Brettener Forscher finden in den USA Beachtung

US-Medizinjournal berichtet über die Theorie von Bernd und Daniela Willimek – Auch Maulbronner Schüler als Probanden

Erstellt: 10. Mai 2014, 00:00 Uhr

Bretten/Maulbronn (pm). Warum klingt Moll traurig? Die Wissenschaft schien lange Zeit vor dieser Frage zu kapitulieren. Nun scheint eine Antwort gefunden, zu der unter anderen Probanden auch Maulbronner Schüler beigetragen haben.

Ein Bericht im aktuellen amerikanischen Open-Access-Journal „Psychology & Psychotherapy“ stellt unter dem Titel „Why do Minor Chords Sound Sad? The Theory of Musical Equilibration and the Emotions of Chords“ die Arbeit des Brettener Musiktheoretikers Bernd Willimek und der Hochschuldozentin Daniela Willimek „Musik und Emotionen – Studien zur Strebetendenz-Theorie“ vor und liefert damit die erste schlüssige Lösung des Mollproblems: Moll klingt nicht per se traurig, der Musikhörer identifiziert sich dabei vielmehr mit dem Willensinhalt „Ich will nicht mehr“. Erst durch diesen Akt der Identifikation scheint das Moll von Trauer erfüllt.

Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Phänomen der emotionalen Wirkung von Musik generell durch Identifikationsprozesse des Musikhörers mit Willensinhalten, die in der Musik encodiert sind. Anhand der Möglichkeit des Ineinander-Wirkens von gehörten und erwarteten Harmonien erstellt die Strebetendenz-Theorie ein System, durch das selbst kompliziertere und konkrete Willensprozesse musikalisch darstellbar sind. So erklärt sich auch, warum ein lauter werdender Mollakkord nicht mehr traurig wirkt, sondern wütend: Der Willensinhalt „Ich will nicht mehr“ scheint nun energetisch geladen, aggressiv.

Umfangreiche Tests mit über 2100 Probanden aus vier Kontinenten, darunter die prominenten Wiener Sängerknaben und die Regensburger Domspatzen, aber, wie berichtet, auch Schüler des Maulbronner Salzach-Gymnasiums, bestätigten in einer auffallend hohen Übereinstimmung von über 86 Prozent die Präferenzen für bestimmte Harmonien, deren emotionale Wirkung durch die Strebetendenz-Theorie charakterisiert und begründet werden. So wurde etwa der verminderte Septakkord mit der Emotion „Verzweiflung“ assoziiert, der übermäßige Dreiklang als Ausdruck des Staunens erkannt. Die Arbeit „Musik und Emotionen“ argumentiert direkt am musikalischen Material und besticht durch die präzise analytische Beschreibung der musikalischen Harmonie als kompositorisch allgemeingültiger Parameter. Aktuell werden Tests zur Verwendung in der Musiktherapie durchgeführt.

Weiterlesen
Ersthelfer müssen kühlen Kopf bewahren

Ersthelfer müssen kühlen Kopf bewahren

Bereits einfachste Maßnahmen können Leben retten. Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche zur Wiederbelebung zeigt der Maulbronner Ortsverband des Roten Kreuzes, wie es geht. Sternenfels. „Schon drei Minuten nach SIE MÖCHTEN… »