„Mein Kind hätte leben können“

Claudio Podo wendet sich nach dem Tod seiner Tochter Leonie Maey an die Öffentlichkeit, um aufzuklären und Danke zu sagen

Von Ramona Deeg Erstellt: 24. Februar 2018, 00:01 Uhr
„Mein Kind hätte leben können“ Leonie Maey †

Es gibt Gespräche, die gehen selbst routinierten Redakteuren unter die Haut. Das Treffen mit Claudio Podo, dem Vater der an einer Meningokokken-Infektion verstorbenen Leonie Maey aus Wiernsheim, und seiner Lebensgefährtin Carina Schuler ist ein solches.

Enzkreis. „Wir versuchen den Alltag wieder auf die Reihe zu bekommen“, berichten die beiden rund drei Wochen nach dem Tag, an dem das Herz der fünfjährigen Tochter von Claudio Podo um 22.09 Uhr im Beisein ihrer Familie aufgehört hat zu schlagen. Doch das ist alles andere als einfach. Leonie Maey, die den Nachnamen ihrer leiblichen Mutter, Maier, trägt, sei von den vier Kindern der Patchworkfamilie Podo-Schuler diejenige gewesen, die man beim Spielen und Toben herausgehört habe – und deren Stimme jetzt fehlt. Sie sei ein aufgewecktes Mädchen gewesen, immer fröhlich und voller Tatendrang. Leonie Maey sei es gewesen, die ihre zwei Jahre ältere Schwester immer mitgezogen habe und die immer zur Tür geeilt sei, wenn Carina Schuler mit ihren zwei Söhnen geklingelt habe.

„Ich glaube, wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem wir das wirklich verstanden haben“, sagt Claudio Podo. Leonies ältere Schwester und die Söhne von Carina Schuler würden die Trauer seltener zulassen, aber schon sagen, dass ihnen Leonie fehlt. „Wir haben die Kinder besonders im Auge, beobachten, wie sie mit dem Verlust umgehen“, berichten Claudio Podo und Carina Schuler.

Podo, der noch in Wiernsheim wohnt, aber nach Maulbronn ziehen möchte, betont, dass seine verstorbene Tochter alle denkbaren Impfungen bekommen habe. „Aber von dem B-Virus habe ich nie etwas gehört“, beklagt er, „mir hat kein Arzt gesagt, dass es so eine grausame Krankheit gibt und dass man sein Kind mit einer Impfung dagegen schützen kann.“ Er wünscht sich mehr Aufklärung. „Beim Kinderarzt gibt es so viele Broschüren und Flyer, aber keine weist auf den B-Virus hin“, betont er, „mein Kind hätte leben können, wenn ich davon gewusst hätte.“

Angefangen habe alles mit einem leichten Husten. Dann kam Fieber dazu, aber der Fiebersaft habe sofort angeschlagen. Nachmittags habe sie schon wieder toben wollen. Am anderen Morgen um 5 Uhr ist die Familie ins Krankenhaus gefahren. Da hatte Leonie Maey wieder hohes Fieber und schon die verräterischen rotbraunen Flecken, die die Krankheit entlarven. Drei Tage später ist das Kind gestorben.

 

Offener Brief des Vaters

„An alle herzensguten Menschen,

von ganzem Herzen möchten wir euch danken.
Unendlich viele Trauerkarten, E-Mails, Nachrichten über Facebook und WhatsApp erreichten uns täglich. Nicht nur wir haben im engsten Kreis von unserem Engel Leonie Maey Abschied genommen, sondern ein riesiger Teil aus Deutschland, Italien und sogar weiteren Ländern.
Durch eure Spenden habt ihr es möglich gemacht, uns eine finanzielle Last zu nehmen. Leonie bekam eine schöne Beerdigung mit wunderhübschen Blumen und jeder Menge Luftballons, die in den Himmel stiegen. Später folgt nach dem weißen Kinderkreuz ein schöner Grabstein.
Was die Hölle auf Erden ist, das wissen wir nun. Aber wir kämpfen weiter und stehen an jedem neuen Morgen wieder auf. Keines der Bilder in unseren Köpfen wird je verschwinden. Es ist das Schlimmste, was wir ertragen mussten und weiterhin müssen.
Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist unglaublich, und wir sind gerührt, wie sehr man uns zur Seite steht und versucht, das Ganze ein wenig erträglicher zu machen.
Im Grunde empfiehlt sich ein riesengroßes Dankeschön an ALLE von euch. Dennoch möchten wir ein paar Namen hervorheben, weil einfach Unglaubliches geleistet wurde.
Mandy Adler mit ihrem Nähgeschäft Mamilu Design in Gommern hat eine Spendenauktion für Leonie ins Leben gerufen, an der sich 200 weitere Nähbegeisterte beteiligt haben. Der geteilte Beitrag und die Auktion wurden bei Facebook in nur wenigen Stunden unzählige Male verbreitet.
Wir danken dem Kindergarten Regenbogen in Wiernsheim für die herzensgute Spende und die liebevollen Worte. Der Dank geht an weitere umseitige Kindergärten und Schulen, an den Pfarrer und Seelsorger Wolfgang Max, der in den unerträglichsten Stunden an unserer Seite war, die Pastoralreferentin Christiane Gegenheimer, der wir eine kindgerechte, schöne Beerdigung und Urnenbeisetzung zu verdanken haben. Somit konnten auch die anwesenden Kindergartenkinder durch das Vorlesen einer Kinderbuchgeschichte von Frau Gegenheimer mitwirken. Wir danken Matthias Enz und dem Gasthaus Lamm, welche uns den Erlös des Gulaschsuppen-Verkaufs zukommen lassen. Wir danken dem Krankenschwestern-Team der Kinderintensivstation des Helios Krankenhauses Pforzheim.
Wir danken Kerstin Schaller für ihre Hilfsbereitschaft, den engsten Familienmitgliedern wie zum Beispiel Tante Tania Schimmack, die uns von Anfang an zur Seite steht und in den schwersten Stunden nicht von Leonie wich. Wir danken Freunden, Bekannten und Menschen, die uns überhaupt nicht kennen, aber sofort Anteilnahme zeigten. Ein ebenso großer Dank geht an das Beerdigungsinstitut Einert in Mühlacker, welches auch weitere Seelsorge anbietet.“

Claudio Podo

Ramona Deeg

Redakteurin E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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