Abschied vom Erlenbach Center

Investoren wollen mehr Zeit für die Suche nach Mietern – Mehrheit im Gemeinderat ist gegen eine erneute Fristverlängerung

Von Thomas Eier und Maik Disselhoff Erstellt: 23. Dezember 2016, 00:00 Uhr
Abschied vom Erlenbach Center Geplatzt: Nach den Signalen aus dem Gemeinderat wird es für die Investoren keine weitere Fristverlängerung geben – und damit auch kein Erlenbach Center.Animation: privat/Curti

Täuscht der Eindruck nicht, ist das Projekt Erlenbach Center am Kelterplatz gescheitert. Die Investoren haben schriftlich um eine weitere Fristverlängerung bis Ende Mai 2017 gebeten, doch eine Mehrheit im Gemeinderat lehnt dies ab.

Mühlacker. Ralf Pavaletz, der neue Beauftragte des Investors Krause, wirbt um Verständnis. Verhandlungen mit überregionalen Ketten seien schwierig und zeitaufwendig, macht er im Gespräch mit dem Mühlacker Tagblatt deutlich, und häufig dauere es zehn Monate bis ein Jahr, bis es zur Unterschrift unter einen Vertrag komme. Bei einem Projekt in Rheinfelden, verweist er auf die Erfahrungen an anderer Stelle, habe es zwei Jahre gebraucht, bis der Modefilialist H&M – nach einer zwischenzeitlichen Absage – doch noch als Mieter zugesagt habe.

So lange will die Stadt Mühlacker, die bis Jahresende unterschriebene Mietverträge gefordert hatte, allerdings nicht warten. Nachdem die Investoren für das Erlenbach Center, die Krause-Gruppe und ihr Partner Ten Brinke, in einem Schreiben vom Mittwoch um eine erneute Fristverlängerung bis Ende Mai gebeten hatten, fallen die Reaktionen aus dem Gemeinderat eindeutig aus. „Wir sind gegen eine Fristverlängerung“, sagte im Namen der CDU, die ein Einkaufszentrum bislang befürwortete, der Fraktionschef Günter Bächle. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, wir wollen uns nicht weiter hinhalten oder vertrösten lassen.“

Auch in der LMU und der FDP, die bislang für ein Investorenmodell eintraten, bröckelt angesichts der zweifelhaften Erfolgsaussichten die Unterstützung. Die Tendenz gehe dahin, einen Schlussstrich zu ziehen, deutet die Sprecherin der LMU, Dr. Ulrike Fuchs, an, allerdings müsse sich die Fraktion erst besprechen. „Ich bin ein gutmütiger Mensch und kann mir eine ein- bis zweimonatige Fristverlängerung vorstellen in der Hoffnung, dass sich doch noch etwas tut“, umreißt Fuchs ihren persönlichen Standpunkt. „Es macht vermutlich keinen Sinn, nochmals zu verlängern“, sagt dagegen Dr. Jens Hanf im Namen der FDP, die sich – wie der Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein – ebenfalls für einen Mühlehof-Abriss und für neue Geschäfte am Kelterplatz starkmachte. Die Zeit sei gekommen, „über Alternativen und neue Wege“ nachzudenken, so Hanf.

Das Vertrauen ist geschwunden, und da dürfte es wenig helfen, dass Ralf Pavaletz von einem der „interessantesten Standorte im Land“ spricht und den Durchbruch bei der Suche nach Mietern nur für eine Frage der Zeit hält. Sowohl bei der Krause-Gruppe als auch bei Ten Brinke seien die bisherigen Verantwortlichen ausgeschieden, gibt Pavaletz zu bedenken, und allein dieser Umstand habe zwei bis drei Monate gekostet. „Ich hoffe, dass ich in den ersten vier bis acht Wochen nach der Winterpause etwas mehr liefern kann“, stellte der Krause-Mitarbeiter in Aussicht und brachte gleichzeitig wieder die Firma H&M als ein mögliches Zugpferd ins Spiel: „Wir werden nochmals Gespräche führen.“

Andererseits hatte die Ankündigung von H&M und „New Yorker“ in Kombination mit der Drogeriemarktkette Rossmann, die als einziger Interessent fest zugesagt hat, schon einmal für Euphorie bei den Verfechtern eines Einkaufszentrums gesorgt; so lange, bis die Investoren von einer doppelten Absage berichteten. Zuvor war aus anderen Gründen schon die Drogeriemarktkette Müller abgesprungen, dafür unterschrieb im Sommer der Konkurrent Rossmann. Ende Juli hatte der Gemeinderat, damit die Investoren nach dem Nein von H&M und New Yorker neu auf Mietersuche gehen konnten, mehrheitlich einer Verlängerung der ursprünglichen Frist bis zum Ende dieses Jahres zugestimmt; unter der Voraussetzung, dass unterschriebene Mietverträge vorgelegt werden.

Während Oberbürgermeister Frank Schneider – bekennender Verfechter eines Neuanfangs – am Donnerstag wegen anderer Termine nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, sehen sich die Skeptiker bestätigt. „Das war von vornherein ein totgeborenes Kind, das konnte nicht funktionieren“, nimmt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Knapp bereits Abschied vom Erlenbach Center. „Wir wollen an dem Standort Kultur.“ Die Freien Wähler um Rolf Leo, die von Beginn an auf der Seite der Mühlehof-Befürworter standen, hatten aus ihrer Ablehnung ebenfalls keinen Hehl gemacht – entsprechend eindeutig fällt nun die Reaktion aus: „Wir lehnen eine Fristverlängerung ab und sind froh, dass die Investorensuche gescheitert ist.“ Handel sei das falsche Konzept für diesen Standort, ist Leo mehr denn je überzeugt.

Im neuen Jahr wird sich der Gemeinderat, sollte er das Erlenbach Center endgültig zu den Akten legen, mit der Frage beschäftigen, ob der Mühlehof saniert oder ob an gleicher Stelle eine neue Stadthalle gebaut werden soll. Ein entscheidender Punkt wird dabei sein, welche Lösung billiger ist. Für die Planungen sind im Haushalt 100000 Euro eingestellt.

Nach den Weihnachtsferien, so CDU-Chef Bächle, der einen Neubau für wirtschaftlicher hält als eine Sanierung, gelte es, nach einer Lösung zu suchen, „und zwar auf Grundlage einer möglichst breiten Ratsmehrheit“, wie er angesichts der Kontroversen der Vergangenheit hofft. „Wir benötigen jetzt dringend eine Perspektive für die Zukunft.“ Allerdings gehen die Meinungen zum Mühlehof weiter auseinander. Die Freien Wähler tendieren zum Erhalt, die SPD um Thomas Knapp will sich (noch) nicht festlegen, während CDU und FDP für einen Abriss und Neubeginn plädieren. „Natürlich will jeder eine Kulturhalle, doch die Frage ist, in welcher Form, und vor allem, wie sollen wir sie finanzieren?“, beschreibt Jens Hanf die grundsätzlichen Hürden. Die LMU-Fraktionsvorsitzende Ulrike Fuchs wird noch deutlicher: Für eine Kulturhalle, sagt sie, „haben wir im Moment kein Geld“.

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