Muslime in Maulbronn fühlen sich entmündigt

Yilmaz Cebeci weist die Kritik zurück, die Glaubensgemeinschaft Ditib sei der verlängerte Arm von Recep Tayyip Erdogan

Von Lukas Huber Erstellt: 31. August 2016, 00:00 Uhr
Muslime in Maulbronn fühlen sich entmündigt Immer wieder öffnet die Türkisch Islamische Gemeinde Maulbronn ihre Türen für Nicht-Muslime. Zuletzt führte Yilmaz Cebeci (re.) im Rahmen des Kulturfests im Mai interessierte Besucher durch die Räumlichkeiten der Mimar Sinan Moschee. Archivfoto: Hansen

Maulbronn. Nach dem Putschversuch gegen den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan kürzlich hat der Staatschef hart durchgegriffen und zahlreiche Regierungsgegner – darunter Journalisten und Gelehrte – verhaften lassen.

Im Zuge dessen war die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) in die Kritik geraten. Wie Experten sagen, sei der Verband der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet nach Deutschland. Und Predigten, die in Moscheen hierzulande gehalten würden, kämen von der Regierung aus Ankara. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft meldete laut einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Zweifel an der Anerkennung der Ditib als Religionsgemeinschaft an. Und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir sagte Anfang des Monats der „Bild“-Zeitung sogar, Ditib gehe es um Politik und nicht um die Religion.

Yilmaz Cebeci, Sprecher der Türkisch Islamischen Gemeinde Maulbronn, die zu dem Dachverband von Ditib gehört, weist diese Kritik entschieden zurück: „Wir sind eine Religionsgemeinschaft, die sich der allumfassenden Ausübung und Pflege religiöser Aufgaben widmet.“ Die Unterstellungen, die den Mitgliedern auch öffentlich immer wieder begegneten, seien teils jene, „die so viele vermeintliche Islamexperten immer wieder wiederholen, die aber dadurch nicht wahrer werden“.

Die demokratisch gewählten Vereinsvorstände der Mimar Sinan Moschee in Maulbronn seien Menschen, die in Deutschland lebten, teilweise sogar hier geboren seien, so Cebeci. „Als solche Ehrenämtler tragen wir allein die Verantwortung für die Gestaltung und Pflege unseres Vereinslebens.“ Niemand, weder im Inland noch im Ausland, habe sich in die Vereinsarbeit einzumischen.

Alle Entscheidungen über Vereinstätigkeiten würden im Rahmen des Gesamtverbandes, im Zusammenwirken aller Verbandsebenen, aber auch vor Ort in Eigenverantwortung getroffen, sagt der Sprecher. „Dies immer wieder infrage zu stellen und uns vorzuwerfen, Politiker aus der Türkei würden uns vorschreiben, wie wir arbeiten sollen, empfinden wir als Entmündigung unserer Mitglieder.“ Das treffe diejenigen hart, die sich in ehrenamtlichen Diensten in ihrer Freizeit für das Vereins- und Gemeindeleben einsetzen.

Die Amtszeit des Imams in Maulbronn, also des Vorbeters in der Moschee, sei kürzlich zu Ende gegangen, der neue werde ein studierter Islamtheologe aus der Türkei sein, so Cebeci. Wie das Portal Tagesschau.de berichtet, werden Imame der Ditib von der Behörde Diyanet ausgebildet, jeweils für einen begrenzten Zeitraum nach Deutschland entsandt und auch bezahlt. Das sei allen bekannt, erklärt Cebeci. „Das ist für uns deshalb wichtig, weil das Religionspräsidium in der Türkei für eine über 500-jährige Glaubens- und Wissenstradition steht, aus der sich unsere religiösen Wahrheiten und Riten speisen.“ Diese Verbindung beschränke sich aber auf den Inhalt religiöser Dienste.

Auf die Frage, ob es im Hinblick auf möglichen Islamunterricht an deutschen Schulen nicht sinnvoll wäre, die Imame in Deutschland auszubilden, sagt der Sprecher: In den letzten zehn Jahren habe Ditib viel investiert, um deutschsprachige Imame auszubilden. 60 dieser Absolventen seien bereits bei Ditib angestellt.

„Wir wollen ernst genommen und als mündige Bürger unserer Stadtgesellschaft akzeptiert werden“, betont Cebeci, der alle Interessierten darum bittet, der gesellschaftlichen Ausgrenzung muslimischer Gemeinden Einhalt zu gebieten und den Weg der persönlichen Begegnung und des Gespräches zu suchen. Zur offenen und fairen Begegnung seien alle Menschen in die Moschee in Maulbronn eingeladen.

Lukas Huber

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