Pures Gold

Von Maik Disselhoff Erstellt: 7. Dezember 2018, 00:00 Uhr

„Die Themen liegen auf der Straße“, sagen viele Journalisten. Man müsse nur genau hinschauen. Der Autor dieser Zeilen kann diese Einschätzung nach der jüngsten Maulbronner Gemeinderatssitzung teilen. Achtung: Ein Thema, das sprichwörtlich auf der Straße liegt und Stadtrat Otto Kammerer in Rage bringt, ist jedoch nichts für zarte Gemüter. Otto Kammerer beklagte sich in der Ratssitzung bitter über den Zustand einiger Feldwege. Diese würden durch „Gäul’ versch…“ – nicht zu knapp.

Man müsse die Pferdehalter auffordern, die Hinterlassenschaften bei Ausritten zu beseitigen, forderte Kammerer. Bürgermeister Andreas Felchle dachte spaßend darüber nach, analog zu den Tüten, die für Hundebesitzer bereitgestellt werden, Beutelspender für Reiter aufzustellen. „Dann aber in Müllsackgröße“, wie Stadtrat Hans-Peter Lehner anmerkte. Der Rathauschef nahm die Reiter aber auch in Schutz. Im Gegensatz zu Hundebesitzern, die sich nur zu bücken brauchten, müssten diese schließlich vom Pferd absteigen, um das Problem in den Griff zu kriegen.

Wer über das Maulbronner Pferdeäpfel-Politikum die Nase rümpft, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Das Thema stinkt nicht nur sensiblen Zeitgenossen in der Klosterstadt. Pferdeäpfel seien auch auf Schützinger Feldwegen eine Herausforderung – besonders für Radfahrer. Das berichtete Hans-Peter Lehner. Und wer wie Lehner herumkommt, weiß auch, wie anderswo Probleme gelöst werden: „Die haben da an einem Pfosten eine Kutterschaufel mit Kehrwisch aufgehängt.“ Kann diese pragmatische Lösung auch in Maulbronn funktionieren? Niemals, wo doch in dieser Stadt der zivile Ungehorsam wohnt, der mit Gewalt schon mehrfach eine Schranke zerstört hat, die die Abkürzung zum Häckselplatz verwehren sollte. Kutterschaufel und Kehrwisch würden über Nacht verschwinden.

Pferdeäpfel gehören zu drängenden Problemen unserer Zeit. Auch im Sternenfelser Rat wurde kürzlich Kritik an sorglosen Reitern laut, die beim Ausritt nur nach vorne schauen. In Mühlacker berichtete ein Jogger in diesen Tagen von einem unfreiwilligen beintechnischen Koordinationstraining auf dem Feldweg, der vom Stöckach nach Ötisheim führt. Reiter-Schelte allein ist jedoch nicht zielführend. Wie in vielen Fällen hilft die geschichtliche Perspektive weiter. In Schwann starb im 18. Jahrhundert ein Mann, der „sechs Wagenladungen voll Dung“ als Erbmasse hinterließ. Das belegt das Archiv der Gemeinde. Das Zeug war mehrere Gulden wert. Die Pferdeäpfel-Kritiker müssen also nur ihre Einstellung ändern, dann erkennen sie: Auf den Feldwegen liegt pures Gold. Jeder Rosengärtner wird dies bestätigen.

Maik Disselhoff

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