Loblied auf ein Juwel aus Sandstein

Großes Fest zum Welterbe-Jubiläum mit prominenten Gästen – Ministerpräsident Kretschmann unterstreicht Bedeutung des Klosters

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 13. Mai 2019, 00:00 Uhr
Loblied auf ein Juwel aus Sandstein Tierisches Geschenk: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (li.), Finanzministerin Edith Sitzmann (neben ihm) und Staatssekretärin Katrin Schütz freuen sich über Esel aus Speckstein. Foto: Stahlfeld

Seit 25 Jahren steht das Kloster Maulbronn auf der Unesco-Welterbeliste. Beim großen Jubiläumsfest bezeichnete Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Sonntag die Klosteranlage als ein „Juwel des Landes“. Als ein „Stück Heimat“ sei es eng verwoben mit der baden-württembergischen Kultur.

Maulbronn. Ministerpräsident Kretschmann, Finanzministerin Edith Sitzmann und Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, gehörten zu den Ehrengästen, die sich nach einem Gottesdienst im Klosterhof einfanden, wo das große Jubiläumsfest mit den Klängen der Maulbronner Stadtkapelle eröffnet wurde.

Michael Hörrmann, Geschäftsführer von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, begrüßte unter anderen auch die Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann (Grüne) und Professor Dr. Erik Schweickert (FDP), Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau sowie zahlreiche Kreisräte und Bürgermeister aus der Region.

„Die Zisterzienser, die das Kloster im 12. Jahrhundert gegründet haben, haben auch die Seele unseres Landes mitgeprägt und die Europas“, unterstrich Kretschmann in seiner Rede die Bedeutung und machte zwei Wochen vor der Europawahl deutlich, wie bereits bei den Zisterziensern Innovation und Nachhaltigkeit ebenso zusammengehörten wie Europa und Heimat. „Bitte gehen Sie zur Wahl und stimmen Sie für die, die Europa weiter bauen“, lautete der Appell des Ministerpräsidenten.

Nach der Reformation sei das Kloster, so Winfried Kretschmann, mit seinem Evangelischen Seminar zu einem Ort der Bildung für viele geworden. Kepler, Hölderlin, Mörike und Hesse zählte er unter anderen als ehemalige Seminaristen auf. Und die vielen Zuhörer aus Maulbronn mochten es gerne gehört haben, dass Kretschmann mit Hesses „Unterm Rad“ und einem Stich von Maulbronn als Gastgeschenk im Gepäck vor drei Jahren zu Papst Franziskus reiste. Nicht ahnend, dass dieser Hesses Werk schon dreimal gelesen hatte und zwar in deutscher Sprache.

Es mache stolz, „dass dieser einmalige Ort nicht nur uns etwas bedeutet, sondern weit über die Region hinausweist“, so Kretschmann über die erste Weltkulturerbe-Ernennung in Baden-Württemberg, der bis heute fünf Orte folgten. „Es geht Schritt für Schritt“, sagte Kretschmann und war sich sicher, dass das auch einfacher gegangen wäre: wenn man eben gleich das ganze Land genommen hätte.

Die Klosteranlage ist so vollständig erhalten wie kein anderes Zisterzienserkloster nördlich der Alpen und war unter anderem deshalb vor 25 Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt worden. Seitdem haben sich die Besucherzahlen nach Angaben von Finanzministerin Edith Sitzmann von 90000 auf rund 260000 pro Jahr erhöht. Das Kloster sei dem Land lieb und, wie sie nicht verhehlte, auch teuer. Rund 57 Millionen Euro seien vom Land in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten in den Erhalt geflossen. Aktuell werde das Herrenrefektorium für zwei Millionen Euro renoviert. Zum Welterbe-Jubiläum kürte sie die Anlage zum Kloster des Jahres. Die zuständige Konservatorin Dr. Petra Pechacek und Barbara Gittinger von der Klosterverwaltung durften die Auszeichnung entgegennehmen. „Mein besonderer Dank an diesem Jubiläumstag gilt den Denkmalpflegerinnen und Denkmalpflegern, die ihren wertvollen Beitrag zum Erhalt dieses herausragenden Kulturdenkmals geleistet haben“, so Staatssekretärin Schütz, deren Ministerium zugleich oberste Denkmalschutzbehörde des Landes ist.

Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle rechnete zu den von Sitzmann genannten Sanierungsmitteln noch weitere Fördergelder und Investitionen der Klosterstadt hinzu und kam so am Ende auf rund 70 Millionen Euro, die in den letzten 25 Jahren in die Klosteranlage geflossen seien. Er betonte, dass der Titel Unesco-Weltkulturerbe kein touristisches Label sei und Massentourismus in Maulbronn nicht erwünscht sei: „Es bleibt ein Klosterort.“

Ein Kloster, in dem auch schön gefeiert werden kann, wie sich am Sonntag zeigte. Nachdem sich Winfried Kretschmann, Edith Sitzmann und Katrin Schütz in das Goldene Buch der Stadt Maulbronn eingetragen hatten, startete ein großes Jubiläumsfest mit vielen Attraktionen. Mittelalterliche Musik auf der Bühne im Klosterhof, Ausstellungen unter anderem zum Thema „Bauen im Mittelalter“, freier Eintritt ins Kloster sowie zahlreiche Führungen ließen die Besucher strömen. Auch an die junge Generation war gedacht: Mit Hammer und Meißel bearbeiteten die kleinen Gäste den roten Sandstein, aus dem einst das Kloster erbaut worden war.

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