A8-Baustelle: Ist Mühlacker außen vor?

Anfrage ans Verkehrsministerium gestellt: Landtagsabgeordneter Schweickert misstraut der Einschätzung der Landesbehörden

Von Thomas Eier Erstellt: 22. Mai 2019, 00:00 Uhr
A8-Baustelle: Ist Mühlacker außen vor? Tägliche (Lkw-)Kolonnen auf der Autobahn bei Niefern – und in den Umlandgemeinden stellte man sich die Frage: Wie soll das während der jahrelangen Baustelle funktionieren? Foto: Tilo Keller

Die Stadt Mühlacker werde, wenn der Ausbau der A8 im Enztal startet, vom Umleitungsverkehr weitgehend verschont bleiben. Mit dieser Kernaussage reagiert das Verkehrsministerium auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Professor Dr. Erik Schweickert, der dem Braten nicht recht trauen will.

Mühlacker. „Auf der B10 in Mühlacker wird es nach Einschätzung der Landesregierung an normalen Bautagen der Autobahnbaustelle an der Enztalquerung nicht zu einer nennenswerten zusätzlichen Verkehrsbelastung kommen“, lautet die optimistische Einschätzung von Verkehrsminister Winfried Hermann, die Erik Schweickert nicht teilen kann. Die Landesbehörden, kritisiert der Parlamentarier aus Niefern, der nach eigenem Bekunden seit fünf Jahren vor den Folgen der A8-Baustelle für das Umland warnt, verhielten sich „wie ein Kind, das den Kopf unter die Decke steckt“, um die drohenden Probleme nicht wahrnehmen zu müssen: „Regelmäßig heißt es nur, der Verkehr werde auf der Autobahn bleiben.“ Dabei stelle sich schon heute die Situation immer dann, wenn die A8 „dicht“ sei, anders dar.

Auf eine Anfrage Schweickerts zu den möglichen Folgen des A8-Ausbaus für die Stadt Mühlacker hat die Landesregierung nun nochmals auf die geplanten Baustellenregelungen verwiesen. „Während der Bauzeit werden auf der A8 ausreichend breite Fahrspuren eingerichtet, die Anzahl der Fahrspuren wird beibehalten, stärkere Verschwenkungen werden vermieden und Stauwarnanlagen sowie Reisezeitanzeigen aufgestellt“, fasst das Stuttgarter Ministerium in der von Winfried Hermann unterzeichneten Stellungnahme zusammen. „Durch diese Maßnahmen soll Ausweichverkehr weitgehend vermieden werden.“

Die Anzeigetafeln für die „Reiseechtzeit“, die in der Bauphase installiert werden und dem Navi-gesteuerten Autofahrer die mangelnde Sinnhaftigkeit von Ausweichmanövern signalisieren sollen, seien erst auf sein Betreiben ins Auge gefasst worden, erinnert Schweickert. Während das Regierungspräsidium beschwichtige, gibt es aus seiner Sicht ein klares Indiz dafür, dass auch die Karlsruher Landesbehörde mehr Verkehr auf den Ausweichrouten befürchtet: Diverse Straßen- und Belagssanierungen im Umfeld, wie auf der B10 durch Mühlacker, auf der Ortsdurchfahrt und Landesstraße in Öschelbronn oder, ganz aktuell, auf der B10-Kreuzung in Niefern, wurden nach Schweickerts Überzeugung nicht umsonst vorgezogen: Die Reparaturen seien an sich erfreulich, resultierten jedoch aus der Annahme, dass die Strecken durch den A8-Umleitungsverkehr zusätzlich beansprucht würden.

Dieser These zum Trotz gehen Landesregierung und Regierungspräsidium in ihren öffentlichen Verlautbarungen davon aus, dass der Verkehr abgesehen von wenigen Vollsperrungen an Wochenenden weitgehend reibungslos durch die Baustelle rollen wird. Deshalb sei in Mühlacker weder mit Fahrzeugkolonnen noch mit damit verbundenen Lärmbelästigungen oder erhöhten Schadstoffwerten zu rechnen, heißt es in der Stellungnahme aus Stuttgart. Auch die Verkehrssicherheit in Mühlacker, wo die Unfallzahlen zuletzt unauffällig gewesen seien, werde durch den Eingriff an der A8, der auf fünf bis sechs Jahre kalkuliert ist, nicht beeinträchtigt. „Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass keine besonderen Schutzmaßnahmen erforderlich sind“, bilanziert Minister Hermann.

Wie das federführende Regierungspräsidium Karlsruhe auf Anfrage mitteilt, würden derzeit noch die Bauabläufe und Verkehrsführungen auf der Autobahn geplant. „Daraus ergeben sich mehrere unvermeidliche Wochenendsperrungen der Autobahn und mehrere längerfristige Sperrungen der Anschlussstelle Pforzheim-Ost im Zuge der Baumaßnahme“, heißt es aus der Behörde. „Aufbauend auf diesen Erfordernissen werden die für diese Vollsperrungen erforderlichen Umleitungen im nachgeordneten Netz geplant.“ Detaillierte Aussagen über die vorgesehenen – nur kurzzeitig erforderlichen – Umleitungsstrecken seien derzeit noch nicht möglich. Dies werde aber frühzeitig mit den zuständigen Verkehrsbehörden, der Polizei und den betroffenen Kommunen abgestimmt.

Auf nähere Informationen hofft unter anderem Joachim Woesner, Leiter der Verkehrsbehörde der Stadt Mühlacker, der bislang noch entspannt bleibt. Bei den zwei Vollsperrungen der Autobahn an Wochenenden im vergangenen Jahr sei der Verkehr durch Enzberg nur um etwa acht bis zehn Prozent angewachsen, berichtet Woesner vom Ergebnis der Zählungen. Seine Hoffnung: Die Umleitungen würden entsprechend nah an der A8 eingerichtet und tangierten Mühlacker nur am Rande. Es sei denn, beschreibt er den schlechtesten aller Fälle, es komme auf der Umleitung zu einem Unfall. Müsste der komplette Verkehr der A8 durch Mühlacker geleitet werden, wo unter anderem die Kreuzung an der Herrenwaagbrücke ein Nadelöhr darstelle, dann drohe tatsächlich der Kollaps, bestätigt der Behördenchef.

Aus Sicht von Erik Schweickert müssten die Stadt Mühlacker und die Gemeinden im Heckengäu, die im Zweifelsfall zu den Leidtragenden gehören, dringend in den Projektkreis und die weiteren Planungen für den Autobahn-Ausbau einbezogen werden. Dies sei auch deshalb wichtig, um Baumaßnahmen innerhalb der Kommunen entsprechend abstimmen zu können, warnt der Abgeordnete vor Überschneidungen.

Im Übrigen, gibt der Enzkreis-Abgeordnete an die Adresse der Behörden zu bedenken, seien die Probleme schon heute – ohne die Dauerbaustelle – regelmäßig zu spüren, wenn immer dann mehr Verkehr über die Herrenwaagbrücke in Mühlacker rolle, wenn Staus auf der A8 über die Ausfahrt Heimsheim, Mönsheim, Wiernsheim, Pinache und Dürrmenz umfahren würden.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Eier@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Alena ,,will in ausverkauften Hallen spielen“

Alena ,,will in ausverkauften Hallen spielen“

Ein neues Sternchen am Schlagerhimmel erscheint: Anna Lena Wiedmann aus Waiblingen veröffentlicht am 8. November ihre dritte Single „Im siebten Kleid“ – und wird den Song tags darauf, am SIE… »