Jäger klagt: Holzfäller zerstören den Wald

Kritiker hält Dimension des Einschlags für überzogen und weist auf Flurschäden hin – Forstamt wehrt sich gegen Vorwürfe

Von Thomas Sadler Erstellt: 3. Dezember 2014, 00:00 Uhr
Jäger klagt: Holzfäller zerstören den Wald Kein schöner Anblick: Jagdpächter Jürgen Uhlarz hat mit selbst geschossenen Fotos die Auswirkungen des Holzeinschlags im Wald bei Schmie festgehalten. Foto: privat

Durch einen übertriebenen Holzeinschlag nehme der Wald in Schmie sichtbar Schaden, kritisiert Jürgen Uhlarz, Jagdpächter im Gemeindeforst des Maulbronner Stadtteils. Das Forstamt Enzkreis und der zuständige Förster weisen die Vorwürfe zurück.

Maulbronn-Schmie. Seit 2011, gibt Jagdpächter Uhlarz seine Beobachtungen wieder, werde der Wald bei Schmie zeit- und stellenweise regelrecht „zerstört“.

„Es sieht aus, als hätten Vandalen gehaust“, schimpft er. „Es werden Bäume rausgeholt, die noch nicht einmal zehn Jahre alt sind.“ Er wolle „niemanden an den Pranger stellen“ und sei sich bewusst, dass der Forst auch ein Wirtschaftsfaktor sei, sagt Jürgen Uhlarz, doch gelte es, beim Holzeinschlag „wieder zu einem vernünftigen Maß zurückzufinden“. Seit Jahren seien „extreme“ Missstände zu beobachten. Soll heißen: Durch die beim Einschlag eingesetzten Maschinen und Fahrzeuge und das Bewegen der gefällten Stämme entstünden am Waldboden Schäden. Außerdem blieben für das Wild immer weniger Rückzugsbereiche übrig.

Der Maulbronner Forstrevierleiter Benedikt Trefzer und Frieder Kurtz, Leiter des Enzkreis-Forstamts, denen das Anliegen von Jürgen Uhlarz nicht unbekannt ist, halten die Vorwürfe für nicht gerechtfertigt. Die Menge der gefällten Bäume, das geerntete Holz, bleibe in Baden-Württemberg und werde als Brennholz genutzt oder zu Bauholz, also etwa zu Latten, verarbeitet – liege sogar unter dem Zuwachs, betont Trefzer. Außerdem richte sich der Einschlag korrekt nach dem Forstwirtschaftsplan. Dass es zu Schäden komme, bestreitet er nicht. Allerdings „wird nur auf den Rückegassen gefahren“. Würden die Einfahrten in die Rückegassen ramponiert, würden sie aufgefüllt und befestigt. Der angeprangerte Schaden halte sich in Grenzen und werde behoben.

Hinzu komme, ergänzte Oberforstrat Philipp Schweigler vom Enzkreis-Forstamt, dass auch bei der Wahl der Fahrzeuge Rücksicht genommen werde. So würden Tragschlepper eingesetzt, die über acht Räder, vorne mit zwei Bändern, verfügten. Dadurch falle die Belastung des Forstbodens relativ gering aus. Dank verschiedener Maßnahmen komme es, schätzen Trefzer und Schweigler, nur in einem Prozent des Waldes zu Beschädigungen.

Frieder Kurtz, Chef des Enzkreis-Forstamts, verweist auf die derzeit laufende Holzernte und die Waldpflegemaßnahmen, bei denen Eichenbestände von Nadelbäumen befreit würden. Dass durch das Rücken der geschlagenen Baumstämme „Rückegassen“ im Forst entstünden, sei nicht zu vermeiden. Doch diese, salopp gesagt: Schleifspuren, würden im Frühjahr wieder verschwinden. Im Übrigen würden durch die Pflege „stabile Zustände“ im Wald erreicht – zum Beispiel dadurch, dass auf diese Weise eine bessere Wurzelausbildung erreicht werde. Auch für das Wild sieht der Forstamtschef keine Nachteile. „Die Äsung leidet nicht“, versichert Kurtz. Mittelfristig sei eine Auslichtung des Baumbestands sogar von Vorteil. Die Feststellung, es werde zu viel Holz eingeschlagen, teilt er nicht. Im Gegenteil: „Der Holzvorrat im Wald ist sogar im Steigen.“

Im Übrigen sei es sinnvoll, den nachwachsenden Rohstoff Holz zu nutzen, führt Kurtz ein umweltpolitisches Argument ins Feld. Sein Fazit: „Es wird keinesfalls zuviel gefällt.“

Thomas Sadler

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