Maulbronn taucht in Mittelalter-Flair ein

Festumzug mit mehreren Hundert Teilnehmern beim Klosterfest – Magier und Spielleute lassen vergangene Epoche wieder aufleben

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 24. Juni 2013, 00:00 Uhr
Maulbronn taucht in Mittelalter-Flair ein Dichtes Gedränge um den Magier: Das Maulbronner Klosterfest mit seinen zahlreichen Attraktionen und historischen Spektakeln ist regelmäßig ein Publikumsmagnet. Fotos: Stahlfeld

Das Maulbronner Klosterfest lockt nicht nur immer wieder Zehntausende von auswärtigen Besuchern an. Auch für die Maulbronner selbst ist der Sprung ins Mittelalter mittlerweile zu einer liebgewonnenen Tradition geworden.

Maulbronn. Spätestens alle zwei Jahre wird klar, dass Maulbronn keine Stadt wie jede andere ist. Statt der üblichen Straßenfeste und Hocketsen wird in der Klosterstadt seit 1978 im zweijährigen Rhythmus zum mittelalterlichen Fest geladen. Lediglich einmal gab es wegen Umbaumaßnahmen eine dreijährige Pause.

Die kam für Wolfgang Haalboom, Vorsitzender des veranstaltenden Fördervereins Maulbronner Kultur (FMK), gar nicht so ungelegen. Weil das Fest jetzt immer in ungeraden Jahren stattfindet, läuft es nämlich nicht mehr in Konkurrenz zu Fußballmeisterschaften.

Gekickt wurde im Mittelalter vermutlich weniger. Aber das Seilziehen war schon bekannt, und so hat man auch in Maulbronn diese Tradition weiterentwickelt. Acht Mannschaften traten am Samstag und Sonntag beim Wagenradziehen an. Jede Mannschaft versuchte das auf einem 1000 Kilogramm schweren Tisch liegende Rad in ihre Richtung zu ziehen.

Den schweren Tisch hatte eigens der Bauhof gefertigt, nachdem in den Vorjahren ein normaler Tisch immer wieder umgefallen war. „Bürokraten haben beschlossen, dass der Tisch zu gefährlich sei“, klärte Bürgermeister Andreas Felchle in seiner Eröffnungsrede über die Hintergründe auf, bevor traditionell die ersten Gäste gemeinsam das Württemberger Lied sangen.

Unter den Sängern befanden sich auch die Bürgermeister Peter Bugar aus Altkirchen und Leon Bessot aus Maulbronns Partnerstadt Valdahon, die mit 16 beziehungsweise 60 Gästen aus ihren Kommunen angereist waren. Nach vielen Jahren floss aus dem 50-Liter-Fass mit Freibier erstmals wieder echtes Klosterbräu.

Rund 300 Teilnehmer von 26 Gruppen waren zum Auftakt in einem Festumzug vom alten Stadtbahnhof zum Spectaculum in den Klosterhof eingezogen. Vor der historischen Kulisse des Unesco-Weltkulturerbes erzählten sie ein mittelalterliches Märchen.

Zwei Tage lang zeigten Gaukler, Spielleute und Magier ihr Können, Handwerker und Händler boten ihre Waren feil und ließen Künste längst vergangener Zeiten wieder aufleben. Die Mitglieder von 19 Maulbronner Vereinen sorgten außerdem dafür, dass aus den Fässern der Dorfschenke reichlich Bier floss. Mit auf Kohlenfeuer gerösteten Bratwürsten oder köstlichem Fleisch von Sauen verwöhnten sie die Gaumen der Gäste. „Das klappt jedes Jahr besser“, lobte nicht nur Bürgermeister Felche, die einzigartige Atmosphäre. Auch FMK-Vorsitzender Haalboom weiß, dass die Maulbronner das mittelalterliche Treiben längst verinnerlicht haben. „Am Anfang waren es gebatikte Leintücher“, erinnert er sich an die ersten Versuche, sich mittelalterlich zu kleiden.

Inzwischen ist das Tuch feiner und authentischer geworden. „Die Leute finden Gefallen daran, es kommt von innen raus“, so Haalboom zufrieden und würdigt dies auch als einen Erfolg des FMK, der sein 20-jähriges Bestehen mit einer Gala im Oktober feiert.

„Das Mittelalter beim Fest darzustellen, ist wie Theaterspielen als Kind“, so Haalboom, der dem FMK seit mehr als zehn Jahren vorsteht. Das Klosterfest sei ein schönes Miteinander der Maulbronner und ihrer Vereine, sieht er eine positive Entwicklung.

„Das Klosterfest ist ein Muss“, bestätigt der Maulbronner Ulrich Dreißigacker der von Kindesbeinen an beim Fest dabei ist. Die Tradition ist längst auf die nächste Generation übergegangen. Inzwischen besucht er das Klosterfest als Familienvater mit Ehefrau Alexandra und den Kindern Tom (vier Jahre) und Jule (sechs Jahre).

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