„Ich kann nicht die Welt retten“

Fabian Öhler (18) aus Maulbronn leistet Entwicklungsdienst an einer Schule mit kranken und behinderten Kindern in Tansania

Von Frank Goertz Erstellt: 2. Juli 2015, 00:00 Uhr
„Ich kann nicht die Welt retten“ Das Kisuaheli-Lehrbuch kann Fabian Öhler gut gebrauchen. Foto: Goertz

„Ninafurahi kukuona“ – diesen Satz wird Fabian Öhler bald wohl öfter hören. Am 18.August geht der 18-Jährige für ein Jahr in den Norden Tansanias, um dort an einer Schule zu unterrichten, die auch von behinderten Kindern und Kindern mit Albinismus besucht wird.

Maulbronn. „Ninafurahi kukuona“, heißt: „Es ist schön, Sie kennenzulernen.“ Fabian Öhler hat sein Kisuaheli-Wörterbuch immer in der Tasche, seit er weiß, dass die „weltwärts“-Abteilung des ASC Göttingen ihn für ein Soziales Jahr an der Schule Mugeza Mseto in der 70000 Einwohner-Stadt Bukoba am Viktoriasee angenommen hat.

„Ich wollte nach dem Abitur schon immer ins Ausland“, erzählt der Maulbronner, der auch schon früh recht konkrete Vorstellungen davon hatte, wie sein Aufenthalt in der Fremde aussehen sollte: „Irgendwas mit Sport“, erklärt der Leichtathlet von der LG Maulbronn-Stromberg.

Insofern scheint das Freiwilligenprojekt in Bukoba für ihn wie maßgeschneidert zu sein. „Ich soll an der Schule vor allem den Sportunterricht übernehmen“, berichtet Öhler. Dabei gehe es aber weniger um Leistung als vielmehr darum, den Kindern durch Sport Respekt und einen fairen Umgang miteinander beizubringen. „Gleichzeitig wollen wir die Kinder durch das Training motivieren, neue Fähigkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln sowie diszipliniert an sich zu arbeiten.“

Die „weißen Schwarzen“ leben in ständiger Angst

„Sport ist genau das richtige Mittel, um Brücken zu schlagen“, findet Fabian Öhler. Dabei denkt er vor allem an die Kinder, die unter Albinismus leiden, einem Gendefekt, der dafür verantwortlich ist, dass sie sehr helle Haut und leicht rötliche Augen haben. 200000 dieser „weißen Schwarzen“ leben in Tansania in ständiger Furcht vor Ritualmördern. Aus ihren Knochen, der bleichen Haut und den hellen Haaren brauen Medizinmänner Zaubertränke. Das soll Wohlstand bringen – ein jahrhundertealter Aberglaube. Außerdem werden Menschen mit Albinismus als „Zeru“ bezeichnet, was so viel wie Geist bedeutet.
„Ihnen wird nachgesagt, dass sie nicht sterben, sondern nach und nach verschwinden beziehungsweise verblassen“, erklärt Öhler. Aufgrund der Diskriminierung von Menschen mit Albinismus muss die Schule, an der Öhler arbeiten wird, auch streng bewacht werden.

Dem 18-Jährigen ist klar, dass er nicht die Welt retten wird. „Ich gehe doch nicht im Irrglauben nach Tansania, dort alles verändern zu können“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber er möchte einen kleinen Teil zur Aufklärung über Albinismus und der Integration von behinderten Kindern beitragen.

Den nicht seltenen Vorwurf, dass die jungen Menschen, die im Rahmen des „weltwärts“-Programms Dienst in Entwicklungsländern leisten, im Grunde genommen „Sozialtouristen“ seien, kontert Öhler mit Pragmatismus: „Wo liegt das Problem? Ich wollte schon immer gerne einige Zeit im Ausland verbringen, und mein Traum war Afrika. Natürlich nehme ich von dem Einsatz etwas für mein Leben mit. Ich gebe aber auch etwas zurück. Die Menschen dort brauchen Hilfe.“

Abiturient muss sich auf neues Lebensgefühl einstellen

Ein wenig nervös sei er schon, gesteht Öhler sechs Wochen, bevor es losgeht. Andererseits wirkt er ganz gelassen: „Ich werde mich einfach auf das Leben in Tansania einlassen und abwarten, was auf mich zukommt.“ Informationen aus erster Hand hat der Absolvent des Salzach-Gymnasiums bereits eingeholt, als Sänger des Efatha-Chors der Moravian Church aus Dar es Salaam, die mit dem Kirchenbezirk Mühlacker seit 30 Jahren eine Partnerschaft pflegt, bei seiner Schwester in Maulbronn zu Gast waren. „Die Menschen in Tansania sehen viele Dinge offenbar wesentlich gelassener als wir“, berichtet Öhler. Diesem Lebensgefühl müsse er sich dann eben anpassen.

Vorher liegt aber noch ein strammes Programm vor ihm. Dazu zählen zahlreiche Impfungen von Typhus über Tollwut bis hin zu Gelbfieber und ein zehntägiges Seminar, das ihn vorbereitet auf seine Arbeit in Tansania. Auch Sponsoren für seinen Einsatz muss er noch suchen. Zwar ist „weltwärts“ eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wird aber nur zu 75 Prozent durch öffentliche Mittel finanziert. Den Restbetrag für ihren Aufenthalt sollen die jungen Menschen über einen Förderkreis oder Sponsoren selbst einbringen. „Mir fehlen noch 1500 Euro“, sagt Öhler, Er sei aber zuversichtlich, bis zum Tag X das Geld zusammenzubekommen.

Fabian Öhler wird über seine Erfahrungen
in Tansania regelmäßig auf unserer Homepage www.muehlacker-tagblatt.de berichten. Mit dem ersten Beitrag will er aber nicht bis zum Abflug warten, sondern kündigt schon für
Anfang August einen Artikel über seine letzten
Tage in Deutschland an.

Frank Goertz

Stellvertretender Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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