling den Alltag?

Hunger, eine volle Windel oder Bauchweh: Es liegt nun an den Jugendlichen herauszufinden, welche Bedürfnisse ihr Baby hat. Vanessa hat hier ein eher mulmiges Gefühl: „Zu wissen, was der Kleine gerade hat, stelle ich mir nicht immer einfach vor. Ich glaube, die Nächte werden stressig, vor allem, wenn man todmüde ist und eigentlich geduldig und lieb sein sollte.“

Eingebaute Sensoren registrieren genau, ob das Baby gewiegt oder geschüttelt und damit misshandelt wird. Auch ob das Köpfchen gestützt wurde und der Säugling viel auf dem Bauch geschlafen hat, zeichnet ein erbarmungsloser Computerchip auf. Am Ende des Projekts wird das Verhalten der Jugendlichen analysiert und besprochen.

„Wir wollen weder abschrecken, noch zu frühem Kinderkriegen ermutigen, sondern eine realitätsnahe Auseinandersetzung damit ermöglichen, was es heißt, Eltern zu sein“, sagt Jutta Meller vom Diakonischen Werk Pforzheim-Stadt. Was das bedeutet, kann sich Barbara noch nicht wirklich vorstellen. Für die kommenden vier Tage dreht sich ihr Leben nicht mehr um Mathe oder Englischvokabeln, sondern um Dante. Diesen Namen hat sie gemeinsam mit ihrem Freund Csaba gewählt. Wie im wahren Leben eben auch. Die Jugendlichen sollen die Babysimulatoren bewusst nicht als Puppe bezeichnen, denn „dies verniedlicht das Projekt, macht es zu einem Spiel, aber es soll ja wirklich eine Übung sein“, betont Jutta Meller.

Die Jugendlichen sollen hautnah erleben, wie ein Kind das Leben verändert. „Wenn das Handy klingelt und ihr habt das Baby zu versorgen, dann geht das Baby vor.“ Die Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Schwangere appelliert hier an das Verantwortungsgefühl der Jugendlichen. Diese haben zu Beginn des Projekts einige Fragen auf dem Herzen: „Was, wenn ich im Bus Windeln wechseln muss, wie lange darf das Baby auf dem Bauch liegen und was mache ich, wenn es längere Zeit schreit?“ Die Ratlosigkeit ist groß.

Jutta Meller gibt den Werkrealschülern Tipps: „Nur ihr könnt euer Baby befriedigen.“ Um den Arm haben die Jugendlichen ein Plastikband, an dem ein Computerchip befestigt ist. Er soll dafür sorgen, dass allein sie in der Lage sind, ihr „Kind“ zu versorgen. Wie auf Knopfdruck dringt aus den Tragetaschen nach und nach leises, dann immer lauteres Schluchzen. So als wollen Alissa, Luca, Dante und Domenica ihren frischgebackenen Eltern mitteilen: Es geht los – das Experiment beginnt.

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