Aufpoliert und abserviert

In der Bütt’: Hausmeister Horst Häberle – ein Mann für eine saubere (und keinesfalls sexistische) Stadt

Erstellt: 12. Februar 2013, 09:00 Uhr
Aufpoliert und abserviert Aufpoliert und abserviert

Helau!Alaaf! Lole … hano?

Was muss ich seh’n, was tut sich do:

Papierle uff die Stroßa schmeißa?

Euch werd’ ich gleich d’r Arsch aufreißa!

Ond wer muss putza, schrubba, fega,

bei Kälte, Hitze und bei Rega …

Des juckt euch net? Des isch euch Sack?

Euch werd’ ich helfen, Narrenpack!

Konfetti? Isch mir einerlei,

ich dulde keine Schweinerei!

Fasching, Frohsinn, tolle Tage:

Für mich die allergrößte Plage.

Die Stadt vermüllt ganz ungeniert,

die Täter allesamt maskiert.

Hey, Du da! Ja, der mit dem Häs’!

Benimm Dich, Du, ich mach’ koi’ Späß …

Ich duld’ in meiner Stadt kein Chaos,

ond wer net spura will, fliegt raus …

Wie bitte: für wen ich mich halte?

Kann ich euch saga, Jammerg’stalta:

– merkt euch den Namen!

Denn ich greif’ durch ohne Erbarmen.

Als Hausmeister der Senderstadt

da mach’ ich jeden Schmutzfink platt.

Ich steh’ für Ordnung, Sauberkeit,

damit die Stadt das Herz erfreut.

Zweitausendfuffzehn ist das Ziel,

bis dahin muss er weg, der Müll.

Mühlacker – es wird strahlend rein,

damit er stimmt, der schöne Schein.

Schikane? Spießig? Übertrieben?

Ganz ruhig, sonst lernt die Hexe fliegen …

Der G’meinderat hat mich verpflichtet,

weil er den Blick nach vorne richtet:

Zur Gartenschau, da muss es passen,

zu lange hat man ’s schleifen lassen.

Mit Schmuddelecken und Subjekten,

die unser aller Aug’ erschreckten.

Zum Beispiel unser Mühlehof:

Nicht dass er leer steht, das ist doof.

Nein, nein, sagt Stadtrat Leo kleinlich:

Die Scheiben sind zu wenig reinlich.

Touristen, meint er, würd’ es stinken,

wenn leere Fenster nicht mal blinken.

Und siehe da, ich hab’s probiert:

Wenn man den Lappen richtig führt,

wirkt alter Schrott wie aufpoliert.

Die Stadt wird mächtig aufgefrischt,

Probleme sind wie weggewischt.

Klar, dass es vor dem Feinstaub graut:

Hat jemals jemand staubgesaugt?

Der Hausmeister der Heimatstadt,

weiß, was die Stund’ geschlagen hat:

Wenn junges Volk kommt ungelegen,

dann heißt es, kräftig durchzufegen.

Ob Drehscheib’ oder Bahnhofsviertel:

Horst Häberle hat seine Mittel.

Verbot? Verweis? Sozialarbeiter?

Das bringt uns alles nicht recht weiter.

Im Grunde braucht es gar nicht viel:

nur Sagrotan, ein Tröpfchen Pril,

schon schmeckt der Wodka gar nicht mehr,

und ruck, zuck ist die Brücke leer.

Ein Mann der Tat, ganz ohne Frage.

Was: unverständlich? Was ich sage?

Hochdeutsch schwätza? Hör’ ich recht?

Denk’ ich an Thierse, wird mir schlecht.

Das Weckle wird zu einer „Schrippe“,

die Zigarett’ zu einer „Kippe“.

Der Schwob, er wird zum falschen Preiß,

ganz ehrlich: Das ist großer – Mischd!

Berliner? Mag ich, in der Tat,

mit G’sälz gefüllt – sehr delikat.

Wie bitte, ganz frisch eingeflogen?

Der Witz ist gut. Echt, ungelogen!

Doch seien wir nicht arrogant,

hier im S21-Land.

Erst wenn schon alles eingerissen,

lässt uns die Bahn ganz kleinlaut wissen:

Die ganze Planung ist beschissen.

Wie heißt das Wort, das ich hier hör’?

Die Ausdrucksweise sei „vulgär“?

Moment! Ich weiß mich auszudrücken,

kann als Poet ins Licht mich rücken

und so die Frauenwelt entzücken.

Zum Beispiel, wenn sie (Mann oh Mann!), ein Dirndl prächtig füllen kann.

Berauscht der Kopf, die Knie ganz weich,

im Ausschnitt liegt das Himmelreich …

Ob Faschingsbar, ob Maritim:

Kein Kompliment ist zu intim.

Doch merke, sonst ist alles nichtig:

Zu plump zu sein, das ist nicht richtig,

stattdessen ist Respekt ganz wichtig.

Respekt!, sag’ ich hochachtungsvoll,

die beiden sind ja wirklich toll.

Sexistisch? Klingt ja echt fatal,

ich nenn’ es lieber: liberal.

Als Frauentyp sehr aufgeschlossen,

ist mir es durch den Kopf geschossen:

Ich könnte doch gleich kandidieren

und kompetent ein Rathaus führen.

Mal seh’n: Wo wird denn etwas frei …

In Illingen? Wär’ schnell vorbei.

Knittlingen? Es kommt auf die List’,

die Konkurrenz dort fürcht ich nicht,

auch wenn sie deutlich größer ist.

Entscheidend ist, was man verspricht.

Den Schmiebach würd’ ich trockenlegen,

die Fauststadt mit ’nem Puff beleben.

Gewerbe-Steuer fließt dafür,

Heinz-Peter stell’ ich vor die Tür.

Die „Schatzkist’“ würd’ ich neu erbauen,

den Harald dort gleich mit verstauen.

Im Luiggelände, längst verbrannt,

eröffnet ein Breuninger-Land.

Die Faust-Schule wird neu erwachen,

die Kinder würd’ ich selber machen.

Und mit dem Geld aus den Bordellen

verdopp’le ich die Lehrer-Stellen.

Horst Häberle – ein Mann, ein Wort,

den alten Mief, den feg’ ich fort!

Zunächst jedoch, genug geträumt,

wird unterm Sender aufgeräumt.

Hier gibt es Arbeit haufenweise,

ganz wörtlich, nämlich Hundesch …

Die Stadt, sie will mit Gratis-Tüten

den allerschlimmsten Dreck verhüten,

doch wirklich hilft aus meiner Sicht

nur eine Hunde-Windelpflicht.

Wo isch denn bloß mei’ Kutterblechle ..?

Sieh’ an: Grüß Gott, Herr Stadtrat Bächle.

Ich hätte Sie fast nicht erkannt,

mit Merkel-Maske – sehr charmant!

Auch wenn der Hosenanzug spannt.

Wie’s geht? Und selbst? Der Gattin auch?

Sorgt sich um den Kulturbetrieb?

Brandschutz, marode Technik, Mängel,

dazu das ständige Gequengel?

Und Thomas Knapp ist gar nicht lieb?

Beschimpft beim Ball den Bühnenmeister,

der Mann sei oberlästig, kreischt er.

So was ist hierzulande Brauch.

In Mühlacker weiß jedes Kind:

Der Knapp macht gerne auch mal Wind.

Apropos: Seine Pläne sind,

mit Windanlagen Geld zu machen.

Herr Bächle, was gibt’s da zu lachen?

Nur heiße Luft? Ein kleiner Wurm?

Trotz Firmensitz im edlen Turm?

Das ist, ich kenne das, ich schwör’s:

Der Neid des kleinen Redakteurs.

Herr Bächle, sorry, ich muss flitza,

am Bahnhofsvorplatz sen die Ritza,

gefüllt mit Zigarettastummel,

und das bedeutet ein Gefummel.

Doch halt: Do liegt was in der Luft!

Ein ganz und gar befremdlich’ Duft.

Do hat doch einer, kaum zu fassa,

einfach en Koffer stehalassa.

Ganz unabhängig von dem G’stank:

Was steht denn dort, neba d’r Bank?

Ein Trolley, einsam und allein.

Wird doch koi Kofferbombe sein?

Alarm, Alarm, Herr Bahnbeamter!

Den Zug gestoppt, zum Hörer rannt ’r …

Der Bahnhof dicht, ein Riesen-Rummel,

am Vorplatz liega neue Stummel.

Entschärfer komma, ganze Kerle,

im Trolley – a Glas Gummibärle.

Was uns die G’schichte lehren will?

Zur Panik braucht es gar nicht viel.

Und ungesund, in diesen Zeiten,

sind allzu viele Süßigkeiten.

Verflixt, endet die Pechsträhn’ nie:

Jetzt latsch’ ich in den Kaugummi …

Hey, Cowboy! Ja, Du Winzling dort,

hasch’ Du des Gummi g’schmissa fort?

Gib’s zu, sonst kommsch an Marterpfahl.

Was meint der Bub? Ich kann ihn mal?

Respekt vor ’m Alter gibt’s nicht mehr.

Zwei Meter renn’ ich hinterher,

die Lunge brennt, muss keuchen schwer,

der Rücken quält mich heute sehr.

Wer heutzutage über 30,

bescheiden und dazu noch fleißig,

wer Facebook meidet, Bücher liest,

und dazu ein Glas Wein genießt,

der gilt als Spießer, alter Knacker

im Auge dieser jungen Racker.

Demenzfreundlich soll’s Städtle sein

(Jetzt spüre ich den Krampf im Bein),

der Jugend Spott, den steck’ ich ein.

Freundlich? Ich möcht’ mich lachen krumm.

Entfallen ist mir nur, warum.

Was kommt denn da, das ist nicht wahr:

Schon wieder eine Narrenschar.

Wer soll denn da in Ruhe fega …

Hey, könnt’ ihr euch mol wegbewega!

Am liebsten würd’ ich d’ Füß’ hochlega …

Doch darf nicht rasten und nicht ruh’n,

es gibt noch einiges zu tun.

Im Wertle liegen Schutt und Trümmer,

wird Zeit, dass ich mich darum kümmer’ …

Obwohl: Erst muss der Ausschuss tagen

und klären alle Mauer-Fragen.

Aus Ziegel oder aus Gabionen?

Gabionen-Ziegel nach Schablonen?

Ziegel-Gabionen? Oben thronen

aus Klinker die Applikationen ..?

Ob’s noch was wird?

Hab’ keinen Schimmer …

Nanu, schau an, na welch’ ein Glück:

Im Gras liegt ein Zwei-Euro-Stück.

Das Bild darauf, es wirkt bekannt:

Aha, das Kloster – gleich erkannt.

Ein Rettungsschirm der frommen Art,

der mir das Geld fürs Bierchen spart.

Herr Schäuble, sorry, schönen Gruß:

Der Dank gilt hier Abt Entenfuß.

Apropos Watschelgang – mir wird

ganz warm ums Herz, der Kopf verwirrt.

Mit langen Beinen, tiefer Schlucht:

Faschingsschönheit ist ’ne Wucht.

Helau! Alaaf! Lole hano!

Wohin so schnell? Wo geht’s denn no?

Zum Faschingsball? Ein Riesen-Schwof?

soll das sein? Im Mühlehof?

Do hab’ ich g’rad’ erst putzt die Scheiba …

Und außerdem: darfsch net nei da.

Warum net? Sicherheit hat ihren Preis,

und Dein Kostüm ist viel zu heiß.

Was Hitze weckt, ist nicht geheuer,

der Brandschutz ist uns lieb und teuer.

Kein Feuerwerk, kein Leichtsinn treiben,

beim Tanz: Nicht aneinander reiben!

Kein trocken’ Blumenschmuck im Saal,

die Wege keinesfalls zu schmal!

Kein Kerzenlicht, kein offen Feuer,

kein Aufeinander-Rumgescheuer!

Denn jeder Funke wär’ fatal,

der überspringt im schlimmsten Fall.

Wie sagst Du: blöd und hirnverbrannt?

Du Vollweib hast mein Herz entflammt!

Moment, so war das nicht gemeint …

Auch wenn es jetzt sexistisch scheint …

Ich achte Deine Würde nicht?

Was? Presse? Schwarzer? Vor Gericht?

Was bin ich für ein armer Wicht …

Mein Name? Den geb’ ich Dir gern:

Horst – wie der im „Stern“…

Oh, Feierabend! Schnell nach Haus.

Ganz ehrlich: Fasching ein Graus.

Ich freu’ mich schon auf den – Kehraus.

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