Litauen bekommt die letzte Lieferung

Seit 1996 schicken die Freiwilligen des Vereins „Hilfe für Litauen“ Güter in das Land – Nun fehlen junge Helfer

Von Lukas Huber Erstellt: 24. April 2019, 00:00 Uhr
Litauen bekommt die letzte Lieferung Die Helfer des Vereins "Hilfe für Litauen" beim verladen der Kisten. Foto: Archiv

Zum 25. und letzten Mal werden die Freiwilligen des Vereins „Hilfe für Litauen“ Güter in das osteuropäische Land bringen. Danach ist damit Schluss, weil die älter gewordenen Mitglieder den Aufwand nicht mehr stemmen können.

Sternenfels/Maulbronn. „Schon die Vorbereitungen für die Hilfslieferungen sind wahnsinnig“, spricht Heinz Daferner, erster Vorsitzender des Vereins Hilfe für Litauen, von einem großen Kraftakt, den der 78-Jährige und 72 Jahre alte Stellvertreterin Hannelore Ruff alleine im Vorfeld eines jeden Transports zu stemmen hätten. So sei das Duo ständig im Raum Mühlacker und darüber hinaus unterwegs, um Gegenstände einzusammeln „Nur so sind allein in diesem Jahr schon weit über 200 Arbeitsstunden zusammengekommen.“ Nun stünden noch die Sammelaktionen, an denen mehr als 50 Helfer beteiligt seien, und schließlich die Fahrt in das rund 1600 Kilometer entfernte Land an.

Allerdings ist es das letzte Mal, dass der Verein mit einem 40-Tonnen-Lkw in den Staat fährt, der zwischen Polen, Weißrussland, Lettland und der Ostsee liegt. Alle Mitstreiter seien mit Überzeugung und Spaß dabei, beteuert der Sternenfelser, für jeden sei es eine wichtige Sache. „Es erfüllt einen, es macht Sinn.“ Trotzdem könne dieses Engagement in Zukunft nicht mehr fortgeführt werden. Das Problem sei, dass „die Vorstände und die Helfenden immer älter geworden sind“ und es gleichzeitig zunehmend schwerer werde, Jüngere zur Mithilfe zu motivieren. Vereinzelt hätten Jugendliche – etwa vom Sternenfelser Treff 4 1/2 – mitgeholfen, „wir kriegen aber keine Mitstreiter auf Dauer“.

Jetzt gilt es für die Helfer jedoch, den Fokus auf den letzten Hilfskonvoi zu legen, für den an der Theodor-Schweitzer-Straße 4 in Sternenfels an zwei Terminen Güter gesammelt werden; am Donnerstag, 2. Mai, und am Dienstag, 7. Mai, jeweils von 16 bis 17.30 Uhr. Angenommen werden allerlei Gegenstände, die Heinz Daferner aufzählt: Putz- und Waschmittel, Geschirr, Töpfe, Pfannen, Tassen, Bastelmaterial, Schuhe, Fahrräder, Spielsachen, Haushaltsgeräte, Bettwäsche, Toilettenpapier, Windeln für Erwachsene, Handtücher, Schulsachen, Kleider, Medikamente, nicht verderbliche Lebensmittel wie Reis und nach telefonischer Absprache auch Betten mit Matratzen, ein kleiness Sofa mit zwei Sesseln, ein abschließbares Bücherregal, zwei Pflegebetten, kleine Kühlschränke sowie Rasenmäher. „Ideal sind Verpackungen in Bananenkartons, weil sie gut stapelbar und schnell zu beladen sind.“ An den beiden Terminen könnten auch Geldspenden abgegeben werden, die ebenfalls wie die Gegenstände dringend benötigt würden.

Ein armes Land sei Litauen – seit 2004 Mitglied der Europäischen Union – wirtschaftlich gesehen indes keineswegs, betont Heinz Daferner. Allerdings seien die Gelder von der EU seit jeher in die Wirtschaft geflossen und nicht in das Sozialsystem. „Seit einigen Jahren beginnt auch der Tourismus, das Land zu erfassen“, was steigende Preise für diverse Artikel bedeute. Die Folge: Dem Großteil der Bevölkerung gehe es seit dem EU-Beitritt besser, einem Viertel bis einem Drittel allerdings wesentlich schlechter als vor 2004. Insbesondere auf dem Land sei die Arbeitslosenquote enorm hoch.

Dass die Hilfe, die mehreren Einrichtungen zugute kommt, nach der letzten Lieferung ganz versiegt, will von den Helfern niemand. „Zu der Diakoniestation Sandora in der 200000-Einwohner-Stadt Klaipeda an der Ostsee hat der Verein seit der Gründung 1994, also seit 25 Jahren, ein liebevolles Verhältnis“, sagt der Vorsitzende des Vereins, dessen Mitglieder dabei geholfen haben, dort eine Suppenküche aufzubauen. „Wir sind stolz, dass es uns mit Hilfe unserer Spender gelungen ist, eineinhalb Gehälter von hier aus seit 1999 zu finanzieren, für eine Sozialpädagogin und eine Köchin.“ Allein dadurch müssten jährlich etwa 7000 Euro gesammelt werden. Ohne dieses Geld müsste die Einrichtung schließen, die täglich Menschen eine warme Mahlzeit beschere. „Wir haben bis 2020 die Verantwortung dafür übernommen und wollen dies auch darüber hinaus tun.“ Denn dieses Engagement ist laut Daferner, der von einer langen Warteliste von rund 250 Menschen spricht, absolut notwendig. „Wir haben nur 40 Plätze.“

Wer noch helfen oder spenden möchte, kann sich bei Heinz Daferner (07045/2556) oder Hannelore Ruf (07043/9582150) melden.

Weiterlesen
Grenzenlose Spurensuche

Grenzenlose Spurensuche

„Très joli, très propre“: Der erste Eindruck von Zaisersweiher – hübsch und sauber – fällt positiv aus. „Wir kommen wieder“, sagen daher am Ende einer Stippvisite Nachfahren eines nach SIE… »