Welle der Empörung schwappt über

Tierfreundin in Maulbronn sucht mit Plakaten ihren Kater – Stadt droht mit Bußgeld – Aufgeregte Reaktionen auf Facebook

Von Frank Goertz Erstellt: 14. August 2018, 00:00 Uhr
Welle der Empörung schwappt über Mit einem Plakat der Tierschutzvereinigung „Tasso“ sucht eine Maulbronnerin ihren Kater Karlsson. Dabei macht sie einen Fehler: Sie klebt die Plakate ohne Genehmigung der Stadt, was ihr jetzt reichlich Ärger einbringt. Screenshot: www.tasso.net

In den sozialen Medien schwappt eine Welle der Empörung über Maulbronn. Katrin Wiedmer hatte dort mit mehreren Plakaten nach ihrem Kater Karlsson gesucht. Jetzt droht ihr ein Bußgeld.

Maulbronn. Am Samstag ist der Maulbronner Tierfreundin ein Anhörungsbogen der Stadt ins Haus geflattert. Wörtlich steht in dem Schreiben: „Gegen Sie wurde ein Bußgeldverfahren nach § 47, Abs. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten OWiG eingeleitet. (…) Ihnen wird zur Last gelegt, folgende Ordnungswidrigkeiten begangen zu haben: Sie haben im Stadtgebiet Maulbronn an mehreren öffentlichen Stellen Tasso-Suchplakate ihres Katers Karlsson aufgehängt, ohne in Besitz einer Plakatierungserlaubnis zu sein.“ Die Katzenliebhaberin habe damit, so heißt es in dem Schreiben weiter, gegen die Paragrafen 15 und 17 der Polizeiverordnung Maulbronn verstoßen.

Nachdem Katrin Wiedmer in zwei Facebook-Gruppen, über die in erster Linie vermisste Tiere gesucht werden, auf ihr Problem mit der Stadt aufmerksam gemacht hatte, hagelte es dort einen Sturm der Entrüstung, der auch auf den Facebook-Auftritt der Klosterstadt übergeschwappt ist. Internetnutzer werfen der Stadt Herzlosigkeit und mangelndes Fingerspitzengefühl gegenüber Tierhaltern vor, die in ihrer Not Suchplakate anbringen, weil ihr Tier entlaufen ist.

„Mit diesen heftigen Reaktionen habe ich nicht gerechnet“, beteuert Wiedmer und betont, dass sie die Welle der Entrüstung auf der Facebook-Seite der Stadt Maulbronn keinesfalls lanciert habe. „Ich wollte nur in Facebook-Gruppen, die sich mit dem Thema Tierschutz beschäftigen, darauf aufmerksam machen, was passieren kann, wenn man ohne Genehmigung Suchplakate aufhängt.“ Wobei sie sich doch ein wenig wundert: „Ich habe vorher in Mönsheim gewohnt. Dort haben wir öfter mit Plakaten und Handzetteln nach verschwundenen Tieren gesucht und nie ein Problem bekommen.“

Deshalb war die engagierte Tierschützerin sehr überrascht und habe sich vor den Kopf gestoßen gefühlt, weil ihre neue Heimatstadt ganz anders auf die Suchplakate reagiert. Konkret handelte es sich um zehn Plakate im Format A4 und 15 Plakate im Format A5, die der Sohn von Katrin Wiedmer mit Tesafilm an Laternen und Hundekotstationen befestigte. „Dafür war er stundenlang unterwegs, wie er auch seit Tagen unentwegt nach seinem Kater Karlsson sucht.“ Die Plakate hat der 15-Jährige übrigens am Freitag sorgsam zusammengelegt vor der Garage der Familie gefunden. „Ich habe keine Ahnung, wer sie abgenommen hat“, sagt Katrin Wiedmer. Aber für ihren Sohn sei diese Aktion wie ein Schlag ins Gesicht gewesen. „Ich wusste wirklich nicht, dass wir eine Genehmigung benötigt hätten, um die Plakate aufzuhängen“, erklärt Wiedmer. „Das werde ich so auch wahrheitsgemäß in den Anhörungsbogen schreiben.“

Bürgermeister Andreas Felchle kann die Aufregung in dem sozialen Netzwerk Facebook nicht verstehen. „Im Rathaus sitzen doch keine unmenschlichen Bürokraten. Wir versuchen nur, demokratische Beschlüsse durchzusetzen“, verweist er darauf, dass die Katzenfreundin zweifelsfrei ohne Genehmigung plakatiert habe.

„Wie überall in Deutschland gibt es auch in Maulbronn klare Vorgaben“, so Felchle. Diese Vorgaben würden auch von vielen Bürgern gefordert und begrüßt, um einem Plakat-Wildwuchs vorzubeugen. Außerdem gehe es auch um die Verkehrssicherheit. „Wenn ein gemeinnütziger Verein etwas plakatieren will, muss er sich zuerst mit uns auf dem Rathaus in Verbindung setzen. Das gilt auch, wenn jemand seinen Kater sucht.“ Die Plakate einfach so zu kleben, „das läuft nicht“, erklärt Felchle. „Hier stimmt die Reihenfolge nicht. Hätte die Frau zuerst gefragt, hätten wir ganz sicher eine Lösung gefunden“, sagt der Bürgermeister und betont: „Der Anhörungsbogen ist noch kein Bußgeldbescheid.“

Im Übrigen wundert sich Felchle, wie „durchgedreht“ manchmal die sozialen Netzwerke im Internet seien. Er selbst lasse sich davon nicht beeindrucken: „Wenn jemand glaubt, dass es mich als Bürgermeister interessiert, was jemand aus Berlin oder Pforzheim postet, der irrt gewaltig.“

Frank Goertz

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